Jawbone Up – Modisches Multitalent mit kleinem Schönheitsfehler

Jawbone ist bekannt als Hersteller innovativer Bluetooth-Produkte. Dass er bei seinem Self-Tracking Armband auf eine Funkverbindung verzichtet, führt zu deutlichen Komforteinbußen bei der Benutzung. Optisch hingegen zeigt sich das high-tech Accessoire von seiner besten Seite.

Seit gestern ist das Jawbone Up in Deutschland erhältlich, ein Produkt, das Ende 2011 erstmals vorgestellt wurde, aufgrund von Qualitätsproblemen dann jedoch wieder vom Markt genommen werden musste.  Eine überarbeitetet Version ist in Amerika seit einigen Monaten erhältlich, nun kommt also die internationale Expansion und auch Android Nutzer werden als Kunden umworben. Während der vergangenen Monate hatte ich die Gelegenheit fünf verschieden Aktivitätsmonitore zu testen, darunter auch das Up, welches ich aus San Francisco mitgebracht hatte. Im Vergleich zu den Geräten von BasisBodymedia, Fitbit und Nike kann man bei Jawbone eine klare Lifestyle Positionierung erkennen, wobei das Armband zur Aktivitäts-, Schlaf- und Ernährungsanalyse zu einem ausgeglichenen und gesunden Lebensstil verhelfen möchte. Aufgezeichnet werden die Daten über Beschleunigungssensoren, welche die Bewegungen am Handgelenk aufzeichnen und interpretieren. Die App zum System ermöglicht das Protokollieren von Nahrungsmitteln, wobei das Team von Jawbone einen interessanten Ansatz beim schwierigen Thema Ernährungstracking entwickelt hat.

Jawbone Bands

Jawbone Up als Schrittzähler

Vermutlich das wichtigste Kaufargument für ein Gerät wie das Jawbone Up ist das Aktivitätsmonitoring. Durch die Bauweise als Armband ist die Nutzung des Ups einfach, da man nicht wie bei Geräten anderer Bauart daran denken muss, sich den Schrittzähler in die Tasche zu stecken oder an der Kleidung zu befestigen. Auch die Gefahr des Verlierens wird durch den Formfaktor wesentlich verringert. Prinzipbedingt müssen Pedometer am Handgelenk die zu zählenden Schritte von Bewegungen des Arms unterscheiden – im Vergleichstest konnte ich feststellen dass diese Aufgabe jedoch ganz gut gelingt. Jawbone’s Up kommt in einem eleganten Design, dass man seinen Mitmenschen am Handgelenk durchaus präsentieren kann, allerdings fehlt ihm ein Display oder Statusleuchten, welche direkt am Gerät ein Feedback über die Anzahl der Schritte liefern. Nur durch Synchronisierung mit dem Smartphone erhält man Einblick in seine Werte, was jedoch mit einer weiteren Hürde versehen ist. Um seine aktuellen Werte in Jawbone’s App sehen zu können, muss das Up in die Kopfhörerbuchse des Smartphones gesteckt werden, was im Vergleich zur Funkübertragung der Wettbewerber die Batterielaufzeit leicht verlängert, dennoch reichlich altmodisch anmutet. Dieser relativ umständlich Vorgang war für mich ausschlaggebend, dass Up vergleichsweise selten zu synchronisieren wodurch der positive Effekt des Feedbacks welcher zum Beispiel beim Nike Fuelband optimal umgesetzt ist, weitgehend ausblieb.

Schlaf- und Ernährungsanalyse

Ähnlich wie beim Fitbit One, misst das Up die Bewegung seines Trägers im Schlaf und kann auf Basis dieses, Actigraphie genannten Verfahrens unterscheiden, wann sich der Nutzer im Leichtschlaf oder in den ruhigeren REM- oder Tiefschlafphasen befindet. Dadurch kann der Up als Schlafphasenwecker eingesetzt werden, sodass man morgens durch das Vibrieren des Armbands aus dem Leichtschaf geweckt wird. Der gewünschte Aufwachzeitraum muss dabei über die App eingestellt werden, was das einstecken des Ups in den Kopfhörereingang erfordert. Auch hier leidet die Usability durch den Verzicht auf eine Funkverbindung und die Wirksamkeit der Schlafphasenweckfunktion konnte ich im Rahmen meines Tests nicht verifzieren. Selbstverständlich protokolliert das Up auch die Dauer des Schlafs, und vergleicht diese mit einem selbstgewählten Ziel. Für diese Aufzeichnung muss das Armband manuell per Knopfdruck in den Schlafmodus und beim Aufstehen wieder in den Wachmodus versetzt werden. Der eingebaute Vibrationsmotor wird von Jawbone auch für eine Reihe weiterer Features eingesetzt, wie zum Beispiel als Erinnerung sich zu Bewegen, welche nach längerer körperlicher Inaktivität erfolgt.

Die Aufzeichnung der Ernährung erfolgt wie bei den Produkten von Bodymedia und Fitbit in der zugehörigen App, was Jawbone jedoch auf eine sehr ansprechende Art gelöst hat. Im Gegensatz zur schlichten tabellarischen Eingabeform der Wettbewerber hat Jawbone ein optisch sehr ansprechendes Interface entwickelt, welches viele Bilder und Grafiken verwendet. Hier unterscheidet sich Jawbones Ansatz deutlich von den meisten anderen Lösungen zum Kalorienzählen und legt die Betonung auf die visuelle Gestaltung. Auch die Übernahme von Massive Health, einem Lifestyle orientierten Gesundheits-Startup, deutet darauf hin, dass Jawbone seine Design-Ambitionen weiterhin ausbauen wird, was den Markt zukünftig um einige interessante Produkte ergänzen dürfte.

Jawbone Up App

Pro und Contra für das Jawbone Up

Mit dem Formfaktor, dem tollen Design und einer ansprechenden App hat Jawbone beim Up einige Punkte sehr gut umgesetzt. Mangels direktem Feedback am Armband und aufgrund der umständlichen Synchronisation mit dem Smartphone hat es das Up trotz vieler Stylepunkte nie zu meinem Lieblingsgadget geschafft. Die hervorragende Synchronisation der aktuellen Produkte von Fitbit oder das toll umgesetzte Feedback von Nike’s Fuelband haben mich stärker begeistert, und die automatische Schlaferkennung von Basis Band und Bodymedia vereinfachen das Self-Tracking im Alltag was die Praxistauglichkeit enorm erhöht. Hier kann das Up nicht mithalten, bietet mit dem Vibrationsalarm und der ansprechenden App dennoch einige herausragende Features. Wer mit Abstrichen beim Feedback und der etwas umständlichen Synchronisation leben kann, für den könnte es dennoch ein interessantes Produkt sein. Den Jawbone Up bei Amazon gibt es hier.

Neben dem Jawbone Up habe ich mittlerweile über 15 weitere Activity Tracker- und Nachteile der gängigsten Modelle findet Ihr im Activity-Tracker Überblick.

 

 

18 Comments

  1. Philipp

    Reply

    Ich bin sehr gespannt auf das UP Armband. Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Es ist natürlich Schade, dass man das Armband immer über den Klinkenanschluss synchronisieren muss, das ist in der Tat ziemlich altmodisch. Ist das Armband ansonsten robust? Ich würde es gerne auch beim Handball tragen (gegebenenfalls mit einem Schweißband umgeben)

    • Florian Schumacher
      Florian Schumacher

      Reply

      Mechanisch ist es einigermaßen stabil, wobei es bei grobem Sport schon vom Handgelenk gerissen werden könnte. Außerdem verliert man die Verschlusskappe für den Kopfhörerstecker recht leicht.

  2. Herby

    Reply

    ich habe es mir heute bestellt…..ich empfinde die fehlende BT Kopplung eher als Vorteil…es spart den Akku…ferner muss hierzu auch nicht ständig eine app im Hintergrund laufen, die den Akku leersaugt.Blinkende Lämpchen am Armband gehen auch wieder zu Lasten des Akkus, im Armband
    Zur Zeit nutze ich die Accupedo Android app, die mittels der Sensoren in meinem Galaxy S3 die Schritte zählt. Stelle aber auch hierbei fest, das es arg den Akku belastet.
    Grund für dieses Armband war für mich einmal festzustellen wieviele Schritte ich am Tag zurücklege auf der Arbeit. Da es weit über 10000 Schritte bei mir täglich sind ,versuche ich mit Ernährungsdokumentation in der app tatsächlich mal herauszufinden woran es liegt, das ich mein Gewicht nicht reduzieren kann.evtl liegt es auch am Schlafmangel.
    Ich bin schon ganz gespannt

    • Florian Schumacher
      Florian Schumacher

      Reply

      Eine Hardwarelösung macht definitiv Sinn um den Akku des Smartphones zu schonen und auch tracken zu können, wenn man das Smartphone mal nicht bei sich hat. Auch an einem Tag an dem man das Haus nicht verlässt und das Smartphone die ganze Zeit herumliegt, kommen durch die Bewegung in der Wohnung leicht 1000 bis 2000 Schritte zusammen die eine Smartphone Apps nicht registriert hätte. Viel Spaß und Erfolg mit dem Up!

  3. Herby

    Reply

    einen weiteren Vorteil sehe ich noch darin, da wir sowieso zugestrahlt werden von BT Wlans und Dect Telefonen usw., das ich nicht noch einen Sender 24 Stunden und an 7 Tagen in der Woche am Arm trage . Vor allem nicht Nachts.

    • Florian Schumacher
      Florian Schumacher

      Reply

      Klingt vernünftig, hätte man aber auch wie Nike lösen können, wo Bluetooth nur temporär eingeschaltet wird wenn man die Synchronisation manuell auslöst.

    • Hakan

      Reply

      Guter Beitrag!

