Die Wearable Technologies 2013 Europe Conference

Zur Wearable Technologies Konferenz versammeln sich regelmäßig Vertreter aus der Sport- und Gesundheitsindustrie aber auch Themen aus Sicherheits- und Unterhaltungstechnik werden diskutiert. Erst kürzlich drehte sich in München wieder alles um die Wearable-Tech Zukunftsmärkte.

Am 4. Februar fand in München die jährlich abgehaltene Wearable Technologies Europe Conference statt.  Christian Stammel, CEO der Wearable Technologies AG, eröffnete mit einer Keynote und gab einen Überblick über die Wearable-Tech Märkte der Zukunft. Insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Unterhaltung entstehe Prognosen zufolge mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 37 Prozent ein enormes wirtschaftliches Potential. Als Schlüsselfaktoren nannte Stammel den Erfolg des noch jungen Bluetooth Smart Übertragungsstandard, welcher aufgrund neuer, kostengünstiger Chips schon bald in allen modernen Smartphones verfügbar sein werde. Auch das Aufkommen neuer Produktkategorien wie z.B der mit großem Erfolg vom Markt angenommenen Smartwatches wertete der Wirtschaftsexperte als Indiz für die Bereitschaft der Konsumenten, neue Wearable Tech-Lösungen in ihren Alltag zu integrieren.

Große Fortschritte im Sport und Gesundheitsmanagement

Im Anschluss an Stammels Keynote begann das Fitness Panel mit Firmen wie Finis, Impire und Fitbit. Besonders interessant war die Beschreibung von Christian Holzer vom Fusball-Daten-Spezialisten Impire, wie die Fussball-Tracking-Lösungen seines Unternehmens auf die unterschiedlichen Anforderungen im Spiel-Einsatz, im professionellen Training und bei Amateuersportlern optimiert wurden. So bietet Impire für den Einsatz in Liga-Spielen taktische Informationen auf Basis seiner Bilderkennungssysteme als Dienstleistung an, sodass die Trainer im hektischen Spielbetrieb nicht zusätzlich zu belasten. Für das profesionelle Training hingegen bietet Impire Sensoren dür dei Spieler, welche durch eine Verbindung aus GPS, Beschleunigungsmessung und Korrekturrechnung auf Basis der Daten aller vermessenen Spieler präzise Informationen zu Aktivität und Laufwegen der Sportler erfassen können. Im Gegensatz hierzu verzichtet Impire‘s Lösung für Amateur-Sportler auf GPS, um bei angemessenem Preis den für die Zielgruppe wichtigen einfachen Betrieb und die lange Akkulaufzeit sicherstellen zu können. Durch diese Gegenüberstellung verdeutlichte Holzer, wie stark sich die Anforderungen an Tracking-Lösungen innerhalb einer Sportart unterscheiden und das nur durch Anpassung an die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe, optimale Lösungen entstehen.

Aufschlussreich waren auch die Beiträge der Vertreter von Fitbit und Withings. Gareth Jones berichtete über Fitbit‘s Erfahrung mit dem Einsatz seiner Produkte im betrieblichen Gesundheitsmanagenemt. In ersten Tests mit Firmen wie Coca Cola hätten sich bis zu 75% der Mitarbeiter für die Nutzung der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Gesundheitstracker entschieden und die Bewegungsaktivität in ihrem Alltag um durchschnittlich 43 % gesteigert. Die hieraus resultierende gesundheitlche Verbesserung der Mitarbeiter, führe so Garrett zu einer Reduktion krankheitsbedingter Arbeitsausfälle was die Nutzung von Fitbits System zu einer der Kosten-effektivsten Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement mache. Cédric Hutchings von Fitbits Wettbewerber Withings stellte auf der WT Konferenz den neuen Activity Tracker und die neue Körperwaage des französischen Unternehmens vor. Durch die, in die beiden neuen Produkte integrierte Pulsmessung, ergänzt Withings seine Gesundheitsplattform um einen weiteren Vitalitäts-Parameter mit großer Bedeutung für die Gesundheit und die Früherkennung von Erkrankungen.

Future Tech und Augmented Reality auf der Wearable Technology Conference

Auch aus dem Bereich Augmented Reality waren innovative Konzepte aber auch die Marktführer mit ihren neuesten Lösungen vertreten. Zu Beginn des Panels präsentierte Gilles Bailey sein Konzept ShoeSense, ein optisches Interface zur Gestensteuerung welches in Schuh integriert werden soll. Ähnlich wie Microsofts Kinect welche in Prototypen des Systems verwendet wurde, sollen die Eingaben des Nutzers mit Hilfe von Kameras im Schuh erfasst werden, wodurch das Tragen weiterer Geräte als Interface überflüssig wird und Eingaben in beliebiger Körperhaltung gemacht werden können, so zum Bespiel auch unter einem Tisch.

