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igrowdigital und die Zukunft

Gemeinsam mit ca. 40 Vertretern verschiedenster Verbände, Hochschulprofessoren und anderen Experten war ich gestern auf den Foresight-Workshop “normative Gesellschaftstrends” im Auftrag des Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen. Die vom VDI Technologiezentrum in Verbindung mit dem Fraunhofer Institut durchgeführte Veranstaltung hatte das Ziel, für das Jahr 2030 Trends in Bereichen wie Multikultur, Governance, Nachhaltigkeit oder sozialer Kohäsion zu identifizieren. Die Arbeitsgruppe zum Thema Virtualisierung durch digitale Technologien welche ich unterstützten durfte, widmete sich der These “sein bedeutet online sein”. Hierzu diskutierten wir die Bedeutung des Internet of Things in einem zukünftigen Alltag, die Nutzung von Wearable Technologies wie Biosensoren, Smart Watches und Augmented Reality Displays sowie die Rolle von Assistenzdiensten welche von Computertechnologien bereit gestellt werden.

Quelle: Vuzix

Eines der großen Themen schien hierbei der Wandel von Computertechnologien, welche nur auf Aufforderung aktiv werden, hin zu einem Spektrum von Diensten welche Menschen rund um die Uhr begleiten und pro-aktiv auf Informationen aufmerksam machen. Künstliche Intelligenz und Mensch-Maschine Interaktion wurden dabei als entscheidende Forschungsfelder identifiziert, um die immer intensiver werdende Beziehung zwischen Mensch und Technologie positiv zu gestalten und zugleich die Risiken neuer Technologien nachvollziehen und kontrollieren zu können. Dabei kam auch insbesondere die normative Wirkung zur Sprache, welche Firmen wie Apple mit ihrem Assistenzdienst Siri durch die Auswahl von Informationen auf immer persönlichere Fragestellungen ausüben werden und welche Herausforderungen an die freie Meinungsbildung in einer Welt entstehen, deren Informationsfluss zunehmend von Firmen wie Google beeinflusst wird. Ich hoffe mit dem Engagement von meiner Arbeitsgruppe und mir dazu beigetragen zu haben, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen zielführenden Einblick in die Zukunft digital ergänzter Lebensrealitäten erhält und freue mich über einige sehr interessante Kontakte die ich im Rahmen der Veranstaltung kennenlernen durfte.

Mündige Patienten brauchen Daten

Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Krebs sind Volkskrankheiten und stellen ein großes persönliches wie auch gesellschaftliches Problem dar. Technologische Fortschritte in der Medizin und neue Lösungen für Privatpersonen helfen die Gesundheit von Patienten zu verbessern, lindern Leid und erlauben mehr Selbstbestimmung. Daher wird im Zusammenhang mit Quantified Self, eHealth und Health2.0 auch häufig von einer Optimierung der medizinischen Betreuung und vom mündigen Patienten gesprochen.

Bewusste Aktivität als Heilmittel gegen Übergewicht und Diabetes

Übergewicht und Fettleibigkeit sind seit Jahren weltweit auf dem Vormarsch und stellen ein massives ökonomisches Problem dar. Daher befürchtet Munich Re, weltweit einziger spezialisierter Krankenrückversicherer, dass die Folgen der Gewichtsprobleme einen ähnlich hohen volkswirtschaftlichen Schaden erzeugen wie die Klimaerwärmung. Auf persönlicher Ebene führt die Fettleibigkeit zu einer enormen Beeinträchtigung der Lebensqualität und Folgeerkrankungen wie Diabetes. Eine effektive Maßnahme zur Reduktion von Übergewicht ist ein aktiver Lebensstil. Die positive Auswirkung körperlicher Bewegung auf das Gewicht und viele andere Faktoren der Lebensqualität zeigt folgendes Video.

Ausschlaggebend für eine Steigerung der Bewegung ist die entsprechende Motivation des Menschen. Einfache Hilfsmittel wie Schrittzähler können motivieren, einen aktiveren Lebensstil zu führen und beeinflussen damit auch Gewicht und Gesundheitszustand. Allein die Bewusstmachung des eigenen Bewegungsverhaltens führt zu einem aktiveren Alltag wie in einer Studie der Stanford University nachgewiesen wurde. Daher ist es nicht weiter verwunderlich dass in Schweden der Einsatz von Pedometern im Rahmen von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements weit verbreitet ist.

