Quantified Self und seine Auswirkungen auf Motivation und Selbstwahrnehmung

Mit Quantified Self wird durch Erfassung und Analyse persönlicher Informationen ein besseres Verständnis über sich selbst angestrebt. Dies hat häufig auch einen motivierenden Effekt.

Quantified Self hat seinen Urpsrung in den USA und wurde von Gary Wolf und Kevin Kelly zum Austausch über das Potential persönlicher Daten gegründet. Seither treffen sich Sportler, Lifehacker und Anbieter innovativer technischer Lösungen weltweit regelmäßig zu Quantified Self Meetups, diskutieren ihre Erfahrungen und tauschen Know How und Erfolgsrezepte aus.

Quantified Self und seine Hintergründe

Die Idee, persönliche Leistungen zu messen und auszuwerten ist bereits seit langem bekannt. Fahrradtachometer, Schrittzähler und Trainingspläne haben das dem Menschen innewohnenden Bedürfnis nach Kontrolle und Bestätigung im Bezug auf die eigenen Fortschritte schon seit Langem befriedigt. Neu an Quantified Self ist der Anspruch dies auf weitere Lebensbereiche auszudehnen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und individuelle Potentiale zur Verbesserung der persönlichen Lebensqualität zu identifizieren.

Quantified Self und die Freude am Sammeln

Schon seit der Renaissance haben Menschen Ihre persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen in Tagebüchern festgehalten. Dabei handelte es sich um einen individuellen Vorgang welcher oftmals der Selbstreflektion diente. Heute führen viele Menschen Trainingstagebücher, um Ihre Leistungen im Sport oder Ihre Entwicklung im Coaching-Prozess nachzuvollziehen und zu optimieren. In vielen Bereichen kann dieser Prozess durch Vitalitätssensoren und Softwareanwendungen teilweise automatisiert werden. Insbesondere neue Technologien wie Smartphones erzeugen zahlreiche Möglichkeiten, Daten über unser Verhalten und unseren Lebensstil zu erheben. Diese reichen von der Analyse der Häufigkeit und Länge mit welcher mit verschiedenen Menschen kommuniziert wird über das Bewegungsprofil bis hin zur Analyse des emotionalen Zustands, welcher an der Tonalität der Stimme erfasst werden kann. Softwaredienste wie Daytum ermöglichen die Erstellung persönlicher Statistiken, von der Art und Anzahl der gelesenen Bücher über die am häufigsten ausgeübten Hobbys bis hin zu den konsumierten Getränken oder Nahrungsmitteln. Auch die körperliche Verfassung kann mit Vitalitätssensoren wie vernetzten Waagen, Schrittzählern oder Schlafsensoren erfasst und beobachtet werden.
Daytum tats

Quantified Self und spielerische Motivationsmechanismen

Die Erfassung von Informationen über sich selbst ist nicht nur eine Möglichkeit Potentiale zu einer besseren Lebensqualität zu finden. In Verbindung mit dem Technologietrend Gamification hat Quantified Self den Anspruch Verhaltensänderungen und eine gesunde Lebensweise zu unterstützen. Hierbei geht es darum die, in der Entwicklung von Computerspielen optimierten Gestaltungsregeln des Spieldesigns auf Dienste und Anwendungen des realen Lebens zu übertragen. Dies beinhaltet die Einbindung von Mechanismen wie Zielen, Regeln, Feedback und Belohnungen in die Interaktion mit Produkten und Dienstleistungen. Deshalb ermöglichen viele Fitnessprodukte wie Fitbit oder Nike+Active  das Setzen von Zielen, wie zum Beispiel täglich 10.000 Schritte zu gehen und verleihen virtuelle Auszeichungen für die erbrachten Leistungen.

Reward Nike+ Active

Äußeres Feedback erzeugt Klarheit und erhöht die Motivation

Die Vermessung und Visualisierung der eigenen Leistung erzeugt ein unmittelbares Feedback, wo der Anwender im Bezug auf sein Ziel steht. Ergänzt man das System Mensch um eine äußere Feedback-Schleife, können verschiedene motivierende Aspekte ausgenützt werden. Durch schnelle Rückmeldung kleinster positiver Veränderungen entsteht eine Bestätigung, auch wenn vom subjektiven Standpunkt des Menschen noch kein wirklicher Fortschritt erkennbar ist. Diese Bewusstmachung erzeugt Klarheit und kann förderliche Auswirkungen auf die intrinsische Motivation hervorrufen. Am Beispiel einiger Fitnessprodukte wie zum Beispiel Runkeeper oder Nike+ Active hat sich die Wirksamkeit in der Praxis bereits belegt. Eine ähnliche Abbildung von Eigenschaften durch Informationen kann sich über verschiedenste Lebensbereiche erstrecken und den Menschen bei seiner individuellen Entwicklung unterstützen.

Zukünftige Potentiale aus dem Umfeld von Quantified Self

Digitale Produkte für Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung können uns helfen, ein gesünderes und zufriedeneres Leben zu führen. Dazu ist es notwendig dass die Produkte uns kennen und auf unsere individuellen Bedürfnisse eingehen. Um zielgerichtete Unterstützung leisten zu können, brauchen digitale, auf logischen Regeln basierende Systeme ein Profil der relevanten Faktoren unseres Lebens. Die Werte der zugehörigen Parameter können durch die Erfassung mit Software und Biosensoren ermittelt werden. Deshalb entwickeln einige Pioniere aus dem Umfeld von  Quantified Self Technologien und Produkte die eine immer bessere Analyse von Eigenschaften aus verschiedenen Lebensbereichen erlauben. Die darauf aufbauenden Produkte greifen das Know How aus Disziplinen wie Hardware, Software aber auch Verhaltenspsychologie auf. Das Resultat werden intelligente Assistenz-Tools sein, die uns vor gesundheitlichen Risiken bewahren und zu einer konstruktiveren Lebensweise motivieren.

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