Quantified Self und die Vielfalt des Lebens

Findige Self-Tracker sammeln Daten zu den verschiedensten Bereichen ihres Lebens. Hier sind drei außergewöhliche und besonders spannende Projekte.

Millionen von Deutschen tragen Aktivitätstracker und Smartwatches, um sich zu einem aktiveren Lebensstil zu motivieren. Die Daten werden überwiegend als Feedback-Loop genutzt, fördern die Bewusstmachung des eigenen Aktivitätslevels und dienen als Trigger, vom gewohnten Verhalten abzuweichen und mehr Bewegung in den Altag zu integrieren. Bei der analytischen Nutzung persönlicher Daten bewegt sich die internationale Self-Tracking Community jedoch auf einem ganz anderen Level. Deshalb bin ich immer wieder begeistert, die hochindividuellen und oftmals sehr ausgefallenen Projekte zu sehen, die auf den Quantified Self Konferenzen und Meetups gezeigt werden. Drei davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

Ahnjili Zhuparris: “How I Found My Psychedelic Sweet Spot Using R”

Quantified Self wird häufig mit körperlicher Selbstoptimierung und Gesundheitsobsession in Verbindung gebracht. Dass es hier auch Ausnahmen gibt, zeigt Ahnjili Zhuparri, eine Studentin der Neurowissenschaften. Sie untersucht den Effekt psychedelischer Substanzen auf die kognitiven Eigenschaften, im Rahmen universitärer Forschung und als persönliches Citizen Science Projekt. So hat sie die Wirkung von Cannabis, LSD, Ritalin und anderen Substanzen auf ihr eigenes Bewusstsein untersucht und mit Hilfe statistischer Methoden ausgewertet. Ihre Präsentation war Teil der Eröffnung der diesjährigen Quantified Self Konferenz in Amsterdam und kann als Beispiel dafür verstanden werden, wie offen die QS-Bewegung mit unterschiedlichen persönlichen Interessen umgeht. Nicht zur Nachahmung empfohlen, dennoch absolut sehenswert 😉

 

Robin Weis: “Tracking Crying”

Ein weiteres Beispiel für die Vielfalt an Themen, mit denen sich Self-Tracker auseinandersetzen, kommt von Robin Weiss. Ihre Kurzpräsentation „Tracking Crying“ war ebenfalls Teil der Erföffnung der letzten Quantified Self Konferenz. Robin berichtet, dass sie ungewöhlich häufig weint und analysiert die Umstände, unter welchen dieses vorkommt. Ihr sehr persönlicher Talk enthält eine Menge Humor und zeigt, welche spannenden Erkenntnisse Einzelexperimente außergewöhnlicher Menschen hervorbringen können.

 

Richard Sprague: “Microbiome Gut Cleanse”

Das letzte Video wurde bei einem Quantified Self Meetup in der San Francisco Bay Area aufgenommen. Richard Sprague berichtet über ein Experiment bei dem er die Zusammensetzung seiner Darmbakterien manipuliert und analysiert hat. Mit Hilfe von Genanalysen ist es seit einiger Zeit möglich, das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikrolebewesen in und auf dem Körper analysieren. Im Rahmen seines Experiments hat Richard versucht, die Bakterien in seinem Darm auszulöschen und diesen mit neuen Kulturen zu besiedeln. Ein Thema mit dem ich mich seit einigen Monaten auseinandersetze, weshalb Richards Talk für mich persönlich die größte praktische Relevanz besitzt.

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