Mensch, Gesellschaft und Kultur

Die Digitalisierung führt zur zunehmenden Quantifizierung und Personalisierung aller Lebensbereiche. Welche Auswirkungen hat dies auf Mensch und Gesellschaft?

Die Digitalisierung führt zur zunehmenden Quantifizierung und Personalisierung aller Lebensbereiche. Welche Auswirkungen hat dies auf Mensch und Gesellschaft?

Viele gute Neuigkeiten

In den letzten Monaten war es hier etwas stiller geworden, was jedoch kein schlechtes Zeichen ist, sondern daran liegt, dass unheimlich viele spannende Dinge passiert sind die mich vom Bloggen abgehalten haben. So haben meine Freundin und ich Anfang des Jahres überraschend die Möglichkeit bekommen, in unsere Traumwohnung zu ziehen. Und wie das bei Technik-Enthusiasten nun mal so ist, ist der Umzug nicht damit erledigt, die Möbel aufzustellen und die Kartons auszupacken, sondern die Wohnung wird erst mal richtig schön smart gemacht. Dazu mussten Lampen, Heizkörper und Heimkino vernetzt und programmiert werden und die vorhandenen Geräte und Möbel ergänzt oder auf den neusten Stand gebracht werden. War ein wenig Arbeit und so habe ich meine Freizeit in den letzten Monate genutzt, um mir meinen ganz persönlichen Traum von einer smarten Wohlfühl-Umgebung zu erfüllen. Im Vergleich zur alten Wohnung habe ich in unserem neuen zu Hause die vernetzte Beleuchtung von Philips noch einmal umfangreich eweitert sodass wir ein noch größeres Spektrum an Stimmungen und Effekten über den Tage hinweg erzielen können. Außerdem wachsen die unterschiedlichen Smart Home-Komponenten immer mehr zusammen. Steigt der CO2-Gehalt in der Wohnung auf einen ungünstigen Wert oder laufe ich aufgrund zu lauter Musik Gefahr, den Frust der Nachbarn auf mich zu ziehen, wird mir das durch entsprechende Signalfarben unserer Lampen vermittelt, sodass ich entsprechend reagieren kann. Diesen und weitere Life-Hacks habe ich vor einigen Wochen einem Kamera-Team von Galileo gezeigt. Den Beitrag zu Self-Tracking findet Ihr hier. In den kommenden Wochen werde ich Euch hier auf igrowdigital noch mal ausführlich über die verschiedenen Smart Home-Hacks berichten.

Ebenfalls ein wenig zur Artikelpause beigetragen hat die Tatsache, dass das Interesse an meinem Vorträgen seit Monaten kontinuierlich zunimmt, was mir viel Freude bereitet, mich aber auch vom Bloggen abhält.  Dafür gibts frische Texte von mir an anderer Stelle zu lesen. Kürzlich im Springer Verlag erschienen ist das Buch eHealth, der zweite Titel zu dem ich als Co-Autor beigetragen habe. Außerdem werde ich zukünftig auf dem neuen Blog von Medizinfuchs, Deutschlands führender Preissuchmaschine für Medikamente, über Digital Health berichten.

Auch sonst haben sich in den letzen Monaten einige erfreuliche Neuerungen ergeben, von denen ich Euch kurz berichten möchte. Eine davon ist, dass mich die Bertelsmann Stiftung in ihr Expertennetzwerk Der digitale Patient eingeladen hat. Gemäß dem Motto „30 unter 40“ fördert die Stiftung die Vernetzung und Zusammenarbeit der führenden Digital Health Experten in Deutschland. Vor einigen Wochen war ich auf der Aufaktveranstaltung und ich freue mich schon auf die weiteren Aktivitäten mit dem Netzwerk. Neben der Bertelsmann Stiftung hat mich auch die Health-i Initiative von Handelsblatt und Techniker Kasse eingeladen, Mitglied ihres Boards zu werden. Als Juroren, sollen wir Boardmitglieder über die Prämierung der innovativsten Digital Health Startup und Unternehmen in Deutschland entscheiden. Ich bin gespannt welche großartigen Lösungen ich dabei zu sehen bekommen werde.

