Quantified Self Gadgets und Tools – Worauf man achten sollte

Zahlreiche Smartphone Apps und Biosensoren unterstützen einen gesunden Lebensstil. Bei der Wahl der Produkte sollte man Benutzerkomfort und Kompatibilität berücksichtigen.

2012 erreichen viele neue Produkte und Dienste mit Quantified Self-Bezug den Massenmarkt. In der Gesundheitsbranche bilden Gerätehersteller, Mobilfunkanbieter und Krankenkassen Allianzen, welche mit neuen Technologien zusätzliche Einnahmequellen oder die Nutzung von Einsparpotentialen erschließen wollen. Auch auf Konsumentenseite wird das Technologieinteresse junger Menschen zunehmend von Sportmarken wie Adidas und Nike mit attraktiven Produkten bedient. Doch was ist bei der Wahl von Sensoren und Apps für die eigene Vermessung zu beachten?

Einfache und benutzerfreundliche Produkte steigern den Spaß an der Selbstanalyse

Die Verwendung von Analyselösungen für Sport, Ernährung oder andere Lebensbereiche bedeutet einen zusätzlichen Aufwand gegenüber der gewohnten Verhaltensweise. Deshalb helfen benutzerfreundliche Produkte, den Prozess der Selbstbeobachtung einfach und den Mehrwert der Analyse hoch zu halten. Viele der aktuellen Dienste und Produkte haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, und die Aufzeichnung und Auswertung von Daten vereinfacht. Achten Sie bei Apps auf eine schnelle und unkomplizierte Eingabe und konzentrieren Sie sich auf die für Sie relevanten Bereiche. Oft reicht es aus, z.B Kalorien nicht bis ins kleinste Detail zu Erfassen, sondern sich z.B. durch Fotos die eigene Ernährungsweise bewusst zu machen.

Smartphones werden die Zentrale der persönlichen Datennutzung

Smartphone Apps erlauben die Aufzeichnung persönlicher Informationen im Alltag, wodurch die modernen Mobiltelefone zur Zentrale vieler Quantified Self Lösungen werden. Auch Sensoren wie Schrittzähler oder Pulsmesser können mit dem Smartphone kommunizieren und ihre gemessenen Daten dem Nutzer zugänglich machen. Dies geschieht meistens kabellos und hat Auswirkungen auf die Batterielebensdauer der Geräte.
Funkverbindungen über Bluetooth haben einen hohen Energieverbrauch, sodass Sensoren mit integriertem Akku schon bald einen Vorteil bei Kosten und Komfort gegenüber batteriebetriebenen Produkten mit sich bringen. Insbesondere bei Sensoren aus dem Sportbereich ist der Übertragungsstandard Ant+ weit verbreitet und ermöglicht eine energieeffiziente Funkübertragung von Daten. Zur Anbindung an das Smartphone muss in den meisten Fällen jedoch ein zusätzlicher Empfänger am Gerät eingesteckt werden. Dieser Nachteil entfällt mit Bluetooth Smart, der 4. Generation des Bluetooth Übertragungsstandards, welcher aktuell in den Markt eingeführt wird. Wahoo Ähnlich wie Ant+ ermöglicht Bluetooth Smart die energiesparende Verbindung von Bewegungsmessern, Pulsgurten und anderen am Körper getragenen Sensoren mit dem Smarthone, wobei im Gegensatz zu Ant+ kein extra Empfänger am Smartphone befestig werden muss. Aktuell ist Bluetooth Smart in den Smartphones iPhone 4s und Motorola Droid Razr verbaut (Stand 08.03.2012. Eine aktuelle Liste unterstützter Geräte finden Sie hier). In den nächsten 2 Jahren wird mit einer umfassenden Verbreitung von Bluetooth Smart in Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten gerechnet.

Quantified Self und bewusste Entscheidungen zur Privatsphäre

Wie bei modernen Softwarenanwendungen üblich, sind viele Quantified Self-Dienste als Browserapplikation realisiert, wobei die Daten auf einem Server des Betreibers gespeichert werden. Dies erlaubt die Verwendung der Dienste im Internet, unabhängig von einer Softwareinstallation auf einzelnen Geräten. Häufig können die Nutzer ihre persönlichen Daten mit anderen Anwendern oder der Öffentlichkeit teilen. So ermöglicht der Hersteller Fitbit einzelne Parameter gezielt für Freunde auf der Plattform des Herstellers oder auch öffentlich freizugeben. Ähnlich wie bei Facebook, kann für Werte wie die Anzahl der Schritte, der Erholsamkeit des Schlafs oder das Gewicht eine individuelle Privatsphäreeinstellung vorgenommen werden. Manche Dienste sind als soziales Netzwerk konzipiert und beziehen einen großen Teil Ihres motivierenden Effekts aus den Interaktionen der Gruppenmitglieder. Hierbei können andere Nutzer des Dienstes, bei manchen Anwendungen auch nichtregistrierte Internetnutzer, Ihre Daten einsehen. Hier helfen Pseudonyme, die persönlichen Informationen vor der Öffentlichkeit zu schützen.

Das quantifizierte Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Insbesondere im Kontext betrachtet ergeben Daten wie Bewegungsaktivität, Gewicht, Ernährung, Blutruck und Stimmung einen Sinn. Werden die einzelnen Datenströme in Verbindung gesetzt, lassen sich Abhängigkeiten der verschiedenen Lebensbereiche aufzeigen, was zu einem besserem Selbstverständnis und eine höherer Motivation führen kann. Nicht alle Anbieter erlauben jedoch die Verwendung Ihrer Daten durch Drittanbieter oder den Download der Werte zur Weiterverwendung. So bleiben die verschieden Messwerte im schlimmsten Fall isoliert bei verschiedenen Herstellern verstreut. Informieren Sie sich deshalb vor dem Kauf von Sensorprodukten, ob der Hersteller den Download und Export seiner Daten unterstützt. So können Sie bei einer zukünftigen Ausweitung Ihrer Selbstanalyse sicher stellen, das Maximum an Nutzerkomfort und Informationstiefe zu erhalten.

Ihr quantitativer Beitrag zu einer besseren Welt

Über ihren Beitrag zur persönlichen Selbsterkenntnis und Selbstmotivation hinaus, besitzen Ihre Daten einen großes Potential für die Entwicklung besserer Produkte und Dienstleistungen. So tragen die Nutzer des Schlafsensors Zeo mit der Freigabe ihrer anonymisierten Schlafdaten zur Analyse durch Industriepartner zur Entwicklung besserer Medikamente bei. Durch die Verbreitung einer großen Menge an Sensoren entsteht zukünftig ein enormes Datenvolumen, aus welchem mit modernen Analysemethoden neue Erkenntnisse gewonnen werden kann. Gary Wolf, Co-Founder der Quantified Self Labs, hat für dieses Wissen aus der Masse an Nutzerdaten den Begriff Macroscope geprägt.

Dieses Wissen kann zur Entwicklung von besseren Produkten, wirksameren Medikamenten und lebenswerteren Städten eingesetzt werden. In der Analyse großer Datenmengen liegt enormes Potential von welchem Sie selbst profitieren können. Überlegen Sie deshalb gegebenenfalls sachlich, ob die anonymiserte Verwendung Ihrer Daten auch zu Ihrem eigenen Vorteil sein könnte.

Fazit

Die sinnvolle Nutzung von Produkten und Diensten mit Quantified Self-Bezug, setzt wohl-informierte und bewusste Entscheidungen voraus, weshalb die Diskussion des Themas in Gesellschaft und Medien weiter zunehmen wird. Stellen Sie Ihre Fragen zu Quantified Self gerne als Kommentar oder Nachricht, oder sprechen Sie mit den Mitgliedern der Deutschen Quantified Self Community bei einem Ihrer Meetups. Die nächste Gelegenheit dazu ist am 13.3 in München.

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