In ähnlichem Maß wie die Fettleibigkeit bedroht auch Diabetes vom Typ 2 die Gesundheit von Menschen und Volkswirtschaft. Die Stoffwechselkrankheit die zu erhöhten Blutzuckerspiegeln führt schädigt auf Dauer Blutgefäße und Nerven und kann Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche oder Netzhautschäden hervorrufen. Dabei verläuft der Ausbruch der Erkrankung stufenweise und ist in frühen Stadien reversibel. Deshalb ist es wichtig einen erhöhten Blutzuckerspiegel frühzeitig zu erkennen um rechtzeitig mit Veränderungen des Lebensstils reagieren zu können. Insbesondere die Reduktion von Übergewicht und ein aktiverer Lebensstil eignen sich um den den Blutzuckerspiegel zu senken und dadurch die chronische Schädigung des Insulinhaushalts verhindern. Dabei vereinfachen moderne Messgeräte die Kontrolle des Blutzuckerspiegels und helfen den Patienten so ihre Erkrankung aktiv zu beeinflussen.



Daten für den mündigen Patienten

Die Verfügbarkeit von Vitaltitätssensoren wie Schrittzählern, Glucosemetern und Blutdruckmanschetten gibt Patienten Bewusstsein und Kontrolle über ihre gesundheitliche Situtation. Insbesondere die Speicherung der Messwerthistorie in Datenbanken und Onlineprofilen hilft dabei sowohl Patient wie Arzt, Veränderungen nachzuvollziehen und dadurch besser auf die individuelle Situation reagieren zu können. Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit verstärkt dabei häufig die Beteiligung der Patienten an ihrem eigenen Genesungsprozess. In Amerika hat sich hierfür der Begriff “Patient Empowerment” geprägt, welcher ausdrückt dass viele Patienten nicht nur passive Nutznießer ihrer medizinischen Betreuung sein möchten sondern ihre Situation verstehen und aktiv beeinflussen möchten. Dave deBronkart alias ePatient Dave ist einer der bekanntesten Vertreter einer Bewegung von Patienten, welche den vollständigen Zugriff auf ihre medizinischen Daten zur Sicherstellung einer optimalen medizinischen Betreuung einfordern. Wie er selbst durch aktive Nutzung seiner Patientendaten entgegen aller Wahrscheinlichkeit eine schwere Krebserkrankung überlebt hat, beschreibt er in diesem wärmstens empfohlenen Video.

Damit zukünftig einer breiten Masse eine bessere medizinische Betreuung zugänglich wird, sind weitreichende Veränderungen im Gesundheitssystem notwendig. Insbesondere die digitale Verwaltung von Patientendaten wird die Verfügbarkeit medizinischer Daten und damit die Wahl der optimalen Behandlungsalternative begünstigen. Unabhängig davon erhalten Patienten und auch gesunde Menschen bereits heute mit Vitalitätssensoren wie Schrittzählern und Glucosemetern sinnvolle Werkzeuge zur Verbesserung oder Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit.

Deutschland ist Quantifiziert

Zahlreiche Dienste und Produkte basieren auf der Erfassung von Daten zu Befinden und Verhalten, um ihren Nutzer zu unterstützen oder Prozesse verschiedenster Bereiche effizienter und einfacher zu machen. So zeichnen Millionen von Läufern ihre sportlichen Leistungen mit Smart Phone Apps wie Runkeeper oder Map My Fitness auf, wodurch sie sich motivieren und die Entwicklung ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit nachzuvollziehen können. Durch den Abgleich der zurückgelegten Strecke mit der Zeit, liefert das Smartphone dem Läufer Informationen zur Geschwindigkeit, Gesamtstrecke und zur Dauer seines Trainings. Die meist gratis verfügbaren Smartphone Apps haben dadurch professionelle Methoden die ehemals Leistungssportler vorbehalten waren einer breiten Gruppe von Hobbysportlern nahe gebracht und unterstützen diese beim Erreichen ihrer Ziele.

