Nicholas Felton ist Gründer des Self-Tracking Dienstes Daytum und bei Facebook für die Gestaltung der Chronik verantwortlich, welche Statusmitteilungen und Bilder chronologisch darstellt und Daten wie die besuchten Orte oder die gehörte Musik in das digitale Erinnerungsarchiv einbeziehen kann. Sein eigenes Leben protokolliert der Designer seit Jahren in verschiedensten Bereichen und macht es, statistisch aufbereitet, in Jahrbüchern zugänglich. Der 2012 Feltron Report ist jetzt verfügbar und bietet Informationen zu Feltons Sozialleben, Aktivitäten, Ernährung und vielen weiteren Details seines Lebens während der letzten beiden Jahre. Die limitierte, gedruckte Ausgabe des Reports kann bereits vorbestellt werden. Weitere Grafiken aus dem Reports gibt es auf Feltons Blog. Hier kann der Report bestellt werden.
Die vergangenen Monate habe ich mich mit den Themen Transhumanismus und Singularity auseinandergesetzt. Mit 12 Stunden Interviews und Berichten erschloss die Dokumentation Mensch 2.0 das Thema sehr umfassend. Sehr passend kam hinzu, dass ich kürzlich ein Münchner Mitglied der SENS Foundation kennengelernt habe, welche sich mit Life-Extension (der Verlängerung der Lebenszeit) auseinandersetzt. Der neue Kontakt ist auch Mitglied eines Kryopräservations-Labors im Raum München, in welchem die Konservierung des menschlichen Körpers (wenn auch nur am Versuch mit Zellkulturen) für eine zukünftige Wiedererweckung zum Leben erforscht wird. Sowohl das Münchner SENS Team wie auch die Mitglieder des Kryonik-Labors sind offen für Interessierte und Mitstreiter, den Kontakt stelle ich ggf. gerne her. Für die eigene Recherche zu Transhumanismus empfehle ich die Webseite Humanity+ welche mit zahlreichen Artikeln, Informationen und Foren das virtuelle Zentrum der Bewegung darstellt.
Ein interessantes und zugleich unterhaltsames Fundstück während meiner Recherche von Transhumanismus und Singularity war der Film “The Singularity is near”, welcher die Themen Robotik, Kybernetik, künstliche Intelligenz und Virtual Reality behandelt.
Kurzweils Konzept der Singularity, das durch die exponentielle Zunahme von Wissen in verschiedensten Disziplinen einen enormen Fortschritt postuliert, erzeugt dabei einen Technologie-Enthusiasmus welcher mit der Singularity University auch ein wirtschaftlich enorm erfolgreiches Ökosystem beflügelt. Dieser Enthusiasmus verdichtet sich im Buch Abundance von Peter Diamondis welches mit dem Untertitel “the future is better than you think” deutlich vermittelt welches Potential der Gründer der Singularity University im Aufkommen der neuen Technologien sieht. Nach Diamondis werden Fortschritte in der Biotechnologie, Nanotechnologie, Genetik und vielen weiteren Bereichen Lösungen für die großen Probleme der Menschheit hervorbringen, sodass die Menschen in den ärmeren Nationen schon bald mit ausreichend Energie, Wasser und Nahrung versorgt werden können.
Sehr interessant zum Thema Transhumanismus ist auch das Telepolis Sonderheft Mensch+ aus dem Heise Verlag. Diese behandelt zahlreiche Themen wie Robotik und Kybernetik und zeigen die Möglichkeiten von Gentechnologien beim Kinderwunsch und in der medizinischen Behandlung. Auch die ethische und kulturelle Seite des transhumanistischen Themenkreises wird betrachtet und das Werk von Telepolis scheint gründlich recherchiert und trotz aller Zukunftsspekulation ziemlich geerdet zu sein. Das Heft gibt es auf Bestellung oder als digitale Variante die mir auf dem iPad sehr viel Spaß bereitet hat. Persönlich ziehe ich es ja vor, an Lösungen zu arbeiten die sich innerhalb von wenigen Jahren umsetzen lassen. Dass manche Menschen ihre Energie jedoch in ferner liegende Möglichkeiten investieren finde ich dennoch Begrüßenswert und bin gespannt, welche Erkenntnisse zu Körper, Seele und Geist aus dieser Forschung hervorgehen werden.
Die nächsten Quantified Self Meetups finden am 28. August in München und am 8. September in Berlin statt. Bei diesen Veranstaltungen sprechen die Self-Tracker über ihre Erfahrung mit Lifestyle-orientierten Fitnessanwendungen, ein Ernährungsexperiment mit einer Low Carb Minimal Diät und den kognitionspsychologische Ansatz einer Lernsoftware. Auch sonst decken die Treffen der Quantified Self Gruppen ein weites Spektrum ab. In München stellen drei junge Unternehmen innovative Anwendungen für den Gesundheitsmarkt vor. Hochspannend darunter das optische Verfahren von Mevitec, welches nicht invasiv (ohne Blutentnahme) den Stoffwechsel einer Person analysiert. Dieses auf Licht basierende Messverfahren vereinfacht die Kontrolle und Steuerung einer an die individuellen Anforderungen angepassten Ernährung entscheidend. Auch das Münchner Startup Soma Amalytics arbeitet mit seiner Smartphone Applikation zur Stresserkennung und Burnout Prävention an einem hoch interessanten Thema. Verhaltensdaten des Nutzers werden bei Soma Analytics Ansatz mit dem Smartphone teilweise automatisiert erhoben und auf entsprechende Muster von Stress und Depression untersucht.
In Berlin zeigen die Startups Archify und WATTlive Anwendungsfälle von persönlichen Informationen und Verhaltensdaten jenseits von Sport und Gesundheit. Archify bietet ein digitales Gedächtnis und speichert mit Hilfe eines Plugins alle Websites, Mails und Social Media Interaktionen eines Benutzers. Als persönliche Suchmaschine ermöglicht der Dienst dem Anwender seine digitale Vergangenheit zu durchforschen und Informationen wieder zu finden. WATTlive entwickelt Software zum Monitoring und zur Steuerung des Energieverbrauchs in Abhängigkeit von Umweltfaktoren wie Temperatur, Helligkeit und Luftqualtität. Hier werden Umweltdaten und Verhaltensdaten eines Bewohners kombiniert wodurch ein Energieeinsparpotential realisiert wird. Darüber hinaus liefert WATTlive dem Nutzer mit seinen Produkten ein Feedback über die Umweltfreundlichkeit seines Verhaltens und motiviert diesen, Effizient mit Ressourcen umzugehen. Mit diesen Beiträgen zu innovativen technologischen Anwendungen liefern die Meetups einen guten Überblick über die Bandbreite von Quantified Self. Zukünftig wird die Quantified Self Szene das Potential persönlicher Daten wie Vitalitätswerte und Verhaltensinformationen in einem immer größeren Kontext ergründen und verbreiten. Als Organisator der Münchner und Berliner Meetups freue ich mich dann insbesondere über Kontakt und Austausch mit Experten in Cloud Computing und Datensicherheit, Datamining, Verhaltenspsychologie, Mensch Maschine Interaktion und Künstlicher Intelligenz.