Apple Watch – der neue Stern am Self-Tracking-Himmel?

Apple Watch – der neue Stern am Self-Tracking-Himmel?

Während der letzten Jahre hat Apple den Self-Tracking Markt vorangetrieben wie kaum ein anderes Unternehmen. Activity Tracker, vernetzte Waagen und Blutdruckmessgeräte werden schon lange prominent in den Apple Stores zum Verkauf angeboten und durch die frühzeitige Implementierung von Bluetooth 4.0 sowie exklusive Partnerschaften mit Firmen wie Nike, hat sich Apple eine große Fangemeinde unter den Self-Tracker aufgebaut. Mit HealthKit und der Apple Watch wird das Unternehmen nun erstmals auch als Hersteller von digitalen Fitness- und Gesundheitsprodukten aktiv. Das Activity-Tracking ist eines der besten Features der Apple Watch und das Display am Handgelenk bietet auch für andere Quantified Self-Apps neue Einsatzmöglichkeiten. Hat Apple es mit seinem tragbaren Computer geschafft, das Gesundheits- und Fitnesstracking auf ein neues Level zu bringen?

Apple Watch_Activity

Activity-Tracking mit der Apple Watch

Für das Activity-Tracking hat Apple einen neuen Ansatz entwickelt, der in seiner Ganzheitlichkeit weit über die gängigen Activity-Tracker hinausgeht. Statt lediglich Schritte zu messen, motiviert die Uhr zu Bewegung in jeglicher Form, regelmäßigem Sport und einem aktiven Alltag. Im Gegensatz zu den meisten Activity Trackern wählt man bei der Apple Watch kein Schritteziel, sondern die Menge an Kalorien, die man pro Tag durch Bewegung verbrennen möchte. Wie auch bei anderen Schrittzählern und Smartwatches werden Bewegungen von Beschleunigungssensoren in der Apple Watch erkannt. Zusätzlich misst ein optischer Pulssensor auf der Rückseite des Gehäuses über den Tag hinweg immer wieder die Herzfrequenz und soll so den Energieverbrauch erkennen, egal ob beim Gehen, Radfahren oder im Fitnessstudio. Zum Erreichen des Tagesziels ist es nur wichtig, genügend Kalorien zu verbrauchen – wie viele Schritte man dabei macht, spielt keine Rolle. Diese Form des Activity-Trackings ist also wesentlich ganzheitlicher und insbesondere für Menschen die regelmäßig Radfahren oder sich anderweitig sportlich betätigen, weitaus motivierender als das Feedback eines reinen Schrittzählers.

heart rate sensor apple watch

Als zweiten wichtigen Aspekt des Lebensstils überwacht die Apple Watch, ob man seinen Kreislauf regelmäßig in Schwung bringt, egal ob durch Sport oder durch flottes Gehen. Um den eigenen Körper gesund zu halten reicht es nämlich nicht, einfach nur Zehntausend Schritte vor sich hin zu schlendern – wichtig ist regelmäßiges Training bei erhöhter Belastung, was die Apple Watch mit ihren integrierten Sensoren automatisch erkennt. Das vorgegebene Ziel liegt hier bei 30 Minuten pro Tag und kann durch gezielten Sport aber auch alltägliches Radfahren oder flottes Gehen erreicht werden. Diese Funktion ist praktisch, um sich zu regelmäßigem Sport zu motivieren, und hilft den Unterschied zwischen langsamer Bewegung und echtem Training zu verstehen. Als dritten wichtigen Aspekt des Lebensstils motiviert die Apple Watch dazu mindestens einmal pro Stunde aufzustehen und sich zu bewegen, wodurch das übermäßige „Herunterfahren“ des Kreislaufs und Haltungsschäden vorgebeugt werden kann. In Amerika gilt  „sitting ist the new Smoking“ und durch die Kontrolle durch die Smartwatch erhält man ggf. eine Erinnerung als Feedback oder aber eine positive Bestätigung wenn man es schafft, sich in mindestens 12 Stunden eines Tages für mindestes eine Minute zu bewegen.

Apple Watch Activity App

Kalorienverbrauch, Trainingszeit und Stehziel werden in einem Kreisdiagramm visualisiert wodurch man einen guten Überblick über die verschiedenen Aspekte der Bewegung bekommt. Eine Miniatur dieser Grafik kann auch in einer Ecke des Zifferblatts dargestellt werden, wodurch ein sehr niederschwelliger Zugang zum Feedback des tragbaren Computer entsteht. Die Apple Watch selbst zeigt dabei immer nur die Werte des aktuellen Tages an, möchte man in der eigenen Historie schmökern, benötigt man die Activity App auf dem iPhone, in der man auf die Einzelwerte der vergangenen Tage zugreifen kann. Eine Kurve mit dem Verlauf der einzelnen Werte gibt es jedoch in der Activity App auf dem iPhone nicht, lediglich eine Kalender-Ansicht die den Status der einzelnen Tage im Überblick anzeigt.

Apple Activity App iPhone

Wer mehr Statistik haben möchte, kann sich seine Daten in Apple’s „Health“-App anschauen. Hat man hier einmal alle relevanten Metriken für die Übersicht ausgewählt, kann man die verbrauchten Kalorien, gelaufenen Schritte und vieles mehr in Kurven über einen Zeitraum einer Woche, eines Monats oder eines Jahrs ansehen. Damit ist die Health App gut geeignet um einen Überblick über die eigenen Daten zu bekommen, insbesondere wenn Messwerte anderer Apps und Geräte wie vernetzter Waagen, Schlafsensoren etc. in das eigene Dashboard mit einfließen. Tiefer gehende Analysen sind auch in Apple Health nicht möglich aber dafür bietet die App die Möglichkeit die eigenen Daten als Tabelle herunterzuladen oder direkt an andere Apps weiterzugeben.

Apple Health

Sport-Tracking mit der Apple Watch

Sportliche Aktivitäten wie Wandern, Laufen, Radfahren und viele weitere Sportarten lassen sich mit der Apple Watch auch mit der App „Workout“ aufzeichnen. Startet man das Tracking mit der Workout App, wird die Pulsmessung der Apple Watch dauerhaft aktiviert und das Display zeigt je nach Sportart Werte wie Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke, verbrauchte Kalorien oder Puls an. Wie auch im alltäglichen Einsatz erlischt das Display dabei jeweils nach einigen Sekunden und wird erst wieder durch eine Drehung des Handgelenks aktiviert, was insbesondere beim Radfahren nicht optimal ist. Auch die Lesbarkeit bei starkem Sonnenlicht könnte besser sein und kommt nicht an die Displays vieler Sportuhren heran. Auf dem Display werden jeweils zwei Werte gleichzeitig angezeigt wobei die Ansicht vom Nutzer konfiguriert werden kann.

Apple watch-indoor-workout-heartrate

Insgesamt recht zufriedenstellend funktionierte für mich die Apple Watch beim Joggen und im Fitnessstudio auf einem Crosstrainer – ähnlich gute Resultate dürften auch beim Wandern, auf einem Laufband oder bei ähnlichen Sportarten erzielt werden. Ambitionierte Läufer, die neben Puls und Geschwindigkeit auch ihre Schrittfrequenz im Überblick behalten wollen, kann die Apple Watch mit ihrem aktuellen Funktionsumfang jedoch nicht zufriedenstellen. Auch beim Radfahren schafft es die Apple Watch leider nicht, meine Anforderungen zu erfüllen. Die Daten während der Fahrt vom Display der Uhr abzulesen empfinde ich als eher unkomfortabel – insbesondere wenn man die zweite Hand braucht um durch das Menü der Uhr zu navigieren kann das beim Radfahren zu einem Sicherheitsrisiko werden. Wer deshalb sein iPhone oder einen speziellen Fahrradcomputer zur Darstellung der Daten am Lenker verwenden möchte, ist weiterhin auf einen anderen Pulssensor angewiesen. Die Pulswerte der Apple Watch lassen sich während des Trainings nämlich weder in Apple’s eigenen Apps auf dem iPhone anzeigen und auch andere Anbieter bekommen keinen Zugriff auf die mit der Smartwatch gemessene Herzfrequenz. Für die Anzeige des Puls auf dem iPhone oder auf einem Fahrradcomputer ist also ein zusätzlicher Brustgurt oder ein Handgelenks-Sensor wie von Mio oder Basis notwendig. Umgekehrt besteht die Möglichkeit einen externen Pulssensor über Bluetooth mit der Apple Watch zu koppeln. Hierdurch wird der Akku der Apple Watch geschont und im Falle eines Brustgurts ggf. auch die Genauigkeit der Messwerte verbessert. Ob sich die Nutzung eines solchen Brustgurts lohnt, hängt jedoch stark von der ausgeübten Sportart ab, da die Ergebnisse der Apple Watch hier teilweise sehr unterschiedlich sind.

Die Apple Watch im solo-Betrieb

Während die meisten Features der Apple Watch die Verbindung mit einem iPhone vorraussetzen, ist die Nutzung beim Sport auch ohne mitgeführtes Telefon sinnvoll. Auch solo ermöglicht die Apple Watch die Messung von Puls und Kalorienverbrauch und Läufern wird Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke auf Basis der gemessenen Schritte angezeigt. Apple kalibriert hierzu automatisch die eigene Schrittlänge bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, weshalb zumindest am Anfang das mitführen des iPhones sinnvoll ist. Beim Radfahren hingegen ist ohne das GPS des iPhones keine Geschwindigkeits- und Distanzmessung möglich, weshalb man im solo-Begtrieb der Uhr lediglich Dauer, Kalorienverbrauch und Puls angezeigt bekommt. Bei anderen Sportarten wie zum Beispiel beim Krafttraining spielen Geschwindigkeit und Strecke ohnehin keine Rolle. Hier kann die Uhr also zur Messung von Puls und Kalorienverbrauch eingesetzt werden, wenngleich auch die Ergebnisse wie wir gleich noch sehen werden, nicht immer zufriedenstellend sind. Ebenfalls gut im solo-Betrieb ist, dass die Apple Watch in Verbindung mit Bluetooth-Kopfhörern zum Musikhören verwendet werden kann. Unterstützt werden derzeit leider nur Songs aus der eigenen iTunes Library wobei bis zu 6 Gigabyte Speicher für die Synchronisierung der eigenen Musik zur Verfügung stehen.

Genauigkeit der Apple Watch

Bei der Genauigkeit der Bewegungs- und Pulsmessung ergab sich bisher leider ein gemischter Eindruck. Um die Puls-  und Kalorienmessung zu beurteilen, habe ich die Messwerte verschiedener Workouts mit den Werten eines Brustgurts in Kombination mit einer Polar V800 und der Wahoo App verglichen. Die besten Messwerte mit der Apple Watch erhielt ich dabei beim Joggen oder Crosstraining. Zu Beginn des Workouts dauerte es zwar kurz, bis sich die Apple Watch eingeschwungen hatte, danach erhielt ich jedoch sehr ähnliche Werte wie mit dem Brustgurt. Lediglich bei abrupten Belastungswechseln wie beim Intervalltraining oder bei einem Ampelstart, dauert es einige Sekunden bis die Apple Watch die Veränderung erkannte. Beim Radfahren und beim Krafttraining war die Erfahrung hingegen weniger positiv. Die Apple Watch war hier häufig nicht in der Lage, meinen Puls zu messen und insbesondere beim Krafttraining lagen die angezeigten Messergebnisse oft drastisch daneben oder pendelten sich zeitweise auf der Hälfte des realen Herzschlags ein. Entsprechend wurde auch ein zu niedriger Kalorienverbrauch berechnet welcher sowohl von den Werten der Polar V800 wie auch der Wahoo App deutlich abwich. Noch drastischer waren diese Abweichungen, wenn ich vor meinen sportlichen Aktivitäten nicht den Workout Modus der Apple Watch aktivierte. Den Kalorienverbrauch bei einer Radtour schätzte die Apple Watch dann trotz mitgeführtem iPhone viel zu nieder ein – teilweise auf nur ein viertel des Wertes den ich über die Pulsuhr erhalten hatte. Da der Kalorienverbrauch die primäre Metrik bei Apple’s Motivations-System darstellt, fällt dieser Fehler besonders schwer ins Gewicht. Hier bleibt zu hoffen, dass Apple die Genauigkeit der Pulsmessung und der Berechnung des Kalorienverbrauchs zukünftig verbessert. Software-Upgrades und Algorithmen die sich auf die Gewohnheiten der Nutzer einstellen, sollten hier einiges an Potential erlauben.

Auswertung der Daten

Die Auswertung der Daten nach einem Workout fällt eher rudimentär aus und beschränkt sich auf die Darstellung von Dauer und Kalorienverbrauch, durchschnittlicher Herzfrequenz sowie ggf. Geschwindigkeit und Strecke. Selbst bei mitgeführtem Smartphone gibt es nach dem Training keine Möglichkeit sich die zurückgelegte Strecke auf einer Karte anzusehen. Statistische Werte zu den Trainings der vergangenen Tage gibt es ebenfalls nicht im Überblick. Lediglich in der Activity-App auf dem iPhone lassen sich die einzelnen Trainings in der Tagesansicht aufrufen. Hat man sich Apple’s Health-App auf dem iPhone entsprechend konfiguriert, lassen sich dort einige Werte im Verlauf ansehen. Auch dann bleibt der Überblick jedoch eher abstrakt und dürfte Sportlern die ihre Trainings umfassend analysieren wollen, nicht ausreichen. Stattdessen richtet sich Apple klar an  Sportler denen etwas Feedback beim Sport und im Alltag und ein grober Überblick zu den eigenen Bewegungsgewohnheiten ausreicht.

Self-Tracking Apps für die Apple Watch

Neben Apple’s Apps für seine Smartwatch, haben auch viele andere Hersteller eigene Self-Tracking Apps vorgestellt. Diese können jedoch nicht auf die Sensoren der Apple Watch zugreifen und sind daher auf ein mitgeführtes iPhone angewiesen um z.B die Geschwindigkeit zu messen. In Kombination ergeben sich hier dennoch spannende Möglichkeiten. Besonders gut gefallen haben mir bisher das 7 Minuten Workout „7“ und die Sixpack App von Runtastic aber auch für Jogger und Radfahrer gibt es ein breites Angebot an Apps von Nike, Strava, Runtastic und vielen mehr. Was diese Apps bieten, werde ich Dir demnächst in einem weiteren Artikel vorstellen. Wie auch für alle anderen Apps für die Appel Watch gilt, dass die Hersteller teilweise noch lernen müssen, mit den Rahmenbedingungen von Apple’s Smartwatch sinnvoll zu arbeiten. Schon jetzt ist allerdings absehbar, dass Apple mit seiner Uhr die vorerst größte Plattform für Wearable Computer etabliert und damit ein attraktives Ökosystem um seine Uhren aufbauen wird.

Stern oder Sternchen?

Ist die Apple Watch der neue Stern am Self-Tracking Himmel und lohnt es sich, dafür so tief in die Tasche zu greifen? Auch wenn die Genauigkeit der Apple Watch beim Activity-Tracking teilweise noch zu wünschen übrig lässt, setzt Apple auf einen ganzheitlichen Ansatz, welcher es einfach macht, gesundheitsförderliche Bewegungsgewohnheiten zu verstehen und zu erlernen. Die Präsentation der Daten und Erfolge ist attraktiv – das tolle Farbdisplays ermöglicht hier im Vergleich zu den einfachen Anzeigen der meisten Fitnessarmbändern eine neue Qualität die Spaß macht. Auch beim Sport wird die Smartwatch gemäßigten Ansprüchen gut gerecht, wenn sie auch für viele ambitionierte Sportler eine spezielle Fitnessuhr nicht ersetzen kann. Kehrseite all der technischen Finesse von Apple’s Smartwatch sind eine Akkulaufzeit von gerade mal einem Tag und ein Preis der schnell beim 5- 10 fachen eines herkömmlichen Activity-Trackers liegt. Interessant ist die Uhr deshalb insbesondere als Plattform – Apple hat mit soliden Apps und Werkzeugen zum Activity-Tracking und für die niederschwellige Kommunikation vorgelegt. Der volle Nutzen der Smartwatch erschließt sich allerdings erst, wenn man auch Lust hat, zukünftig  mit seiner Uhr zu bezahlen, sein Auto zu öffnen oder seine Lampen fernzusteuern. Damit ist die Apple Watch zum aktuellen Zeitpunkt insbesondere für Early Adapter mit einem stark vernetzten Lebensstil sinnvoll oder eben für Menschen die einen besonders schicken und hochwertigen Fitness-Tracker suchen und sich dabei vom Preis nicht abschrecken lassen. Wie sinnvoll die Apple Watch als Quantified Self-Computer ist, werde ich weiter untersuchen und dazu über die weitere Entwicklung der Self-Tracking-Fähigkeiten der Apple Watch und des Angebots von Drittanbietern berichten. In Anbetracht von Apples strategischen Entscheidungen der letzten Jahre ist zu erwarten, dass das Unternehme mit seiner Hard- und Software für Fitness und Gesundheit noch einiges vor hat. Die Apple Watch stellt hierfür einen soliden Start einer neuen Produktkategorie und viel zukünftiges Potential dar. Wenn Ihr selber schon Erfahrung mit der Apple Watch sammeln konntet oder noch Fragen offen sind, ab damit in die Kommentare.

Data Madness 2015 Part 1: Rennrad

Self-Tracking-Technologien haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Neben den Activity-Trackern, vernetzten Waagen und Gesundheitsapps sind viele neue Lösungen entstanden, mit denen noch detailliertere Daten beim Sport, der Ernährung oder über den eigenen Körper erfasst werden können. Insbesondere für die kommenden Monate sind zahlreiche sehr spannende neue Technologien angekündigt. Einige der innovativsten Wearables und Sensoren habe ich mir für meine neuen Self-Tracking Projekte schon bestellt. Welche das sind und wofür ich diese einsetzen möchte, stelle ich Dir in diesem und weiteren Artikeln vor. Los geht mit dem ersten Teil, meinem Projekt „Mad Cyclist“.