Außerdem bin ich seit dem 9.6 Teil der intergalaktischen Cyborg-Bewegung. Patrick Kramer von Digiwell hat mir beim letzten beim Hamburger Quantified Self Meetup einen RFID-Chip von Dangerous Things in mein Handgelenk implantiert, auf dem ich Daten speichern und mit dem ich mich authentifizieren kann. Im Moment bewegt sich der Zugewinn an Cyborg-Fähigkeiten jedoch noch auf bescheidenem Niveau. Aktuell habe ich auf meinem Implantat meine digitale Visitenkarte gespeichert. Nutzer von NFC-fäigen Smartphones können sich diese also direkt aus meinem Handgelenkt in ihr Adressbuch laden. Ansonsten habe ich noch keine weiteren für mich praktischen Anwendungen umsetzen können und fühle mich damit eher „Cyborg-ready“ ohne konkrete Superpowers. Dennoch hat mir die Aktion gezeigt, dass man sich auch mit einem technologischem Enhancement im Körper weiter wie ein ganz normaler Mensch fühlt und keine Angst davor zu haben braucht. Sollte also demnächst ein Implantat auf den Markt kommen, dass größeren Nutzen stiftet würde ich mir das sofort einbauen lassen.

implantierung

Ansonsten widme ich derzeit dem Biohacking mit Notropics zur Verbesserung meiner kognitiven Leistungsfähigkeit. Nach dem ich eine zweimonatige Pause eingelegt hatte bin ich wieder eifrig am Experimentieren und der Eindruck dass man mit der richtigen Biochemie noch mehr Spaß mit seinem Gehirn haben kann, verdichtet sich. Mehr über meine Erfahrungen mit Smart Drugs, die besten Smart-Home-Hacks und den neuesten Quantified Self Gossip erfahrt Ihr auf meinen kommenden Vorträgen und in den nächsten Blogposts.

Leistungssteigerung mit elektrischer Muskelstimulation und Antelope Gründer im Interview

Letzten Freitag war ich auf ein Panel auf der Buchmesse zu Werables und neuen Content-Formaten eingeladen. Unter der Moderation von Datarella Gründer Jörg Blumtritt diskutierten Dr. Trommen von der Apps Factory, meine ehemalige Kollegin von Wearable Technologies, Johanna Mischke, Kay Rathschlag von der Wearable Life Science GmbH und ich das Potential von mit Wearables erfassten Daten und neuer Interfaces wie Virtual- und Augmented Reality Brillen für die Verlagsbranche. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen mich im Anschluss an das Panel noch etwas über Inhalte aus dem Bereich Gesundheit und Fitness auf der Buchmesse informieren und mit den Ausstellern über ein Buchkonzept zu sprechen, dass ich in den kommenden Monaten umsetzen möchte (melden Sie sich gerne liebe Verleger, es lohnt sich!). Von diesem Plan habe ich mich durch Kay Rathschlag abbringen lassen, der mir vorgeschlagen hat, ein EMS Training in einem seiner Frankfurter Fast Forms Studios zu probieren und einen Prototypen seiner leistungssteigernden Sportanzüge zu testen. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut, denn der Nachmittag mi Kay war überaus interessant und der erfolgreiche Unternehmer hat mich innerhalb kürzester Zeit überzeugt, dass er mit seinem Team an etwas Großartigem arbeitet.

