Die nächsten Wochen stehen für mich wieder ganz im Zeichen von Quantified Self. Los geht’s am 20. April auf der Make Munich, einer Messe zu Themen 3D Druck, DIY (Do it Yourself) und Hacking mit meiner Präsentation über “DIY Health”. Im Mai findet dann der evangelische Kirchentag in Hamburg statt, bei welchem ich an einer Podiumsdiskussion zum Thema E-Health teilnehme. Den damit verbunden Aufenthalt im Norden nutze ich um wenige Tage später die Hamburger Quantified Self Gruppe bei ihrem zweiten Show & Tell am 6.Mai im Co-Working Space Betahaus zu unterstützen. Mitte Mai treffe ich die Hamburger Organizer erneut mit zahlreichen weiteren QS Enthusiasten auf der Quantified Self Europe Konferenz in Amsterdam. Auf der diesjährigen Konferenz sind zahlreiche Deutsche und Schweizer Self-Tracker und QS-Interessierte vertreten und auch auf das Widersehen mit Freunde und Bekannten aus den USA freue ich mich sehr. Anfang Juni haben mich die Organisatoren der Berliner Webinale eingeladen, die Quantified Self Bewegung in einer Keynote zu präsentieren. Hier erwarte ich einen spannenden Dialog mit den Web-Experten, welcher kurz darauf beim Innovators@Google Event zu Quantified Self seine Fortsetzung finden wird. Zu dieser Veranstaltung laden der Internet Gigant und die Berliner Quantified Self Gruppe ein, um technologische Trends im Bereich Self-Tracking zu diskutieren, aber auch der Schutz von Daten und die gesellschaftlichen Auswirkungen von Quantified Self sollen im Podium besprochen werden. Vom Event bei Google in Berlin führt mein Weg über das Hamburger HealthCareCamp schließlich nach Essen, zum ersten Show& Tell der QS Gruppe im Ruhrgebiet. Auf die spannenden Begegnungen und Gespräche der nächsten Wochen freue ich mich.
Am 7. und 8. März findet in Stuttgart die Augmented Human International Conference statt. Zum vierten mal treffen sich bei der AH‘13 Forscher, Wissenschaftler und Experten zur Diskussion der Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten auf Basis innovativer Technologien. Die Beiträge der Konferenz behandeln Themen wie die Augmentierung der menschlichen Wahrnehmung mit optischen und haptischen Interfaces, die Aufzeichnung von Daten mit diversen Sensor-Technologien aber auch verschiedenste Ansätze zur Aufbereitung von Informationen in Bereichen wie Architektur, Industrie, Gesundheit und Bildung. Die Organisatoren der Augmented Human haben mich auf ihre Konferenz eingeladen. Ich freue mich auf hoch-innovative, inspirierende Eindrücke und werde hier von der AH‘13 berichten.
Zahlreiche Dienste und Produkte basieren auf der Erfassung von Daten zu Befinden und Verhalten, um ihren Nutzer zu unterstützen oder Prozesse verschiedenster Bereiche effizienter und einfacher zu machen. So zeichnen Millionen von Läufern ihre sportlichen Leistungen mit Smart Phone Apps wie Runkeeper oder Map My Fitness auf, wodurch sie sich motivieren und die Entwicklung ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit nachzuvollziehen können. Durch den Abgleich der zurückgelegten Strecke mit der Zeit, liefert das Smartphone dem Läufer Informationen zur Geschwindigkeit, Gesamtstrecke und zur Dauer seines Trainings. Die meist gratis verfügbaren Smartphone Apps haben dadurch professionelle Methoden die ehemals Leistungssportler vorbehalten waren einer breiten Gruppe von Hobbysportlern nahe gebracht und unterstützen diese beim Erreichen ihrer Ziele. Quelle: Belkin
Insbesondere Frauen sind begeistert von Schlafphasenweckern wie der iPhone App Sleep Cycle. Diese versprechen, die Schlafphase des Nutzers zu erkennen und ihn somit zum idealen Zeitpunkt aufzuwecken. Hierzu wird das Smartphone auf die Matratze gelegt, um über Mikrofon und Gyroskop die von den Bewegungen des Schläfers erzeugten Geräusche und die Lageänderungen des Smartphones zu erfassen. Wenig Bewegung entspricht nach Erkenntnissen der Schlafforschung einem tiefen Schlaf, wohingegen gesteigerte Bewegung Merkmal für einen leichten Schlaf und damit einen günstigen Zeitpunkt zum Aufwachen ist. Auch wenn die Wirksamkeit meines Wissens in unabhängigen Tests nicht nachgewiesen werden konnte, vertrauen Tausende Deutscher Schläfer auf die, das Aufstehen erleichternde Wirkung der App.
Deutschlands Sicherheitskultur als Chance
Die Nutzung des Smartphones als Menstruationskalender zur Familienplanung oder die automatisierte Analyse des Stimmfalls in Telefongesprächen zur Thearpie-begleitenden Erkennung depressiver Tendenzen sind nur zwei von unzähligen Szenarien welche zunehmend Verbreitung finden dürften. Technologische Innovationen vereinfachen die Erfassung von persönlichen Informationen und erschließen das Potential von Daten zum Befinden oder Verhalten einer Person zukünftig in vielen weiteren Bereichen. Die damit oftmals in Verbindung gebrachte Überwachungsgefahr ist bereits heute vorhanden. Smartphones, welche in ihrer aktuellen Form seit vier Jahren erhältlich sind und eine Marktdurchdringung von annähernd 50% erreicht haben, speichern Bewegungsprofile, Kontakte und Kommunikation. Auf diese Daten wird zum Beispiel von der Polizei im Verdachtsfall immer häufiger zugegriffen. Deutschlands Wirtschaft ist bei digitalen Anwendungen weit abgeschlagen sodass alltäglich verwendete Dienste wie Google, Facebook oder Dropbox fast vollständig von amerikanischer Unternehmen angeboten werden und die zugehörigen Daten auf amerikanischen Servern nicht den strengen deutschen Datenschutzgesetzen unterliegen. Mit meinem Engagement für das Quantified Self Netzwerk in Deutschland möchte ich die hiesige Industrie digitaler Sport- und Gesundheitsprodukte sowie Anbieter aus anderen Bereichen der Nutzung sensibler persönlicher Informationen unterstützen. Deutschland hat eine stark ausgeprägte Kultur des Datenschutzes und der Datensicherheit und damit das Potential einen wertvollen Beitrag in der positiven Umsetzung innovativer Technologien zu leisten. Meiner Meinung nach sollten wir nicht versuchen, den Fortschritt in diesem Bereich aufzuhalten, sondern die Chance nutzen, die Zukunft aktiv mit zu gestalten. In diesem Sinne freue ich mich über mehr Mut zur Innovation in der deutschen Wirtschaft und eine offene und konstruktive Diskussion von Chancen und Risiken der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche.