Die Vision eines quantifizierten Selbst

Die Vision eines quantifizierten Selbst

Sommer in Sao Paulo

Ein Essay über das Leben im Jahr 2020

Für meinen Job bin ich mal wieder verreist. Zwei Monate in Sao Paulo, einer Stadt in der ich niemanden kenne. Hund und Laufpartner sind zu Hause geblieben, sodass ich meinen Lieblingssport alleine ausüben muss, aber ich lasse mich nicht gehen. Gleich am ersten Abend in der neuen Umgebung sehe ich mir im Internet ein paar geeignete Strecken an, um die Stadt beim Laufen zu erkunden. Am anderen morgen höre ich beim Joggen einen Radiosender der mir die aktuellen Lieblingssongs meiner Freunde vorspielt. Der Algorithmus des Senders hat die Wiedergabeleiste aus dem Abgleich meines quantifizierten Selbst mit den Daten meiner Freunde erstellt. Die Mischung aus soliden Electrobeats von 2010 mit den neuesten Rock Sounds ist voller Energie und spornt mich total an. Die von meiner Armbanduhr gemessenen Daten über meinen Lauf schaue ich mir nicht an, ich möchte mich hier in Sao Paulo ja nur ein wenig bewegen. Meine Freunde zu Hause sehen, dass ich trotz neuer Umgebung nicht nachlässig geworden bin und kommentieren meinen Lauf im Fitnessportal anerkennend.

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Familie und Hobbys waren mir schon immer wichtiger als Karriere zu machen. Deshalb bin ich froh, dass ich mit Siri aus meinem Smartphone trotzdem eine persönliche Assistentin habe. Sie weiß alles was wichtig für mich ist und unterstützt mich so gut sie kann. Jetzt, nach drei Tagen in Sao Paulo hat Siri mein Bewegungsprofil ausgewertet und weiß wo ich wohne und wo ich arbeite. Mit diesem Wissen hat sich mich gleich am vierten Tag davor bewahrt zu spät zur Arbeit zu kommen. An diesem Tag ist die U-Bahn mit der ich üblicherweise zu Arbeit fahre nämlich gesperrt und der Ersatzverkehr nimmt ein halbe Stunde mehr Fahrtzeit in Anspruch. Damit ich dennoch rechtzeitig zu meinem Kundentermin komme hat mich Siri früher aufgeweckt als beim Einschlafen vorgesehen. So kann ich in Ruhe Duschen und den Tag ohne Stress mit einem Frühstück beginnen.

Am fünften Tag fühle ich mich unwohl, vermutlich war ich beim Probieren der lokalen Spezialitäten auf dem Markt etwas zu experimentierfreudig. Dass ich auf einen ortsansässigen Arzt verzichten und auf das Urteil meines Hausarztes zählen kann, stimmt mich zuversichtlich. Deshalb stelle ich mich vor den Badezimmerspiegel in meinem 4 Sterne Hotel. Der darin integrierte medizinische Tricoder erfasst meine Vitalitätsparameter und übermittelt die Werte an mein Smartphone. Siri schickt die Daten an meinen Hausarzt zur Ansicht welcher nach kurzer Begutachtung die Zustellung eines geeigneten Medikament veranlasst. Bereits am nächten Tage fühle ich mich schon wieder hervorragend und gehe laufen.

Mein beliebtestes Gadget im Sommer 2020 ist das ChillBand. Es misst mein Stresslevel und belohnt mich mit Chill-Punkten wenn ich es schaffe mich regelmäßig zu entspannen. Deshalb gehe ich jetzt wieder langsamer und mache hin und wieder eine Pause um tief durchzuatmen. Stressprobleme sind mittlerweile die Hauptursache für krankheitsbedingten Arbeitsausfall. Ich sammle Chill-Punkte jedoch nicht um meinen Arbeitgeber oder meine Krankenkasse zu entlasten, sondern weil es sich verdammt gut anfühlt. Außer mir haben das bereits viele andere bemerkt, weshalb das Chillband im Sommer 2020 der letzte Schrei ist.

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Am sechsten Tag lese ich auf Facebook eine Nachricht die ich niemals für möglich gehalten hätte. Juli Zeh, Chefkritikerin der Selbstquantifizierung, hat sich ein ChillBand gekauft um sich von einer Stressattacke zu erholen. Dass der Verlag die gesamte Restauflage ihre Buchs Corpus Delicti verbrannt hat, hat der Autorin kräftig zugesetzt. Bücherverbrennungen sind im Jahr 2020 eher unüblich aber da sich ihr Roman nicht verkauft und Lagerplätze teuer sind, blieb dem Verlag nichts anderes übrig als die Ladenhüter in Ökostrom zu verwandeln. Dass das Internet nichts vergisst, ist jetzt Frau Zehs letzte Hoffnung. Corpus Delicti wird dort nach wie vor zu einem Sonderpreis als Download angeboten.

In Sao Paulo wie auch im Rest der Welt, ist die Quantifizierung längst aus der Nische herausgewachsen. Dennoch wird auch im Jahr 2020 die Individualität groß geschrieben und nicht alle wollen sich das Leben mit moderner Technik vereinfachen lassen. Deshalb gibt es immer noch Menschen, die mit den smarten Funktionen ihres Phones nichts anzufangen wissen und das nächste große Ding nach Facebook genauso schmähen wie sie damals Facebook geschmäht haben. Scheinbar ist das ihnen lieber so und ich denke sie kommen ganz gut damit zurecht. An meinem siebten Tag in Sao Paulo fühle ich mich sehr wohl mit meinem quantifizierten Selbst und die ohne ein solches auch.

Amerikas Innovationskraft

Kickstarter & Crowdfunding

Die amerikanische Mentalität ist geprägt vom Glauben an die Chancen des Individuums, welches seine Ziele durch aktiven Einsatz erreicht. Diese Einstellung ist auch ausschlaggebend für eine neue Art Produkte zu realisieren, welche seit einigen Jahren von vielen amerikanische Unternehmen genutzt wird. Crowdfunding Plattformen bieten ihnen die Möglichkeit Produkte noch vor der Serienreife zu präsentieren und von den Käufern das notwendige Kapital zur Fertigung einzuwerben. Hierdurch haben auch kapitalintensive technologische Innovationen die Chance den Markt zu erreichen, ohne die langwierigen Entscheidungsprozesse klassischer Unternehmen oder Kapitalgeber bewältigen zu müssen. Auf der amerikanischen Crowdfunding Plattorm Kickstarter sind dabei innerhalb der letzten Wochen und Monate eine Vielzahl von Projekten finanziert worden die zeigen, wie groß das Interesse an neuen Lösungen im Bereich Fitness, Gesundheit und Computertechnologie ist.

Beim Ausdauersport spielt je nach Zielsetzung des Athleten die Höhe der Belastung eine entscheidende Rolle. Daher verwenden Hobbysportler und professionelle Athleten beim Laufen oder Radfahren häufig Sensoren zur Pulsmessung. Bisher musste dazu ein Gurt um die Brust getragen werden, welcher nur eingeschränkten Tragekomfort bietet und oftmals als störend empfunden wird. Dem Startup Alpha ist es nun erstmals gelungen die Anzahl der Pulsschläge statt mit Elektroden optisch zu erfassen, was eine Messung am Handgelenk möglich macht. Ihr Produkt, eine Uhr mit integrierter Pulsmessung kann damit bequem getragen werden und gibt Athleten mehr Kontrolle bei ihren sportlichen Aktivitäten.

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit und betreffen 80% der Bevölkerung im Verlauf ihres Lebens. Eine aufrechte Körperhaltung ist ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Gesundheit unseres Rückens und im Alltag dennoch häufig nur schwer bewusst einzuhalten. Das Startup LUMOback hat einen Sensor entwickelt, der die Körperhaltung erkennt und seinen Träger darauf aufmerksam macht, wenn er in eine schlechte Haltung verfällt. Die Idee geht zurück auf die Erfahrung einer der Unternehmensgründer, welcher seine Rückenschmerzen durch gezieltes Haltungstraining überwunden hat. Mit dem Sensor möchte das Team mehr Menschen das Bewusstsein für eine gesunde Körperhaltung ermöglichen.

Beinahe die Hälfte aller Mobilfunknutzer in den westlichen Ländern verwenden ein Smartphone. Dadurch ist es selbstverständlich geworden, im Alltag auf Mails, Facebook und mobiles Internet zuzugreifen. Durch die Nutzung von Apps werden Smartphones immer häufiger fester Bestandteil beim Sport oder beim privaten Gesundheitsmanagement. Eine neue Generation von mit dem Smartphone verbundener Uhren geben noch einfacheren Zugriff auf Informationen und Funktionen der mobilen Computer und erlauben so auch den Einsatz als Trainingsgerät beim Laufen oder Radfahren. Das besondere an Pebble, einer solchen Uhr ist das E-Ink Display, welches auch in E-Books verwendet wird und eine lange Akkulaufzeit sowie eine gute Lesbarkeit auch bei Sonnenlicht ermöglicht. Mit mehr als 10 Millionen US $ an Erlösen durch begeisterte Kunden war Pebble eines der erfolgreichsten Kickstarter-Projekte aller Zeiten.

Crowdfunding Plattformen zeigen sehr direkt die am Markt vorherrschenden Bedürfnisse. Ohne lange Entscheidungsprozesse können neue Produkte direkt vom Kunden beauftragt werden wodurch ein schnelles Abbild von Trends entsteht. Das hier viele Produkte für Fitness und Gesundheit entstehen, ist auf die „Do it Yourself“ Mentalität in Amerika zurückzuführen, welche auch im dort entstandenen Quantified Self Netzwerk zum Ausdruck kommt. Die dadurch entstehenden Lösungen werden zukünftig auch in Deutschland eine Rolle spielen und das Prinzip des Crowdfunding wurde bereits von mehreren Deutschen Anbietern aufgegriffen.

Ein Plädoyer für mehr Offenheit

Durch meinen regelmäßigen Kontakt mit der Presse im Zusammenhang mit Quantified Self erhalte ich einen guten Einblick wie es um den Zugang zu technologischen Innovationen in Deutschland bestellt ist. Kein Interview vergeht, in dem ich nicht auf die Gefahren bei der Veröffentlichung von Vitalitätswerten im Internet angesprochen werde. Selbst habe ich noch keinen Schaden daran genommen, dass ich die Anzahl der pro Woche gelaufenen Schritte auf meinem Twitter Account veröffentliche. Dass mein Blutdruck, Gewicht und andere persönlichen Informationen nichts in der Öffentlichkeit verloren haben, versteht sich für mich und die meisten anderen die solche Werte regelmäßig erfassen von selbst. Dass ein großer Unterschied zwischen dem Posten einer sportlichen Aktivitität oder dem Bild einer Mahlzeit und der privaten und selbstverantwortlichen Beobachtung von Gesundheitsinformationen wie Blutwerten oder dem persönlichen Genesungsverlauf gibt, liegt jedoch scheinbar häufig außerhalb des Vorstellungsvermögens und wird auf der Suche nach Sensationen völlig indifferent missachtet.

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Stattdessen werde ich regelmäßig mit dem, von einer phantasiebegabten Dame entworfenen Szenario einer Gesundheitsdiktatur konfrontiert, welches Menschen die Wahlfreiheit in Ihrer Lebensweise nimmt. Zur Vermarktung Ihres Romans erzeugt die Autorin Angst vor technologischen Innovationen, welche Menschen zu einer gesünderen Lebensweise motivieren und eine bessere medizinische Betreuung ermöglichen. Dass sie mit dieser in Deutschland nicht seltenen Verschlossenheit gegenüber Veränderungen bald nur noch wenig Aufmerksamkeit erzielen wird, ist der Globalisierung der Märkte zu verdanken. Firmen wie Nike richten ihre Strategie immer stärker auf die Einbeziehung digitaler Dienste aus, sodass sie mit ihrer Marketingmacht die Bedenken Angst verbreitender Autoren schon bald überstimmen werden. Traurig ist der aktuelle Pessimismus daher insbesondere für den Wirtschaftsstandort Deutschland, welcher bei den Wachstumsmärkten im digitalen Bereich immer mehr an Boden verliert.

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Dabei sind die Miesmacher oft nicht mehr als der Bestandteil eines Generationenkonflikts. So können viele junge Erwachsene die Bemühungen um den Schutz der Privatsphäre schon längst nicht mehr nachvollziehen. Firmen wie Facebook sind getrieben von der Vision einer offeneren Gesellschaft und haben mit der Umsetzung dieses Ideals bald eine Milliarde Nutzer gefunden. Die bei dem sozialen Netzwerke vorliegenden Informationen schaffen neue Möglichkeiten, die Welt mit der Unterstützung seiner Freunde zu entdecken und sind der Grundbaustein vieler Innovationen auf dem Weg zu einer transparenteren Welt. Ein ähnlich großes Potential wird derzeit von Entwicklern, Startups und etablierten Unternehmen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen erschlossen. In unserer freien Gesellschaft kann man diese Möglichkeiten für sich nutzen oder darauf verzichten. Doch wenn man schon keinen Zugang zu den neuen Chancen entwickelt, muss man diese dann schlecht reden und sich selbst als von gestern entlarven? Als Optimist mit dem festen Glauben an das Potential der Menschheit habe ich keine Angst vor einer Gesundheitsdiktatur. Das einzige was mir Sorge macht, sind Menschen, die ihren Mitmenschen so wenig Selbstbestimmung und demokratischen Willen zutrauen, dass sie eine Gesundheitsdiktatur für möglich halten.

Das Potential unserer persönlichen Daten

In der Politik, an der Börse oder im alltäglichen Leben galt und gilt noch immer: Wissen ist Macht. Heute befindet sich die Art und Weise wie Wissen generiert wird in einem rasanten Umbruch. Mit der seit Jahrzehnten voranschreitenden Entwicklung in der Computer- und Sensortechnologie entstehen neue Möglichkeiten Informationen zu Erheben, zu Verarbeiten und dadurch Wissen zu generieren und zu verbreiten. Insbesondere die Nutzung personenbezogener Daten ermöglicht innovative Anwendungsfälle in verschiedensten Bereichen, welche offen und transparent diskutiert werden sollten.

Die Idee persönliche Daten aufzuzeichnen ist nicht neu. Intellektuelle, Forscher, Künstler und Gelehrte wie Johann W. v. Goethe machten sich bereits vor hunderten von Jahren persönliche Aufzeichnungen in einem Tagebuch, um ihre eigene Entwicklung zu dokumentieren und reflektieren. Dabei ist die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst häufig ein wesentlicher Bestandteil aktiv gelebter Persönlichkeitsentwicklung. In diesem Sinne führe ich selbst Buch über wichtige Entwicklungen, Veränderungen und Entscheidungen in meinem Leben, und schaffe mit meinem Startup Chronio die Möglichkeit, wichtige persönliche Informationen in einem innovativen digitalen Tagebuch zu bewahren.

Für Erkenntnisse und Entscheidungen über uns selbst stehen zukünftig neue Informationsquellen zur Verfügung, welche uns ein besseres Urteil ermöglichen. Durch noch junge technologische Entwicklungen wie das Smartphone in Verbindung mit Sensoren wie vernetzten Waagen, Schrittzählern und Blutdruckmessgeräten können wir uns Informationen zu unserer Gesundheit in einer bisher nicht gekannten Detailtiefe bewusst zu machen. Neben Fitness und körperlicher Gesundheit gibt es eine Vielzahl weiterer Bereiche welche durch individuelle Analyse und Feedback verbessert werden können und zu einem ganzheitlichen Wohlbefindens beitragen. Dieses enorme Potential zur Verbesserung der Lebensqualität wird zukünftig durch immer einfacher zu verwendende Produkte vielen Menschen zugänglich.
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Das Potential der persönlichen Daten reicht jedoch weit über die Verbesserung unserer Gesundheit hinaus. Moderne Heizungsthermostate lernen den Tagesablauf ihrer Besitzer u.a. anhand des Bewegungsaufkommens im Raum und wissen dadurch zu welchen Uhrzeiten die Bewohner in welchen Räumen welche Temperaturen benötigen. Hierdurch erschließen sie ein enormes Energiesparpotential ohne den Komfort der Bewohner einzuschränken.
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Besonders deutlich kommt dieser der Trend zur Personalisierung und Individualisierung bei internetbasierten Diensten zum Ausdruck, die häufig unsere individuellen Präferenzen erkennen und berücksichtigen. Facebook lernt z.B mit welchem unserer Kontakte wir besonders gerne kommunizieren und präsentiert uns aus der Flut an Neuigkeiten bevorzugt die für uns wichtigen Nachrichten. Mit dem Netzwerk verbundene Anwendungen wie der Musikanbieter Spotify, erlauben es dem Nutzer zu erfahren welche Lieder seine Freunde hören, wodurch das Entdecken guter Musik jenseits von Zeitschriften und Fernsehwerbung einfacher wird. Auch die Werbetreibenden im Internet wissen immer häufiger für welche Produkte sich der Betrachter einer Webseite interessiert und ersparen ihm damit langweilige und unrelevante Werbung für Produkte deren Zielgruppe er nicht entspricht. Hierdurch spart das werbende Unternehmen Kosten und die Konsumenten können sich über den Kanal Werbung über aktuelle Produkte und Angebote der von ihnen geschätzten Marken informieren.

Auch im Finanzmarkt werden persönliche Daten eingesetzt um z.B die Zahlungsfähigkeit von Konsumenten einzuschätzen. So bietet die Schufa Unternehmen Prognosen über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls eines potentiellen Kunden auf Basis dessen Zahlungshistorie. Aktuell erfolgt diese Bonitätseinschätzung auf Basis relativ grober Informationen, und wird in Einzelfällen der Realität einer bewerteten Privatperson nicht gerecht. Gemeinsam mit dem Hasso Plattner Institut wollte die Schufa Konzepte untersuchen, welche die individuelle Bonitätsbwertung durch Analyse von Daten aus sozialen Netzwerken, online Kartendiensten oder anderen im Internet verfügbaren Informationen verbessern sollte. Bereits bevor die Vor- und Nachteile eines solchen Vorgehens diskutiert werden konnten, wurde das Forschungsprojekt auf den Druck einer schlecht informierten und empörten Öffentlichkeit hin abgesagt.

Bei vielen technischen Produkte wertet der Hersteller vom Nutzer erhaltene Daten anonymisiert aus, um auf diesen Informationen basierende Funktionen in seinen Produkten anzubieten. So analysieren Firmen wie Apple oder Google die Bewegungsinformationen der Nutzer ihrer Smartphones, um die Verkehrslage auf den Straßen zu beurteilen. Dadurch dass die Daten der Masse aller Nutzer einfließen, können dem einzelnen Anwender realistische Fahrtzeitprognosen und Stauumgehungsempfehlungen auf sein Gerät geliefert werden. Dieses Lernen von der Masse bietet ein großes Potential zur Optimierung von Produkten und Dienstleistungen. Die anonymisierte Verwendung der Daten stellt dabei sicher, dass für den Anwender kein persönlicher Nachteil entsteht, dieser jedoch von der aus der Masse erzeugten Intelligenz profitiert.
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In Anbetracht dieses Trends zur Nutzung persönlicher Daten in verschiedensten Bereichen wird offensichtlich wie sich unsere klassische Vorstellungen von Privatsphäre verändert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich persönlichen Risiken aussetzt, wenn man bewusste Entscheidungen bei der Wahl von Produkten und Diensten trifft. Wenn wir unsere zukünftig in immer größerem Umfang erhobenen Daten anonymisiert zu Forschungszwecken verwenden, lassen sich bessere Medikamente, nachhaltigere Produkte oder lebenswertere Orte realisieren. Während dem Flug eines modernen Passagierflugzeugs werden Daten in Höhe von 20 Terrabyte pro Stunde gesammelt und ausgewertet, um nachfolgende Flugzeuggenerationen sicherer und energieeffizienter zu machen. Stehen uns ähnlich detaillierte Informationen über unsere Medikamente, Verkehrsswege und alltäglichen Lebensgewohnheiten zur Verfügung, entsteht ein enormes Potential um unsere Gesellschaft umweltfreundlicher, gesünder und zufriedener zu machen. Was aus unseren Daten entsteht, hängt also nur von der Zielsetzung dessen ab, der sie verwendet.

Seit 40 Jahren verdoppelt sich die zu einem Preispunkt verfügbare Rechenleistung regelmäßig alle 18 Monate. Diese Entwicklung erlaubt es auch in Zukunft immer mehr Daten Aufzuzeichnen, zu verarbeiten und zu verwerten. Unternehmen verschiedenster Branchen arbeiten daran, dieses Potential durch neue Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten und schon heute verändern Smartphones und soziale Netzwerke die Welt im Sturm. Damit hier die Interessen des Einzelnen gewahrt bleiben, ist eine breite Diskussion in der Gesellschaft notwendig, welche Chancen und Risiken offen aufzeigt und eine Kultur der Transparenz einfordert. Auch im Quantified Self Netzwerk diskutieren wir Chancen und Risiken dieser Veränderungen und beobachten Geschäftsmodelle, Nutzungsbedingungen und gesellschaftliche Auswirkungen neuer Dienste kritisch. Zukünftige gesellschaftliche Veränderungen werden immer öfter auf Basis der Nutzung persönlicher Daten entstehen und auch dann wird gelten: Wissen ist Macht. Durch die Förderung des Bewusstseins für diese Veränderungen stehen die Chancen gut, dass diese Macht in die richtigen Hände gelangt.

Chronio – Das Tagebuch für das digitale Zeitalter

Es gibt viele verschiedene Gründe um sich Notizen zu erstellen. Als Privatperson ist dies häufig, um sich Aufgaben, Erinnerungen und Ziele zu merken. Die meisten unserer Notizen landen dabei schnell im Papierkorb oder werden als Aufgabe von einer Liste gestrichen. Nur wenige Informationen sind von solcher Bedeutung, dass wir sie dauerhaft in einem Notiz- oder Tagebuch festhalten wollen. Für genau diese besonderen und wichtigen Informationen hat mein Startup Chronio über die vergangenen Monate eine Lösung geschaffen.

Das Ergebnis ist ein digitales Notizbuch für Text, Fotos, Video- und Audioaufnahmen. Unsere Grundannahme bei Chronios Entwicklung war, dass wir dieselbe Freude die wir bei der Kommunikation in sozialen Netzwerken empfinden, auch bei der Aufzeichnung und Betrachtung persönlicher Informationen in einem privaten Tagebuch erleben sollten. Deshalb erinnert Chronio’s Benutzeroberfläche an Dienste wie Facebook und die in der App gespeicherten Informationen können in einer Timeline angeordnet und überflogen werden. Damit weicht das umständliche Blättern von Seiten dem benutzerfreundlichen Scrollen in einer privaten Chronik. Dieser Paradigmenwechsel gibt Erinnerungen, Erkenntnisse und Zielen eine ganz neue Bedeutung, da die chronologische Entwicklung beim Betrachten der Aufzeichnungen direkt nachvollzogen werden kann. Durch die Möglichkeit Text Fotos, Videos und Ton aufzunehmen, eignet sich Chronio z.B als Reisetagebuch, zum Aufzeichnen von Erinnerungen oder um sich selbst beim Stimm- oder Präsentationstraining aufzuzeichnen. Dies macht Chronio zur optimalen Anwendung zur Selbstreflexion und zum idealen Platz für Erinnerungen an die eigene Entwicklung.

Chronio erscheint in Kürze als iPad App und wird kostenlos zur Verfügung stehen. Auf Basis der Anforderungen unserer Nutzer werden wir Chronio zu einem leistungsfähigen Werkzeug weiterentwickeln, welches der ideale Platz für persönliche Informationen ist und durch Selbstmanagementfunktionen die individuelle Gesundheit und Persönlichkeits- entwicklung unterstützt. Wann Chronio zum Download bereitsteht, erfahren sie hier.

Die digitale Zukunft der Gesundheit

Technologische Trends in Fitness und Gesundheit entwickeln sich in einem rasanten Tempo und werden den Alltag vieler Menschen entscheidend verändern. Eric Topol hat bereits 2009 in seiner TEDMED Präsentation beschrieben, welche technischen Entwicklungen hierfür verantwortlich sind und welche Bereiche betroffen sind. Topols klare Analyse technischer Zusammenhänge und seine Identifikation wirtschaftlicher und humanitärer Potentiale machen seinen Vortrag heute relevanter denn je zuvor.

Quantified Self Meetups und Konferenzen im Mai

Dieser Artikel wurde zuerst auf der Webseite der Deutschen Quantified Self Community veröffentlicht.

 

In den nächsten Wochen finden mehrere Quantified Self Meetups und Veranstaltungen mit Beteiligung der Deutschen Quantified Self Community statt. Dies ist eine spannende Gelegenheit für alle Interessierten, die Quantified Self Community kennenzulernen.

Am 3. Mai findet in Berlin die Konferenz re:publica statt, eine der wichtigsten Veranstaltungen für den Austausch von Online-Experten, gesellschaftlichen Vordenkern, und digitalen Meinungsmachern. Auf der diesjährigen re:publica besprechen mehrere Referenten Quantified Self und zeigen dabei verschiedene Facetten auf. Wir freuen uns über eine spannende Diskussion und die Gelegenheit, die Deutsche Quantified Self Community dort dem Fachpublikum vorzustellen. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sie hier.

Am 10. Mai findet das dritte Münchner Quantified Self Meetup im Rahmen der Münchner Web Woche statt. Die Mitglieder der Gruppe präsentieren Ihre Erfahrung mit Self Tracking in Bereichen wie Sport, Ernährung und Gewicht aber auch Emotionen und Erinnerungen. Auch ein Einblick in das Internet der Dinge wird durch einen Münchner Elektronikexperten beim Meetup vermittelt. Außerdem besteht die Möglichkeit innovative Produkte aus der digitalen Fitness und Gesundheitsindustrie live zu erleben und Erfahrungen mit den Münchner Self-Trackern auszutauschen.

Am 11. und 12 . Mai findet in Berlin die Veranstaltung „digitale Selbstvermessung – ein Leben nach Maß“ statt. Hier besprechen Referenten aus Forschung und Wirtschaft verschiedene Themen um Quantified Self, von der Wirkung von Feedback Schleifen, über die Visualisierung persönlicher Daten bis zur Gestaltung von Computer-Interfaces von digitalen Gesundheitsanwendungen. Hier haben wir die Gelegenheit die Quantified Self Community zu präsentieren und technologische Trends, sowie individuelle und gesellschaftliche Fragestellungen auf dem Weg in die vermessene Zukunft mit den Referenten und Gästen der Konferenz zu diskutieren.

Am 12. Mai findet das zweite Berliner Quantified Self Meetup statt. Hier präsentieren die Berliner Self-Tracker ihre persönliche Quantified Self Projekte und Erfahrungen. Außerdem zeigen Industrievertreter, Startups und Entwickler gesundheitsfördernde Hard- und Software aus verschiedenen Bereichen. Der Besuch der Meetups ist wie immer kostenlos und auch für Anfänger und Interessierte geeignet.

Die Entwicklung der Quantified Self Kultur in Deutschland

The Quantified Self ist ein Netzwerk von Anwendern und Herstellern innovativer Gesundheitslösungen. Dieses Netzwerk basiert auf der Grundidee, durch Vermessung und Analyse von Vitalitätswerten oder anderen persönlichen Daten, individuelle Ansätze zur Optimierung z.B in Sport und Gesundheit zu identifizieren. Aus der Beobachtung der deutschen Berichterstattung und den zahlreichen Interviews, die ich in Radio, Print- und Onlinemedien zu Quantified Self gegeben habe, wird deutlich, dass es noch immer Erklärungsbedarf zum Sinn und Nutzen dieser Bewegung gibt. Im Grunde handelt es sich um eine Bewegung des mit sich selbst auseinandersetzen, um mehr über sich selbst zu erfahren und neue, konstruktive Gewohnheiten zu erlernen. Dabei vereinfachen moderne Sensoren und Apps häufig die Selbstbeobachtung und machen Quantified Self insbesondere bei jungen und technologie-affinen Menschen populär.

Kennzahlen und Benchmarks sind elementare Managementmethoden eines erfolgreichen Unternehmens und können einen wertvollen Beitrag zur persönlichen Lebensführung liefern. Deshalb führen die Anhänger der Quantified Self Bewegung Tagebuch, protokollieren Ihr Gewicht, Ihre Stimmung oder andere für sie relevante Informationen. Das Quantifizieren oder Selbstvermessen, ist Mittel zum Zweck sich einen persönlichen und objektiven Vergleichsmaßstab zu schaffen, der

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