Fast Forms

Durch meine eigenen Versuche mit EMS- und TENS-Geräten während der letzten Monate waren mir das Potential aber auch die Schwächen der aktuell verfügbaren Technologie bereits bekannt – was mir Kay im Fast Forms Studio gezeigt hat, sehe ich deshalb auch klar als Gamechanger, welcher die Elektrostimulation in den Mainstream bringen und ganz neue Anwendungsfelder ermöglichen kann. Die mit Elektroden ausgestattet Shirts und Hosen von Antelope ermöglichen es, die Muskeln beim Sport gezielt zu aktivieren wodurch wie beim EMS-Training eine höhere Trainingseffizienz erreicht wird. Das geniale an der Lösung ist, dass sie sich bei beliebigen Aktivitäten einsetzen lässt, wodurch Trainingseffekte gezielt und unabhängig von der ausgeübten Sportart erreicht werden können. So wird es zum Beispiel möglich, beim Rennradfahren seine Rückenmuskulatur zu trainieren oder seine Muskeln nach einem anstrengenden Krafttraining mit Hilfe der Elektrosimulation zu entspannen. Hierdurch entsteht eine Autonomie bezüglich Aktivität und Wirkung und auch eine Unabhängigkeit vom Trainingsmaterial – spannend insbesondere auch bei Reisen, bei denen es nicht möglich ist, Gewichte und Hantelbank mitzunehmen. Nach dem Test der Prototypen habe ich mit Kay noch lange über das zukünftige Einsatzpotential philosophiert – EMS als neue Interface-Ebene für Virtual Reality und andere Anwendungen bei welchen die Muskeln des Körpers gezielt aktiviert werden, stellen ein enormes Potential für die Zukunft dar. Bis es zu einer Vernetzung von Computerspielen und anderen Inhalten und Diensten mit smarten Muskelstimulations-Textilien kommt, dürfte noch einige Zeit vergehen, doch das Potential der ersten Generation der Antelope Textilien für Sportler ist bereits enorm. Fans von EMS-Training sollten sich daher unbedingt die aktuell laufende Crowdfunding-Kampagne von Antelope ansehen. Und auch wenn ihr mit der Muskelstimulation bisher noch keine Erfahrungen haben solltet, lohnt sich ein Blick in das Video zur Kampagne.

Weitere Details hat mir Kay Rathschlag im nachfolgenden Interview verraten:

Hallo Kay: Was ist Antelope und wofür kann es eingesetzt werden?

ANTELOPE ist die weltweit erste leistungssteigernde Sportbekleidung. Das ANTELOPE System setzt auf Elektro Muskel Stimulation, einer Technologie die aus dem Leistungssport sowie der Rehabilitation stammt. ANTELOPE besteht aus aus einer Kompressionsbekleidung mit integrieren Elektroden, einer smartphonegrossen Elektronikeinheit sowie einer App zur Steuerung des Systems. Über elektrische Impulse von außen werden Muskelkontraktionen beim Sport verstärkt.

Wie unterscheidet sich Antelope von den Lösungen für EMS Training im Studio und EMS / TENS-Geräten für Heimanwender?

Zu den über 10.000 Euro teuren stationären Studio EMS Geraten ist ANTELOPE in jedweder Weise eine Verbesserung, um nicht zu sagen ein Quantensprung. Smartphonegrosse Elektronik im Vergleich zu stationären Geraeten, verbesserte Software, die Elektroden sind voll integriert in die Sporttextile.  Die Westensysteme in den Studios benötigen hingegen zusätzliche Gurten für Arme, Beine und Gesäß und müssen befeuchtet werden. Aufgrund der eigens entwickelten elastischen Elektroden ist bei ANRTELOPE kein externes Elektrolyt erforderlich, es muss also nicht befeuchtet werden.  Außerdem ist ANTELOPE ein Fashion Produkt mit verbesserte Hygiene weil jeder sein eigenes Textil verwenden kann wohingegen die Weste beim Training im Studio auch von anderen Trainierenden benutzt wird. Der Vergleich ANTELOPE zu bisherigen Consumer-Lösungen ist in den Faqs in der Indiegogo Kampagne ausführlich erläutert. Die wesentlichen Unterschiede liegen in der nur lokalen, passiven Stimulation mit Klebelektroden durch die Konsumergeräte welche nur wenige Muskelpartien mit geringer Intensität trainiert, wohingegen ANTELOPE ein intensives, aktives Ganzkörpertraining ermöglicht.

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Was sind die spannendsten Anwendungen für die Antelope-Bekleidung?

ANTELOPE ist in jede Sportart integrierbar und das Training kann wann immer und wo immer man möchte erfolgen. Neben Sport zu Hause oder im Freien, kann auch das Training im Fitnessstudio unterstützt werden. Darüber hinaus gibt es viele Reha Anwendungen bei Skoliose, Rückenprobleme und vielen anderen. Durch die Elektro-Stimulation wird die Regeneration gefördert, es lassen sich Effekt wie bei einer Massage erzielen, zum Beispiel die Förderung der Durchblutung. Genauso ist es möglich ANTELOPE einfach nur im Alltag zu tragen um mehr Kalorien zu verbrennen und Verspannungen zu lösen.