Quelle: Belkin

Insbesondere Frauen sind begeistert von Schlafphasenweckern wie der iPhone App Sleep Cycle. Diese versprechen, die Schlafphase des Nutzers zu erkennen und ihn somit zum idealen Zeitpunkt aufzuwecken. Hierzu wird das Smartphone auf die Matratze gelegt, um über Mikrofon und Gyroskop die von den Bewegungen des Schläfers erzeugten Geräusche und die Lageänderungen des Smartphones zu erfassen. Wenig Bewegung entspricht nach Erkenntnissen der Schlafforschung einem tiefen Schlaf, wohingegen gesteigerte Bewegung Merkmal für einen leichten Schlaf und damit einen günstigen Zeitpunkt zum Aufwachen ist. Auch wenn die Wirksamkeit meines Wissens in unabhängigen Tests nicht nachgewiesen werden konnte, vertrauen Tausende Deutscher Schläfer auf die, das Aufstehen erleichternde Wirkung der App.

Deutschlands Sicherheitskultur als Chance

Die Nutzung des Smartphones als Menstruationskalender zur Familienplanung oder die automatisierte Analyse des Stimmfalls in Telefongesprächen zur Thearpie-begleitenden Erkennung depressiver Tendenzen sind nur zwei von unzähligen Szenarien welche zunehmend Verbreitung finden dürften. Technologische Innovationen vereinfachen die Erfassung von persönlichen Informationen und erschließen das Potential von Daten zum Befinden oder Verhalten einer Person zukünftig in vielen weiteren Bereichen. Die damit oftmals in Verbindung gebrachte Überwachungsgefahr ist bereits heute vorhanden. Smartphones, welche in ihrer aktuellen Form seit vier Jahren erhältlich sind und eine Marktdurchdringung von annähernd 50% erreicht haben, speichern Bewegungsprofile, Kontakte und Kommunikation. Auf diese Daten wird zum Beispiel von der Polizei im Verdachtsfall immer häufiger zugegriffen. Deutschlands Wirtschaft ist bei digitalen Anwendungen weit abgeschlagen sodass alltäglich verwendete Dienste wie Google, Facebook oder Dropbox fast vollständig von amerikanischer Unternehmen angeboten werden und die zugehörigen Daten auf amerikanischen Servern nicht den strengen deutschen Datenschutzgesetzen unterliegen. Mit meinem Engagement für das Quantified Self Netzwerk in Deutschland möchte ich die hiesige Industrie digitaler Sport- und Gesundheitsprodukte sowie Anbieter aus anderen Bereichen der Nutzung sensibler persönlicher Informationen unterstützen. Deutschland hat eine stark ausgeprägte Kultur des Datenschutzes und der Datensicherheit und damit das Potential einen wertvollen Beitrag in der positiven Umsetzung innovativer Technologien zu leisten. Meiner Meinung nach sollten wir nicht versuchen, den Fortschritt in diesem Bereich aufzuhalten, sondern die Chance nutzen, die Zukunft aktiv mit zu gestalten. In diesem Sinne freue ich mich über mehr Mut zur Innovation in der deutschen Wirtschaft und eine offene und konstruktive Diskussion von Chancen und Risiken der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche.

Das Internet der Dinge

GreenGoose ist eines der ersten Unternehmen welches Sensoren für Konsumenten entwickelt, die nicht den Besitzer selbst vermessen, sondern die Dinge die er benutzt. Die von Green Goose angebotene Infrastruktur aus Basisstation sowie kostengünstigen und energieeffizienten Sensoren ermöglichen einen stückweisen Aufbau des Internets der Dinge im heimischen Umfeld. Einer der ersten Anwendungsfälle welchen GreenGoose gezeigt hat, ist die Zahnpflege. Folgendes Video zeigt, wie Spielmechaniken eingesetzt werden können, um Kinder zum Zähneputzen zu motivieren.

Andere Anwendungsfälle des Anbieter zielen darauf ab, Jungs eine sitzende Toilettenbenutzung näher zu bringen oder den verantwortungsbewussten Umgang mit Haustieren zu erlernen. Mit dem Ansatz, Dinge des realen Lebens mit dem Internet zu verbinden ist GreenGoose nicht alleine. Eines der erfolgreichsten Projekte auf der amerikanischen Crowdfunding Plattform Kickstarter war ein Gerät, dass mit den Slogan “listen to your world, talk to the internet” beworben wurde. Über WiFi mit dem Internet verbunden, kann Twine Erschütterungen, die Temperatur oder andere Daten auf einer Website oder dem Smartphone visualisieren. Die Lösung für Technikfreaks und Bastler ist dabei enorm erfolgreich. 35 Tausend Dollar wollten die Entwickler einsammeln um Ihr Projekt zu finalisieren, die begeisterten Kunden haben insgesamt 556 Tsd. Dollar investiert. Damit ist Twine ein spannender Ansatz um Informationen über seine Umgebung in das Internet zu bringen und nutzbar zu machen. Neue Anwendungen für das Internet der Dinge werden nicht nur auf Kickstarter unterstützt. Auch der Venture Capital Fond Atomico Ventures des Skype Gründers Niklas Zennstrom’s glaubt an das Potential und hat in die Plattform EVRYTHNG investiert. EVRYTHNG möchte physikalischen Dingen eine digitale Repräsentation ermöglichen, über welche sie untereinander oder mit ihrem Besitzer kommunizieren können. Wie so etwas konkret aussehen kann, hat Toyota hat mit Unterstützung von Salesvorce gezeigt. Das soziale Netzwerk “Friend” stellt dem Nutzer Informationen seines Fahrzeugs wie Reifendruck oder Batterieladestand online zur Verfügung. So wird das Auto zum Freund seines Besitzers und kommuniziert mit ihm über Facebook und Twitter. Eine Demonstration des Konzepts sehen sie in folgendem Video.

Das Spektrum von Quantified Self

Die nächsten Quantified Self Meetups finden am 28. August in München und am 8. September in Berlin statt. Bei diesen Veranstaltungen sprechen die Self-Tracker über ihre Erfahrung mit Lifestyle-orientierten Fitnessanwendungen, ein Ernährungsexperiment mit einer Low Carb Minimal Diät und den kognitionspsychologische Ansatz einer Lernsoftware. Auch sonst decken die Treffen der Quantified Self Gruppen ein weites Spektrum ab. In München stellen drei junge Unternehmen innovative Anwendungen für den Gesundheitsmarkt vor. Hochspannend darunter das optische Verfahren von Mevitec, welches nicht invasiv (ohne Blutentnahme) den Stoffwechsel einer Person analysiert. Dieses auf Licht basierende Messverfahren vereinfacht die Kontrolle und Steuerung einer an die individuellen Anforderungen angepassten Ernährung entscheidend. Auch das Münchner Startup Soma Amalytics arbeitet mit seiner Smartphone Applikation zur Stresserkennung und Burnout Prävention an einem hoch interessanten Thema. Verhaltensdaten des Nutzers werden bei Soma Analytics Ansatz mit dem Smartphone teilweise automatisiert erhoben und auf entsprechende Muster von Stress und Depression untersucht.
In Berlin zeigen die Startups Archify und WATTlive Anwendungsfälle von persönlichen Informationen und Verhaltensdaten jenseits von Sport und Gesundheit. Archify bietet ein digitales Gedächtnis und speichert mit Hilfe eines Plugins alle Websites, Mails und Social Media Interaktionen eines Benutzers. Als persönliche Suchmaschine ermöglicht der Dienst dem Anwender seine digitale Vergangenheit zu durchforschen und Informationen wieder zu finden. WATTlive entwickelt Software zum Monitoring und zur Steuerung des Energieverbrauchs in Abhängigkeit von Umweltfaktoren wie Temperatur, Helligkeit und Luftqualtität. Hier werden Umweltdaten und Verhaltensdaten eines Bewohners kombiniert wodurch ein Energieeinsparpotential realisiert wird. Darüber hinaus liefert WATTlive dem Nutzer mit seinen Produkten ein Feedback über die Umweltfreundlichkeit seines Verhaltens und motiviert diesen, Effizient mit Ressourcen umzugehen. Mit diesen Beiträgen zu innovativen technologischen Anwendungen liefern die Meetups einen guten Überblick über die Bandbreite von Quantified Self. Zukünftig wird die Quantified Self Szene das Potential persönlicher Daten wie Vitalitätswerte und Verhaltensinformationen in einem immer größeren Kontext ergründen und verbreiten. Als Organisator der Münchner und Berliner Meetups freue ich mich dann insbesondere über Kontakt und Austausch mit Experten in Cloud Computing und Datensicherheit, Datamining, Verhaltenspsychologie, Mensch Maschine Interaktion und Künstlicher Intelligenz.