David Lock von Vuzix präsentierte einen Prototpypen der MX100, welche ähnlich der Google Glasses Informationen im peripheren Gesichtsfeld des Benutzers zur Verfügung stellt. Das voraussichtlich noch in diesem Jahr erhältlich Gerät beschrieb Lock dabei als den Beginn eines neuen Computer-Paradigmas. Zukünftig könnten in Brillen integrierte durchsichtige Display jederzeit eine Erweiterung der Realität ermöglichen und die heute so populären Smartphones Teil der Brille werden. Tom Fowler von Recon Instruments, Hersteller der angesagten Heads Up Displays für Ski und Snowboardbrillen, beschrieb, wie er sich die Zukunft der Augmentierung vorstelle – die ergänzend angebotenen Informationen sollen kontextrelevant, unaufdringlich und gemäß den Erwartungen des Nutzers zur Verfügung gestellt werden und vor allem Aktivitäten in der realen Welt unterstützen. Daher würden die Lösungen von Recon Instruments zukünftig spezifisch für die Anforderungen in verschiedenen Sportarten, aber auch in Berufsgruppen wie z.B. von Operateuren optimiert werden.

Wearable Technologies Innovation Worldcup

Den Abschluss der Konferenz bildete die Präsentation der Finalisten des Wearable Technology Innovation Worldcup. Unter den Teilnehmern waren mehrere innovative Ansätze aus dem Sport und Gesundheitsbereich, aber auch Sicherheit auch neue wearable Lösungen in den Bereichen Sicherheit und Gaming wurden vorgestellt.  Meine persönlichen Highlights unter den Finalisten waren die Sensor-Sensoria, welche aufgrund eines neuen Druck-sensitiven Gewebes Informationen zu Gang und Haltung erfassen kann, sowie der Technologie-Demostrator OptoPhone von der School of Engineering aus Jerusalem. Diese hat die Laser-Spektroskopie für den Nahfeldbereich optimiert, sodass mit einer flachen Laser-Sensorik in einem Uhrenarmband, Werte wie Puls, Atemfrequenz und Alkoholpegel erfasst werden können. Auch der WT Innovation Worldcup Finalist Shaun Rahimi mit seinem Startup Thimble Bioelectronics hat mich auf ganzer Linie begeistert. Der smarte Gründer aus San Francisco möchte mit seinem High-Tech-Pflaster auf Basis der Elektrostimulation Menschen von chronischen Schmerzen befreien und hat sich damit sicher eines der relevantesten Wearable Tech-Themen ausgesucht. Über die unterschiedlichen Panels hinweg, bot die Wearable Technologies Konferenz einen einzigartigen Überblick über einige der innovativsten Technologien welche schon bald eine enorme wirtschaftliche und kulturelle Relevanz entwickeln dürften.

Eine Randbemerkung aus Björn Eskoflers (Lehrstuhl für Mustererkennung der Universität Erlangen Nürnberg) Vortrag habe ich, als Quantified Self Botschafter, mit Freude zur Kenntnis genommen –  Laut Eskoflers war Adidas‘ Micro Pacer aus dem Jahr 1983 das erste auf dem Markt erhältliche Quantified Self-Produkt eines Sportartikelherstellers. Eine Tatsache, die mich in meinem Optimismus für die Zukunfts-orientierten Industrien in Deutschland bestärkt.

Hinweis: ich bin für diverse Projekte und Startups aus dem Portfolio der Wearable Technologies AG tätig

2 Comments

  1. Volker

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    Gibt es zu dem Vortrag von Gareth Jones von FitBit Hintergrundunterlagen? Wenn Coca-Cola gute Erfahrungen bei einem Feldversuch gemacht hat, dann könnte man doch mit den Ergebnissen mal bei der eigenen Personalabteilung anklopfen. Vielleicht gibt mein Arbeitgeber ja auch für alle Kollegen einen FitBit aus 🙂

  2. Florian Schumacher
    Florian Schumacher

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    Die Unterlagen der Fachkonferenz sind leider nur für deren Teilnehmer zugänglich. Melde Dich doch bei Fitbit Deutschland, ob sie Dir nähere Informationen geben können. Ich befürchte man muss davon ausgehen, dass die Akzeptanz der Mitarbeiter 2013 in Deutschland nicht dieselbe sein wird wie in Amerika. Der motivierende Effekt dürfte jedoch trotz oder genau wegen der Deutschen Mentalität sehr gut funktionieren 😉

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