Wie siehst Du das zukünftige Potential für EMS-Bekleidung?

Zukünftig wird jeder der sportlich aktiv ist, intelligente Kleidung tragen. Und damit meine ich Kleidung, die nicht nur über integrierte Sensorik bestimmte Vitalparameter misst, sondern auch Textilien, die anhand dieser Messwerte proaktiv das Training verbessern und effektiver und zeitsparender macht. Genau dies ist durch EMS möglich. Sportkleidung mit EMS ist aber erst der Anfang. ANTELOPE ist ein Lifestyle Produkt das für alle Menschen geeignet ist. In ein paar Jahren wird man solche intelligente Kleidung 24 Stunden am Tag tragen und sie wird verschiedenste Funktionen übernehmen. EMS wird dann zu einem neuen Interface zu unserem Körper dass es erlaubt, diesen gezielt zu beeinflussen. Neben Gesundheit und Sport werden Software-Entwickler auf der ganzen Welt noch viele weitere Anwendungen für dieses Interface finden.

Danke Kay, ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg mit Eurer Indiegogo-Kamapgne.

Florian Schumacher im Antelope Sportanzug

 

ZukunftsNacht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Was tut uns und unserer Gesundheit wirklich gut? Welche Technologien brauchen wir? Und woran wollen wir in Zukunft forschen? Über diese Themen könnt Ihr am 8. September in Berlin mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Experten in Berlin diskutieren. Ich wurde vom Bundesforschungsministerium als Experte für digitale Gesundheit zur ZukunftsNacht eingeladen und freue mich zur Diskussion beitragen zu können. Falls Ihr Lust habt, dabei zu sein, könnt Ihr euch hier für die Veranstaltung anmelden. Die ZukunftsNacht ist Teil eines Bürgerdialogs, der als ZukunftsForum „Gesundheit neu denken“ vom Bundesforschungsministerium initiiert wurde. Weitere Informationen zum Bürgerdialog ZukunftsNacht sowie zum ersten Zukunftsforum der Bürgerdialogreihe des Bundesforschungsministeriums findet Ihr auch unter www.zukunft-verstehen.de. Ich bin gespannt auf das Event und würde mich freuen, Euch zu sehen.

Eine bessere digitale Zukunft mit dem Grundeinkommen

Quantified Self oder Selbstvermessung wird in Deutschland häufig mit einer Selbstoptimierung gleichgesetzt und viele Menschen befürchten, zukünftig aufgrund der Messbarkeit ihrer Gesundheit, Leistung und ihres Verhaltens einem noch höherer Leistung- und Anpassungsdruck ausgesetzt zu sein. Auch die aktuell wieder auf einem Höhepunkt angelangte Wirtschaftskrise in Europa kann bei dem ein oder anderen negative Befürchtungen in die Zukunft hervorrufen. Tatsächlich gibt es jedoch auch viele Signale und Trends die eine andere Interpretation erlauben. Wenn bei mir persönlich Unmut darüber entsteht, dass nicht alles perfekt ist, finde ich es immer hilfreich mir klar zu machen, das früher auch nicht alles besser war. Bedenkt man, dass die Arbeiter während der Industrialisierung 60 Stunden harte Arbeit in der Woche verrichten mussten oder bis vor einigen Jahrzehnten Frauen nicht wählen durften und Homosexualität unter Strafe stand, wird offensichtlich, dass sich zumindest langfristig eine Menge verbessert hat. Auch aktuell gibt es positive Entwicklungen – kürzlich hat Amerika die Hochzeit von Homosexuellen legalisiert und in immer mehr amerikanischen Bundesstaaten wird der Konsum von Cannabis legalisiert. So sehr man sich über die Überwachung oder Umweltzerstörung der Amerikaner auch aufregen kann, scheinen sie doch auch eine Menge begriffen zu haben. Dennoch bleibt es eine legitime Frage ob die goldenen Zeiten der westlichen Ökonomien vorbei sind und jeder der nicht zu den reichsten der Gesellschaft gehört, zukünftig immer schlechter dastehen wird. Neben den Problemen Griechenlands gibt es aber auch positive Neuigkeiten aus der Wirtschaft, nämlich die beschlossenen Praxisexperimente zum Bedingungslosen Grundeinkommen in Finnland und Holland. Beide Länder wollen die gesellschaftlichen Auswirkungen des Konzepts erproben, Holland beschränkt sich dabei auf die Stadt Utrecht, während die Finnen ein Grundeinkommen für alle Einwohner im Koalitionsvertrag der Regierung vereinbart haben. Wie die beiden Länder diese Beschlüsse konkret umsetzen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Eine gute theoretische Erörterung der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens findet sich im Buch „Einkommen für Alle“ von Götz Werner, dem Gründer der Drogeriekette DM.