Das Potential unserer Daten

In der Politik, an der Börse oder im alltäglichen Leben galt und gilt noch immer: Wissen ist Macht. Heute befindet sich die Art und Weise wie Wissen generiert wird in einem rasanten Umbruch. Mit der seit Jahrzehnten voranschreitenden Entwicklung in der Computer- und Sensortechnologie entstehen neue Möglichkeiten Informationen zu Erheben, zu Verarbeiten und dadurch Wissen zu generieren und zu verbreiten. Insbesondere die Nutzung personenbezogener Daten ermöglicht innovative Anwendungsfälle in verschiedensten Bereichen, welche offen und transparent diskutiert werden sollten.

Die Idee persönliche Daten aufzuzeichnen ist nicht neu. Intellektuelle, Forscher, Künstler und Gelehrte wie Johann W. v. Goethe machten sich bereits vor hunderten von Jahren persönliche Aufzeichnungen in einem Tagebuch, um ihre eigene Entwicklung zu dokumentieren und reflektieren. Dabei ist die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst häufig ein wesentlicher Bestandteil aktiv gelebter Persönlichkeitsentwicklung. In diesem Sinne führe ich selbst Buch über wichtige Entwicklungen, Veränderungen und Entscheidungen in meinem Leben, und schaffe mit meinem Startup Chronio die Möglichkeit, wichtige persönliche Informationen in einem innovativen digitalen Tagebuch zu bewahren.

Für Erkenntnisse und Entscheidungen über uns selbst stehen zukünftig neue Informationsquellen zur Verfügung, welche uns ein besseres Urteil ermöglichen. Durch noch junge technologische Entwicklungen wie das Smartphone in Verbindung mit Sensoren wie vernetzten Waagen, Schrittzählern und Blutdruckmessgeräten können wir uns Informationen zu unserer Gesundheit in einer bisher nicht gekannten Detailtiefe bewusst zu machen. Neben Fitness und körperlicher Gesundheit gibt es eine Vielzahl weiterer Bereiche welche durch individuelle Analyse und Feedback verbessert werden können und zu einem ganzheitlichen Wohlbefindens beitragen. Dieses enorme Potential zur Verbesserung der Lebensqualität wird zukünftig durch immer einfacher zu verwendende Produkte vielen Menschen zugänglich.

Das Potential der persönlichen Daten reicht jedoch weit über die Verbesserung unserer Gesundheit hinaus. Moderne Heizungsthermostate lernen den Tagesablauf ihrer Besitzer u.a. anhand des Bewegungsaufkommens im Raum und wissen dadurch zu welchen Uhrzeiten die Bewohner in welchen Räumen welche Temperaturen benötigen. Hierdurch erschließen sie ein enormes Energiesparpotential ohne den Komfort der Bewohner einzuschränken.

Besonders deutlich kommt dieser der Trend zur Personalisierung und Individualisierung bei internetbasierten Diensten zum Ausdruck, die häufig unsere individuellen Präferenzen erkennen und berücksichtigen. Facebook lernt z.B mit welchem unserer Kontakte wir besonders gerne kommunizieren und präsentiert uns aus der Flut an Neuigkeiten bevorzugt die für uns wichtigen Nachrichten. Mit dem Netzwerk verbundene Anwendungen wie der Musikanbieter Spotify, erlauben es dem Nutzer zu erfahren welche Lieder seine Freunde hören, wodurch das Entdecken guter Musik jenseits von Zeitschriften und Fernsehwerbung einfacher wird. Auch die Werbetreibenden im Internet wissen immer häufiger für welche Produkte sich der Betrachter einer Webseite interessiert und ersparen ihm damit langweilige und unrelevante Werbung für Produkte deren Zielgruppe er nicht entspricht. Hierdurch spart das werbende Unternehmen Kosten und die Konsumenten können sich über den Kanal Werbung über aktuelle Produkte und Angebote der von ihnen geschätzten Marken informieren.