  4. Stephan

    Reply

    Für mich ist die Software der eigentliche Erfolgsfaktor eines solchen Gadgets. Da Jawbone die Entwickler von Massive Health übernommen hat, bin ich ziemlich gespannt, was dort als nächstes kommt.
    Kannst du etwas zur aktuellen App sagen, die kann man ja leider nicht ohne UP ausprobieren, wie andere Hersteller das ermöglichen.

    • Florian Schumacher
      Florian Schumacher

      Reply

      Optisch ist die App sehr ansprechend gestaltet. Insbesondere wenn man seine Ernährung aufzeichnet ist Jawbone’s Ansatz die Eingabe durch Bilder und Icons zu unterstützen eine attraktive Alternative zur schlichten tabellarischen Darstellungen der meisten Wettbewerber. Wo also bei anderen Lösungen alles textbasiert gewählt und eingegeben wird, kann man bei Jawbone’s App seine Speisen anhand von Bildern auswählen und die Größe der Portion durch Icons visualisiert eingeben. Eine Web App ist aktuell nicht verfügbar. Jawbone’s API sollte die Verbindung mit weiteren Self-Tracking Lösungen jedoch sicherstellen sodass in zukünftig ähnlich wie bei Fitbit oder Withings das Ökosystem mit weiteren Geräten und Partnern ergänzt werden kann.

  5. Thorsten Herbrand

    Reply

    Hallo Florian, welches ist denn vor dem Hintergrund Deines Tests Deine Empfehlung zwischen den einzelnen Geräten wenn Du mal das Übertragungsproblem ausklammerst, welches ist bzgl Funktionalitäten die rundeste Lösung? Danke und Gruss Thorsteb

  6. Florian Schumacher
    Florian Schumacher

    Reply

    Hallo Thorsten, eine allgemeine Antwort auf Deine Frage gibt es leider nicht. Das Fuelband ist eine tolle Lösung für alle die sich mehr bewegen wollen. Die robuste und praktische Hardware liefert direkt am Armband ein gutes Feedback und macht mit der integrierten Uhr einfach Spaß. Alternativen sind in Deutschland aktuell nur von Fitbit und Jawbone erhältlich. Beide eignen sich, um Aktivität, Ernährung und Schlaf aufzuzeichnen und unterscheiden sich in meinen Augen primär in der Ausgereiftheit ihrer Funktionalität, der Integration mit Drittanbietern und dem Anspruch an das Design. Spannend könnte auch der Activity Tracker von Withings werden, welchen ich bisher jedoch noch nicht testen konnte. Ich arbeite an einem umfassenden Vergleichstest – dieser wird in den nächsten Wochen hier bei igrowdigital erscheinen.

  7. gabi

    Reply

    Mich aergert das das jawbone up nicht bei den samsung galaxy tabs laeuft, ich habe ein 7.0 plus n mit android 4.0, gibt es da irgendwann auch eine Moeglichkeit?

  8. Evi

    Reply

    Bei mir wird alles auf englisch dargestellt. Habe ein Samsung S3. Gibt es eine Lösung, dass ich alles auf deutsch lesen kann? Danke für Tips 🙂

  9. Stefan

    Reply

    Da ich ein sehr vorsichtiger Mensch bin und das Armband 24 Stunden trage frage ich mich, ob dass wirklich „so“ gesund ist. Angeblich soll von dem Gerät keine Strahlung ausgehen, aber irgendwie bin ich mir bei Strahlung und Elektrosmog nicht so ganz sicher?! Konntet Ihr das Armband auf diese Sachen untersuchen? Ist es wirklich völlig ungefährlich wenn es beim Schlafen so nah am Kopf liegt?!

    • Martin Sona

      Reply

      Stefan, untersucht haben wir das nicht, aber ich würde mir da keine großen Gedanken machen. Das Gerät hat nur eine winzige Menge Energie zur Verfügung und dadurch ist das Potential für Schaden äußerst gering.

  10. Florian Schumacher
    Florian Schumacher

    Reply

    Wie von Martin schon angedeutet ist die Gefahr durch elektrische Felder eines solchen Armbands relativ gering. Selbst die Geräte mit Bluetooth senden ja nicht permanent. Geräte mit Bluetooth 2.0 mussten ohnehin manuell aktiviert werden und beim neuen Standard 4.0 verbinden sich Tracker und Smartphone nur in längeren, periodischen Abständen. Vermutlich ist das Risiko höher, dass Du ohne Tracker nicht genug läufst und Dir irgendwann ein Herzinfarkt oder ähnliches den Spaß verdirbt 😉

  11. Stefan

    Reply

    @Martin, @Florian Danke für die Infos – Bisher bin ich sehr zufrieden mit dem UP. Grüße aus Dortmund, Stefan

  12. Jürgen

    Reply

    Ich finde das Armband sowohl optisch als auch technisch gelungen. Die Oberfläche zeigt mit meine verbrauchten Kalorien, meine Distanz und viele Training-Tipps an. Das Armband ist auch mit anderen APPs für das Smartphone kompatibel. Leider gibt anscheinend mit manchen Handys Verbindungsprobleme. 🙁

Kommentar verfassen