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Ein böses Gerät für Geschwindigkeits- und Datenfetischisten

Eines meiner Ziele für 2015 ist es, neben meinem regelmäßigen Kraftsport auch mehr Ausdauersport zu betreiben. Seit letztem Jahr gehe ich hin und wieder mit mäßigen Ambitionen Joggen. Da ich herausgefunden habe dass mir Rennrad fahren mehr Spaß macht, habe ich mir vor einigen Wochen eine Hightech-Maschine zugelegt, mit der ich nun fast täglich durch München fege. Was mir neben dem eigentlichen Fahren am Rennrad besonders gefällt, sind die vielfältigen Möglichkeiten Daten zu sammeln und mit diesen zu arbeiten. Geschwindigkeit, Puls und Trittfrequenz sind die Standards die ich aktuell mit einem Pulsgurt von Polar und einem Fahrradsensor von Wahoo messe. Angezeigt werden die Daten auf meinem Smartphone, welches ich mit einer Halterung von Quadlock am Lenker befestig habe. So kann ich an der Ampel auch mal die Playlist wechseln oder Mails checken und habe bei Bedarf die Straßenkarte schön im Blickfeld. Sobald verfügbar werde mir die smarten Pedale Vector 2 von Garmin an mein Rennrad schrauben, dann erhalte ich Daten über die von mir erzeugte Leistung (in Watt) so wie viele weitere Metriken zur Krafteinwirkung auf die Pedale. Ebenso fürs Rennrad fahren nutzen möchte ich die smarten Textilien von Athos welche die Anspannung der Muskeln von Beinen und Oberkörper erfassen, sodass ich meine Fahrtechnik, also insbesondere den Pedaltritt und die Körperhaltung analysieren und optimieren kann. Bis das Shirt und die Hose mit den Textilelektroden geliefert werden, dürften noch einige Wochen vergehen. So lange kannst Du Dir gerne schon mal das Video von Athos anschauen und Dich auf meinen Bericht freuen.

Auch das Fahrrad selbst wird zukünftig immer leitungsfähiger. Deshalb habe ich bei meinem neuen Rennrad großen Wert auf eine elektrische Gangschaltung gelegt. In Verbindung mit neuen Smart-Bike Lösungen sollten so leistungsoptimierte, automatische Gangwechsel und vieles mehr möglich werden. Spannend für eine solche Vernetzung ist insbesondere das Bike-Cockpit von Cobi, welches wesentliche Funktionen des Fahrrads über eine App auf dem Smartphone unterstützt und dabei verschiedene Systeme und Diente wie Navigation, Musik, Bremslicht und Blinker integriert.

Ideal geeignet für das smarte Radfahren sind auch die Bluetooth-Ohrhörer „The Dash“ von Braagi. Die mit diversen Sensoren ausgestatteten Ohrhörer können beim Radfahren als Alternative zum Brustgurt für die Pulsmessung eingesetzt werden. Und da die smarten Ohrhörer auch spezielle Audio-Apps ermöglichen sollen (die dann direkt auf den Kopfhörern laufen), könnten zukünftig viele weitere Funktionen dazu kommen. Bereits angekündigt hat der Hersteller die Verstärkung von Umgebungsgeräuschen, welche gerade im Stadtverkehr wichtig ist, um trotz Musik und verschlossener Ohren alles mitzubekommen und keine Sicherheitsrisiken einzugehen.

Insbesondere bei temporeichen Fahrten auf dem Rennrad wird die Sicherheit zu einer wichtigen Anforderung. Übrigens das mit Abstand großartigste Sicherheitsprodukt das ich für mich für das Radfahren entdeckt habe, ist der Fahrrad-Airbag von Hövding. Dieser wird als Alternative zum Helm wie ein Schal um den Hals getragen und erkennt durch integrierte Sensoren den Sturz des Fahrers und löst bei einem Unfall einen Airbag aus, der den Kopf umschließt und schützt. Die Schutzwirkung ist dabei weitaus besser als die eines konventionellen Helms und was die Optik und das Feeling angeht, ziehe ich den Hörding meinem bisherigen Fahrradhelm bei weitem vor. Wie der Airbag funktioniert zeigt Hövding in diesem lustigen Video.

So viel zu meinem ersten neuen QS Projekt „Mad Cyclist“. Mit etwas Technik kann man hier also viel Spaß haben, interessante Daten erfassen und das Radfahren auf ein ganz neues Level bringen. In den kommenden Artikeln stelle ich Dir neue Sensoren für Ernährung, Sport und Gesundheit vor. Hier sind ein paar extrem spannende Geräte in der Pipeline die Du Dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest. Schau also am Besten bald wieder vorbei und abonniere den Newsletter oder checke den Status auf Facebook oder Twitter. Und wenn Du selber auch ein Rad-Nerd bist oder Ideen für andere Self-Tracking Projekte hast, dann ab damit in die Kommentare!

igrowdigital Research Kit veröffentlicht

Die Überraschung bei Apple’s Keynote am vergangenen Montag war für mich nicht die Apple Watch oder das neue MacBook sondern die Vorstellung von ResearchKit, einer neuen open source Plattform die Self-Tracker und ihre Daten mit Universitäten und medizinischen Forschungseinrichtungen verbindet. Fünf Partneruniversitäten haben bereits Apps für die Erforschung von Diabetes, Asthma, Parkinson, Brustkrebs und Herzerkrankungen vorgestellt mit denen sie möglicherweise die größten Studien zu den Krankheiten durchführen werden. ResearchKit verbindet die Forschungseinrichtungen mit den iPhone-Nutzern und deren Daten und stellt so die Vorraussetzungen für eine ganz neue Form von Big Data in der medizinischen Forschung bereit. Neben Befragungen innerhalb der App können Nutzer auch ihre selbst erfassten Daten via Apple HealthKit freigeben und auch ganz neue Werkzeuge via Asthmasprays die über Bluetooth Rückschlüsse auf ihre Verwendung mitteilen, können in das System eingebunden werden. Für mich war die Ankündigung eine überaus erfreuliche Neuigkeit, leitet Sie doch die zweite Phase des von Quantified Self erzeugten Nutzens ein. Wenige Tage zuvor hatte ich mich persönlich dazu entschlossen, mit meinen Daten zum Fortschritt in Medizin und Wissenschaft beizutragen und dazu einen Teil meiner Daten auf igrowdigital veröffentlicht. Zum Start des Projekts umfasst das Set Werte wie Aktivität, verbrannte Kalorien, Schlafmenge inkl. Dauer der einzelnen Schlafphasen und Gewicht. Ich beabsichtige hierzu regelmäßige Updates zu veröffentlichen. Der aktuelle Stand ist hier zum Download verfügbar.

Self-Tracking und die Ernährung die zu Dir passt

Low Carb oder Trennkost, High Fat oder doch einfach nur von allem ein Bisschen? Zahlreiche Diäten versprechen optimale Gesundheit und Traumgewicht aber welche passt zu Deinem Stoffwechsel und hilft Dir Deine Ziele zu erreichen?

Ernährungs-Tracking und Selbstreflexion

Ziele wie Abnehmen oder eine gesündere Ernährung lassen sich gut durch bewusste Reflexion des eigenen Essverhaltens erreichen. Dazu protokolliert man die zu sich genommenen Nahrungsmittel mehr oder minder detailliert, was verschiedene Vorteile bietet: Durch die Aufzeichnung der Nahrungsmittel wird man sich bewusst, was man eigentlich isst. Ausgestattet mit diesem Bewusstsein trifft man häufig bessere Entscheidungen und freut sich über die eigenen Erfolge. Manche Apps liefern darüber hinaus auch detaillierte Informationen zu den aufgenommenen Kalorien und Nährstoffen und erlauben es einem so, die optimale Versorgung sicherzustellen.

Die einfachste Form der Selbstbeobachtung ist ein Ernährungstagebuch, in dem man sich aufschreibt was man isst oder Bilder von seinem Essen aufzeichnet. Dieses Protokollieren führt zu einem besseren Bewusstsein für die eigene Ernährung, was es einfacher macht, positive Entscheidungen zu fällen. Wem diese Selbstreflexion nicht ausreicht, für den sind möglicherweise Apps wie Oviva geeignet, bei denen ein Ernährungscoach Feedback zu den aufgezeichneten Nahrungsmitteln gibt. Dieses Feedback erzeugt unter anderem auch zusätzliche Motivation in Folge von Stolz oder schlechtem Gewissen, wenn man seinen Coach mal wieder zeigen kann wie gut oder schlecht man sich ernährt hat. Wer keinen Ernährungscoach hat, kann das auch gerne mal mit Freunden in einer Whatsapp Gruppe ausprobieren. Vom Posten der Bilder auf Facebook würde ich jedoch eher abraten. 😉

Oviva App

Wie viele Kalorien isst Du eigentlich?

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Self-Tracking 2015

Hattest Du Dir Anfang des Jahres auch Vorsätze gemacht und falls ja, wie klappt es mit der Umsetzung? Ende 2013 habe ich den Jahreswechsel für mich als idealen Zeitpunkt zur Reflexion und Planung entdeckt und einen Jahresplan mit 12 Fokusthemen erstellt, in denen ich mich weiter entwickeln wollte. Dieses Werkzeug habe ich als sehr hilfreich empfunden und konnte zum Ende des letzten Jahres feststellen, dass ich immerhin bei der Hälfte der Themen deutliche Fortschritte erzielen konnte. Die Bereiche in denen ich weniger erfolgreich war nehmen nun im Jahresplan für 2015 die zentrale Stellung ein und ich freue mich auch dieses Jahr wieder darauf, mein Leben und meine Gewohnheiten bewusst zu verändern. Der Jahresplan mit den Fokusthemen dient dabei dem mittelfristigen Tracking und kommt nur alle paar Wochen zum Einsatz. Um meine persönliche Entwicklung auch im Alltag fördern, nutze ich derzeit drei neue Tools zum Self-Tracking und als Trigger für eine gezielte Auseinandersetzung mit mir selbst. Zwei dieser Methoden dienen dabei weniger dem neutralen Erfassen von Informationen, sondern vielmehr der gezielten Beeinflussung meiner Gedanken durch Lenkung der Aufmerksamkeit. So schreibe ich ein Erfolgstagebuch und reflektiere jeden Abend kurz, was an dem Tag gut gelaufen ist und was ich gelernt habe. Ziel der Übung ist es nicht, mein Leben umfassend zu dokumentieren, sondern die Wahrnehmung gezielt auf positive Dinge zu lenken und meine Geisteshaltung dadurch aktiv zu beeinflussen. Unter der Vorgabe Positives zu suchen, empfinde ich es als sehr angenehmen, meine Erlebnisse zu reflektieren und mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Außerdem arbeite ich seit einigen Tagen mit der Tagessparplan-Methode welche ich in einem Webinar von Peter Neumann kennengelernt habe. Die Methode sieht vor, täglich etwas Geld bei Seite zu legen um es für die Zukunft zu sparen. Dazu habe ich mir ein geeignetes Gefäß bereitgestellt, in das ich regelmäßig mein Kleingeld werfe. Da ich einen Geldbeutel ohne Münzfach verwende, sammeln sich bei mir Münzen in Hosen-  und Jackentaschen, für welche nun eine passender Platz und eine Bestimmung gefunden ist. Das Aufräumen der Münzen wird so zum Trigger, mich bewusst für das Sparen zu Entscheiden und beeinflusst dadurch meine Einstellung und meinen Umgang mit Geld. Außerdem spiegelt das Volumen des gesammelten Geldes auch anschaulich die Menge der Ersparnisse und kann Freude auslösen, insbesondere wenn man erkennt, wie das Volumen zunimmt. Als dritte Methode experimentiere ich seit einigen Tagen mit einem Schmerztagebuch in dem ich meine chronischen Ohrenschmerzen mit ihrer wechselnden Intensität erfasse. Ziel hierbei ist es zu verstehen, welche Auslöser meine Schmerzen verstärken um diese zukünftig besser vermeiden zu können. Welche App hierfür am Besten geeignet ist, versuche ich derzeit noch herauszufinden und bin für Hinweise in den Kommentaren dankbar. Trotzdem zeichnet sich schon jetzt ab, das die bewusste Auseinandersetzung mit den Schmerzen das Erkennen von Zusammenhängen fördert. Auch beim Sparen und beim Erfolgstagebuch erweist sich Self-Tracking als großartiges Hilfsmittel sich seiner selbst bewusst zu werden und sich weiter zu entwickeln. Falls auch Du 2015 mit neuen Zielen gestartet hast, wünsche ich Dir viel Erfolg und freue mich ggf. von Deiner Erfahrung zu hören.

Quantified Self, Cyborgs und Transhumanismus bei Planet Wissen

Gemeinsam mit Enno Park vom Berliner Cyborg e.V. und der Medizin-Ingenieurin Frau Prof. Thun war ich Ende letzten Jahres in Baden Baden für eine Aufzeichnung der Fernsehsendung Planet Wissen. Thema der Sendung waren Möglichkeiten der Selbstoptimierung durch Self-Tracking und die Erweiterung des Körpers mit Hilfe von Implantaten. Zuletzt diskutierten wir auch transhumanistische Ideen und den Einfluss der Selbstoptimierung auf die Gesellschaft. Hier gehts zur Sendung.

Smarte Körperwaagen – Der große Überblick

Regelmäßiges Wiegen schärft das Bewusstsein für den eigenen Körper und macht es leichter, sein Gewicht unter Kontrolle halten. Der Zusammenhang zwischen Häufigkeit des Wiegens und erfolgreicher Gewichtsreduktion ist wissenschaftlich bekannt und kann im Alltag als sinnvolle Hilfe genutzt werden. Mit smarten, vernetzte Waagen lässt sich die Entwicklung des eigenen Gewichts einfach aufzeichnen und per Smartphone-App nachvollziehen. So macht Wiegen (noch mehr) Spaß und durch die Verlagerung der Aufmerksamkeit von den täglichen Schwankungen auf die langfristigen Trends, kann so mancher Frust verhindert und die Motivation gefördert werden. Seit ich 2011 zum ersten mal eine smarte Waage verwendet habe sind viele neue Geräte auf den Markt gekommen, die sich in Funktion und Preis teilweise deutlich unterscheiden. Deshalb habe ich mir sechs aktuelle Modelle genauer angesehen. Mit Ausnahme von einem Gerät messen die smarten Waagen neben dem eigentlichen Gewicht auch den Anteil an Körperfett und teilweise auch den Anteil von Muskeln und Wasser am eigenen Gewicht. Hier kam es zwischen den einzelnen Geräten zu teilweise großen Abweichungen, weshalb die gemessenen Werte mit Vorsicht genossen werden sollten. Neben der Art der erfassten Werte und der Genauigkeit unterscheiden sich die vernetzten Waagen auch bei der Übertragung der Daten. Neben Modellen mit integriertem WiFi-Verbindung befanden sich im Testfeld auch Modelle mit Bluetooth sowie ein Gerät mit SD-Karte. Auch wenn somit alle getesteten Modelle über eine Schnittstelle verfügen, hat die Art der Datenübertragung entscheidenen Einfluss darauf, wie viel Aufwand notwendig wird um Deine Daten in Deinem Profil zu speichern. Besonders einfach und komfortabel klappt dies, wenn die Waage mit dem heimischen WiFi verbunden ist und die Daten nach dem Wiegen automatisch in Deinem Account beim Hersteller überträgt. Du musst Dich dabei um nichts kümmern und kannst nach dem Wiegen per Smartphone-App oder Webprofil nachvollziehen, wie sich Deine Werte entwickeln. Geräte mit Bluetooth verbinden sich dagegen direkt mit Deinem Smartphone um Deine Werte in die zugehörige App zu übertragen. Voraussetzung hierfür ist natürlich dass das Smartphone in der Nähe der Waage und die entsprechende App geöffnet ist. Alternativ kann man seine Werte auch auf dem Speicher der Waage lassen und zu einem späteren Zeitpunkt übertragen. Nur ein Modell in diesem Überblick verwendet eine SD Karte zum Speichern der Daten. Damit ist sichergestellt, dass seine Daten die eigenen vier Wände nicht verlassen. Dies bedeutet aber auch den Verzicht auf eine moderne Smartphone-App, welche die Daten ansprechend darstellt und mögliche weitere motivierende Funktionen bietet. Ein weiterer Vorteil der Modelle mit WiFi oder Bluetooth ist die automatische Erkennung eines Benutzers, selbst wenn mehrere Personen die selbe Waage verwenden. Die Hersteller sprechen hier von bis zu 8 verschiedenen Personen, die erkannt werden sollen. In der Praxis hat diese Unterscheidung meist gut funktioniert, wenn jedoch zwei Personen vom Körperbau sehr ähnlich sind, klappt die automatische Erkennung nicht immer, und die Messwerte müssen manuell einem Nutzer zugeordnet werden. Was die getesteten Modelle sonst noch können und wo ihre Vor- und Nachteile liegen, liest Du hier.

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Neue Version des Schlafsensors Beddit erhältlich

Mit dem Schlafsensor Beddit kann man seine Schlafdauer und Schlafqualität analysieren. Dazu klebt man einen dünnen Sensorstreifen auf die Matratze und verbindet das Gerät mit dem Smartphone. So werden Bewegungen, Puls und Atemfrequenz während der Nacht gemessen und im Smartphone ausgewertet – als Feedback erhält man Informationen zu Schlafdauer, leichtem und tiefem Schlaf sowie der Schlafqualität. Zusätzlich wird durch das Mikrofon des Smartphones auch der Geräuschpegel im Schlafzimmer überwacht, per App kann man kontrollieren, ob man in der Nacht geschnarcht hat. Bei der ersten Version des Beddit mit Bluetooth 2.0 musste die Verbindung zum Smartphone jede Nacht manuell hergestellt werden. Dass soll sich in der neuen Variante mit Bluetooth Smart nun vereinfacht haben. Sobald ich das neue Beddit testen konnte erfahrt ihr hier, wie sinnvoll das Gerät im praktischen Einsatz ist. Dann erwartet Euch auch ein Vergleich der Genauigkeit mit dem Withings Aura, Basis Band und einigen anderen Geräten zur Schlafmessung aus meiner Sammlung. Weitere Information zum Beddit findet ihr im nachfolgenden Video und auf dieser Website.