Auch im Finanzmarkt werden persönliche Daten eingesetzt um z.B die Zahlungsfähigkeit von Konsumenten einzuschätzen. So bietet die Schufa Unternehmen Prognosen über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls eines potentiellen Kunden auf Basis dessen Zahlungshistorie. Aktuell erfolgt diese Bonitätseinschätzung auf Basis relativ grober Informationen, und wird in Einzelfällen der Realität einer bewerteten Privatperson nicht gerecht. Gemeinsam mit dem Hasso Plattner Institut wollte die Schufa Konzepte untersuchen, welche die individuelle Bonitätsbwertung durch Analyse von Daten aus sozialen Netzwerken, online Kartendiensten oder anderen im Internet verfügbaren Informationen verbessern sollte. Bereits bevor die Vor- und Nachteile eines solchen Vorgehens diskutiert werden konnten, wurde das Forschungsprojekt auf den Druck einer schlecht informierten und empörten Öffentlichkeit hin abgesagt.

Bei vielen technischen Produkte wertet der Hersteller vom Nutzer erhaltene Daten anonymisiert aus, um auf diesen Informationen basierende Funktionen in seinen Produkten anzubieten. So analysieren Firmen wie Apple oder Google die Bewegungsinformationen der Nutzer ihrer Smartphones, um die Verkehrslage auf den Straßen zu beurteilen. Dadurch dass die Daten der Masse aller Nutzer einfließen, können dem einzelnen Anwender realistische Fahrtzeitprognosen und Stauumgehungsempfehlungen auf sein Gerät geliefert werden. Dieses Lernen von der Masse bietet ein großes Potential zur Optimierung von Produkten und Dienstleistungen. Die anonymisierte Verwendung der Daten stellt dabei sicher, dass für den Anwender kein persönlicher Nachteil entsteht, dieser jedoch von der aus der Masse erzeugten Intelligenz profitiert.

In Anbetracht dieses Trends zur Nutzung persönlicher Daten in verschiedensten Bereichen wird offensichtlich wie sich unsere klassische Vorstellungen von Privatsphäre verändert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich persönlichen Risiken aussetzt, wenn man bewusste Entscheidungen bei der Wahl von Produkten und Diensten trifft. Wenn wir unsere zukünftig in immer größerem Umfang erhobenen Daten anonymisiert zu Forschungszwecken verwenden, lassen sich bessere Medikamente, nachhaltigere Produkte oder lebenswertere Orte realisieren. Während dem Flug eines modernen Passagierflugzeugs werden Daten in Höhe von 20 Terrabyte pro Stunde gesammelt und ausgewertet, um nachfolgende Flugzeuggenerationen sicherer und energieeffizienter zu machen. Stehen uns ähnlich detaillierte Informationen über unsere Medikamente, Verkehrsswege und alltäglichen Lebensgewohnheiten zur Verfügung, entsteht ein enormes Potential um unsere Gesellschaft umweltfreundlicher, gesünder und zufriedener zu machen. Was aus unseren Daten entsteht, hängt also nur von der Zielsetzung dessen ab, der sie verwendet.

Seit 40 Jahren verdoppelt sich die zu einem Preispunkt verfügbare Rechenleistung regelmäßig alle 18 Monate. Diese Entwicklung erlaubt es auch in Zukunft immer mehr Daten Aufzuzeichnen, zu verarbeiten und zu verwerten. Unternehmen verschiedenster Branchen arbeiten daran, dieses Potential durch neue Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten und schon heute verändern Smartphones und soziale Netzwerke die Welt im Sturm. Damit hier die Interessen des Einzelnen gewahrt bleiben, ist eine breite Diskussion in der Gesellschaft notwendig, welche Chancen und Risiken offen aufzeigt und eine Kultur der Transparenz einfordert. Auch im Quantified Self Netzwerk diskutieren wir Chancen und Risiken dieser Veränderungen und beobachten Geschäftsmodelle, Nutzungsbedingungen und gesellschaftliche Auswirkungen neuer Dienste kritisch. Zukünftige gesellschaftliche Veränderungen werden immer öfter auf Basis der Nutzung persönlicher Daten entstehen und auch dann wird gelten: Wissen ist Macht. Durch die Förderung des Bewusstseins für diese Veränderungen stehen die Chancen gut, dass diese Macht in die richtigen Hände gelangt.