Einkommen für alle

Beim Bedingungslosen Grundeinkommen geht es darum, dass jeder Bürger ein Einkommen erhält, das ihm seinen Lebensunterhalt und idealerweise auch seine Bildung und Weiterentwicklung ermöglicht. Anders als bei bisherigen Wohlfahrtssystemem gibt es bei einem solchen Grundeinkommen keine Stigmatisierung und Gängelung von Menschen, welche deren Entwicklung häufig negativ beeinflusst. Vielmehr geht es darum, dass jeder Mensch die Freiheit bekommt zu entscheiden, wie er sich am Besten für die Gemeinschaft einbringen kann und Unternehmen nicht länger die Macht haben, Menschen zu schlechter Arbeit zu zwingen. Dies gäbe Menschen auch die Wahlfreiheit, Unternehmen mit sinnlosen oder gar menschenfeindlichen Unternehmenszielen nicht länger zu unterstützen und dadurch als Form direkter Demokratie die Entwicklung der Gesellschaft durch Einbringung oder Verweigerung ihrer Schaffenskraft, mitzugestalten. Da die Existenz der Menschen durch das Grundeinkommen gesichert ist, würde menschliche Arbeit auch wieder billiger. Die durch Automatisierung und Effektivitätssteigerung in der Arbeitswelt immer öfter unnötig werdenden Menschen, würden so nicht arbeitslos sondern könnten den Tätigkeiten nachgehen, für die sie als Mensch am besten geeignet sind – in sozialen Berufen, Lehre, Pflege und Gesundheitsfürsorge aber auch durch Einsatz ihrer Kreativität. Wichtig in einer solchen Gesellschaft ist, dass Menschen ihre Talente entdecken und entwickeln, um ihre individuellen Wege zu finden, wie sie zum Gemeinwohl aller Menschen beitragen können. Quantified Self unterstützt diese Entwicklung, in dem es Menschen hilft, mehr über sich selbst zu erfahren und ihre Stärken zu entwickeln. Das Resultat wäre eine glücklichere Gesellschaft, wie sich auch aus den Studien über den Zusammenhang zwischen persönlichem Glück und verfügbaren finanziellen Ressourcen ableiten lässt. Diese legen nahe, dass das wahrgenommen Glück eines Menschen unabhängig von einem hohen Einkommen ist, Armut jedoch zu einer Einschränkung des Wohlbefindens führt, weshalb bei Menschen mit einem Einkommen unter einer gewissen Schwelle durch die Vermeidung ihrer Not eine Steigerung ihres Glücks möglich ist. Über dieser Schwelle gibt es keinen Zusammenhang von Einkommen und Glück, eine Optimierung des gesellschaftlichen Wohlbefindens ist daher nur durch die Verbesserung der Lebensbedingungen der Ärmsten möglich.

Dass eine solche Entwicklung eintritt ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn in einer Wissensgesellschaft entstehen neue Möglichkeiten, die Entwicklung der Gesellschaft zu steuern. Die aktuelle Diskussion um Selbstoptimierung basiert auf der Annahme, dass alle Optimierungsmaßnahmen die Steigerung der Wirtschaftsleistung zum Ziel haben. Dieses Paradigma verliert jedoch umso mehr seine Gültigkeit, umso besser wir in der Lage sind mit komplexen Informationen umzugehen. Das berühmte Zitat von Peter Drucker „What gets measured gets managed“ bedeutet im Umkehrschluss auch häufig dass Eigenschaften die nicht gemessen werden, keine Optimierung erfahren. Dieser Kritik müssen sich auch Quantified Self-Lösungen stellen, welche sich häufig auf Metriken wie gelaufene Schritte, Gewicht oder Kalorien beschränken. Die Menge der getanzten Tangos, Mitmenschen denen wir mit einem Lächeln begegnen oder eben die Momente erlebten Glücks werden jedoch nicht gemessen und könnten, bei einer reinen Fixierung auf das Messbare, nicht die angemessene Priorität erhalten. Ein bewusster Umgang mit Self-Tracking-Lösungen und deren Grenzen und die Verbesserung der Messtechnologien dürften hier jedoch als adäquate Lösung für eine wünschenswerte Bandbreite an Lebenszielen ausreichen. Ähnlichen Probleme sieht sich auch die Politik ausgesetzt, welche als einige der wichtigsten Stellgrößen die Wirtschaftsleistung, Arbeitslosenquote und andere ihr verfügbaren Kenngrößen heranzieht. Viel weniger weiß die Politik heute allerdings über das Wohlergehen ihrer Bürger und deren Wünsche. Die Wahl einer Partei im Abstand von vier Jahren ist hier eine viel zu schwache und oberflächliche Feedbackschleife, um sich ernsthaft an den Interessen der Bürger auszurichten. Durch Quantified Self-Technologien entsteht zukünftig immer mehr Wissen über das Glück und viele anderen Eigenschaften von Menschen durch Analyse der Daten aller Nutzer von Diensten bei einer gleichzeitig möglichen Wahrung der Privatsphäre des Einzelnen. Auch wenn diese Entwicklung noch am Anfang steht, spielen die aus den persönlichen Daten von Nutzern gewonnen Erkenntnisse eine immer größere Rolle in Wissenschaft und Forschung und ein Transfer in die Politik ist denkbar und wünschenswert. Schafft es eine Regierung zukünftig neben der Wirtschaftsleistung und anderen abstrakten Kenngrößen auch vermehrt Bürgernahe Faktoren in eine komplexe Zieloptimierung aufzunehmen, entsteht eine smarte Regierung welche die Chancen des digitalen Zeitalters für ihre Bürger zu nutzen weiß.

Auch von Seiten der Bürger könnte zukünftig eine immer stärkere Tendenz zugunsten einer sozialeren Gesellschaft eintreten. Quantified Self-Lösungen helfen bereits heute vielen Menschen, ein gesünderes Leben zu führen, die entsprechenden Verbesserungen der Lebensqualität resultieren in einer positiveren Lebenseinstellung. In der nächsten Welle kommt die Digitalisierung auch vermehrt Patienten zu Gute, welche mit Hilfe von Self-Tracking-Lösungen einen besseren Krankheitsverlauf erzielen können. Auch die Gesundheitswirtschaft selbst macht immer mehr Nutzen von digitalen Tools und kann  so einige ihrer größten Probleme in den Griff bekommen. Zum Beispiel sterben heute noch ca. 50 tsd. Menschen an den Wechselwirkungen unterschiedlicher Medikamente weil die behandelnden Ärzte keinen umfassenden Überblick über die Behandlung von Patienten haben. Eine digitale Patientenakte oder ein digitaler Medikationsplan wie er im Rahmen des EHealth Gesetzes beschlossen werden soll, könnten dies verhindern. Die Digitalisierung erzeugt damit sowohl beim Einzelnen wie auch bei den Akteuren der Gesundheitswirtschaft ein enormes Potential, insbesondere auch durch Nutzung von Synergien zwischen beiden Seiten. Sollte es uns hierdurch gelingen die zunehme Verbreitung chronischer Krankheiten nicht nur aufzuhalten sondern sogar für eine bessere Gesundheit und mehr Lebensqualität in der Gesellschaft zu sorgen, würde ein Teil der Stressfaktoren im Leben der Bürger abnehmen, und eine Zunahme an Glück wäre die Folge. Zufriedenere Menschen haben wiederum weniger Druck ihr Leid durch Konsum oder anderes Selbst- und Gesellschafts-schädigendes Verhalten zu kompensieren und verfügen über mehr Ressourcen um ihren Mitmenschen frei von Neid und mit Toleranz zu begegnen. Hierdurch werden die Vorraussetzungen für ein bedingungsloses Grundeinkommens und der Wertschätzung des individuelle Beitrags der eigenen Mitmenschen zum Gemeinwohl geschaffen. Vielleicht ist es daher auch mehr als nur ein Zufall, dass Holland und Finland, die aktuellen Pioniere beim Grundeinkommen auch bei der Adaption digitaler Lösungen zur Gesundheitsfürsorge führend sind.

Um in Deutschland eine positivere Zukunft zu realisieren sollten sich Datenschützer, Sozialkritiker und die Befürworter digitaler Lösungen zur Verbesserung der individuellen menschlichen  Lebensqualität nicht gegenseitig behindern, sondern gemeinsam eine Reform für eine bessere Zukunft herbeiführen. In einer Gesellschaft mit einem Grundeinkommen bedeutet Selbstoptimierung die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit welche frei von Druck und im eigenen Tempo erfolgen kann. Dementsprechend liegt die Lösung zur Vermeidung eines zunehmenden Leistungsdrucks nicht in der Verhinderung von technischen Fortschritts und der Einschränkung der Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität von Menschen, sondern in einem Paradigmenwechsel des Wirtschaftssystems, welcher positive Anreize und Rahmenbedingungen schafft. In einer Umfrage in Finnland haben sich übrigens fast 80% der Bevölkerung für die Einführung des Grundeinkommens ausgesprochen. Damit eine solche Entwicklung auch in Deutschland möglich wird, ist es wichtig, besser über die Modelle und Annahmen des bedingungslosen Grundeinkommen informiert zu sein. Götz Werner’s Buch „Einkommen für Alle“ ist hierfür sehr gut geeignet und wie ich selbst kürzlich feststellen konnte, eine ideale Lektüre für den Sommerurlaub.

Thematisch passend möchte ich auch auf den Künstler „Romano“ hinweisen, welcher unter seinem Alter Ego „Siriusmo“ dem ein oder anderen als begnadeter Produzent elektronischer Musik bekannt sein dürfte. Unter dem Künstlernamen Romano veröffentlicht der Berliner Hip Hop mit elektronischen Beats der Extraklasse. Das Video zu seinem aktuellen Song „Brenn die Bank ab“ zeigt eine sehr spitz pointierte Darstellung der Probleme unserer Gesellschaft und schlägt eine eher unkonventionelle Lösung vor. Eine großartige Nummer.

Quantified Self, Cyborgs und Transhumanismus bei Planet Wissen

Gemeinsam mit Enno Park vom Berliner Cyborg e.V. und der Medizin-Ingenieurin Frau Prof. Thun war ich Ende letzten Jahres in Baden Baden für eine Aufzeichnung der Fernsehsendung Planet Wissen. Thema der Sendung waren Möglichkeiten der Selbstoptimierung durch Self-Tracking und die Erweiterung des Körpers mit Hilfe von Implantaten. Zuletzt diskutierten wir auch transhumanistische Ideen und den Einfluss der Selbstoptimierung auf die Gesellschaft. Hier gehts zur Sendung.

Versicherungen und Self-Tracking

Die Versicherung Generali möchte Boni auf Basis von Gesundheitsdaten gewähren

Gesundheit liegt im Trend und nimmt bei vielen Menschen einen immer höheren Stellenwert ein. Bionahrung, Fitnessstudios und Gesundheits-Apps boomen und insbesondere die digitale Gesundheitsbranche verzeichnet außerordentliche Wachstumsraten. Dabei ist es heutzutage gar nicht so einfach gesund zu leben. Der technologische Fortschritt hat unser Leben in vielen Bereichen einfacher gemacht, führt aber auch dazu, dass wir die Bedürfnisse unseres Körpers oft vernachlässigen. Dank motorisierten Verkehrsmitteln und Büroarbeitsplätzen verkümmern bei vielen Menschen Muskeln und Herz und auch die nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimierte Nahrungsmittelproduktion, liefert vielen Menschen nicht mehr die notwendigen Nährstoffe für eine lang anhaltende Gesundheit. Glücklicherweise sind die Zusammenhänge zwischen Bewegungsmangel, schlechter Ernährung und gesundheitlichen Auswirkungen bekannt, sodass immer mehr Menschen bewusste, nachhaltige Entscheidungen treffen um sich möglichst lange einer hohen Gesundheit und Lebensqualität zu erfreuen. Diese Lernfähigkeit ist eine der erstaunlichsten Eigenschaften des Menschen und für die enorme kulturelle Entwicklung in unserer Geschichte verantwortlich.

Als besonders effektive Hilfsmittel für Lern- und Veränderungsprozesse haben sich Technologien und Methoden zur Bewusstmachung individueller Eigenschaften und der Beobachtung von Trends in der eigenen Entwicklung erwiesen. Deshalb sind unter den Schlagworten Self-Tracking und Quantified Self in den letzten Jahren zahlreiche Lösungen zur Vermessung von Aktivität, Schlaf, Gewicht, Blutdruck und vielen anderen Bereichen erschienen die sich einer rasch wachsenden Popularität erfreuen. Studien zu Folge können diese Technologien Menschen zu einer Änderung ihres Verhaltens motivieren. So sind Menschen die sich mit Hilfe eines Schrittzählers ihr eigenes Bewegungsverhalten bewusst machen im Durchschnitt 40% aktiver und das Unternehmen Withings hat aus den Daten seiner Nutzen feststellen können, dass Menschen ihr Gewicht umso erfolgreicher kontrollieren können, umso häufiger sie sich auf die Waage stellen.

Das Versicherungsunternehmen Generali hat nun angekündigt, dass es Kunden die mit Hilfe einer App regelmäßig ihren einen gesundheitsbewussten Lebensstil nachweisen mit Bonusleistungen wie Gutscheinen fürs Kino oder Fitnessstudio belohnen möchte.

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Buch „Big Data in Medizin und Gesundheitswirtschaft“ erschienen

Welches Potential besitzt Big Data für unsere Gesundheit? Gemeinsam mit einem hochkarätigen Team an CoAutoren bin ich dieser Frage auf den Grund gegangen. Das Ergebnis, das Buch „Big Data in Medizin und Gesundheitswirtschaft“ ist kürzlich erschienen und liefert auf beinahe dreihundert Seiten einen umfassenden Überblick. Hierbei kommen Experten aus dem Bereich der Technologie zu Wort aber auch konkrete Probleme und Anwendungen in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Versicherungen werden erläutert. In meinem Beitrag zu Quantified Self, Wearables und persönliche Daten betrachte ich die Seite der Datenquellen für Big Data in der Gesundheit aber auch den Nutzen von Smartwatches und Datenbrillen als Informationskanal im klinischen Einsatz. Das Fachbuch ist vor wenigen Tagen im medhochzwei Verlag erschienen und hier bei Amazon erhältlich. Für weitere Informationen zu Big Data in der Gesundheitswirtschaft stehe ich Ihnen auch als Redner zur Verfügung. Weitere Informationen zu meinen Vorträgen finden Sie hier.

 

 

igrowdigital Features in Focus und Süddeutsche Zeitung

Schon seit Jahren spreche ich regelmäßig mit Journalisten über Quantified Self und das Potential persönlicher Daten für Gesundheit und Selbstentfaltung. Zwei der interessanteren Artikel mit Bezug zu diesen Gesprächen sind kürzlich erschienen. In der Ausgabe vom 14.6 hat der Focus einen vierseitigen Bericht über Wearables und Self Tracking veröffentlich. Dabei hat das Magazin auch über mein Time-Tracking, welches ich seit Anfang 2013 betreibe, berichtet. Wie aus den Daten für die ersten 6 Monate aus 2014  hervorgeht, lag mein persönlicher Focus kürzlich insbesondere auf Sport und Gesundheit. Weitere Informationen zum Time-Tracking werde ich in den kommenden Wochen im Self-Tracking Guide auf igrowdigital veröffentlichen. Ein weiterer Artikel mit diversen Zitaten ist heute in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Neben den Potential von Quantified Self für einen bewussten Lebensstil hat sich der Redakteur Jan Willmroth auch mit (Self-) Tracking-Trends sowie deren Chancen und Risiken auseinandergesetzt.

Focus

Bild: Focus