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Apple Watch Series 4 – So gut ist die neue Generation

Mit der Vorstellung der vierten Generation der Apple Watch, haben die Kalifornier einiges an Aufsehen erregt. Ein größeres Display bei kleinerem Gehäuse und die neuen Funktionen EKG-Sensor und Sturzerkennung zeigen, wie weit das Unternehmen technologisch mittlerweile ist und dürften die Zielgruppe der Smartwatch deutlich erweitern. Bereits im Jahr 2014 hatte Apple mit der ersten Generation nicht nur eine Smartwatch vorgestellt, sondern mit der gleichzeitigen Einführung von HealthKit, welcher den Austausch von Daten unter Apps und mit Forschern und Kliniken regelt, gezeigt, dass es eine größere Vision hat. Und genau dies ist mit der Vorstellung der vierten Generation noch einmal deutlich geworden. Auch wenn der EKG Sensor bisher erst von der amerikanischen Gesundheitsbehörde freigegeben wurde und die Zulassung durch die europäischen Behörden noch aussteht, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Watch auch hierzulande zur besseren Überwachung und Versorgung von Herzpatienten beiträgt. Auch sonst hat Apple mit der Series 4 einiges verbessert, was die Uhr für Self-Tracker, Fitnessbegeisterte aber auch ganz normale Anwender noch interessanter macht.

Die offensichtlichste Veränderung ist das größere Display, dass ähnlich wie bei den aktuellen iPhones einen dünneren Rand besitzt und damit trotz weiterhin kompakten Abmaßen wesentlich mehr Bildinformationen darstellt. Das macht Spaß, alles sieht schicker aus, ist besser zu erkennen und leichter zu bedienen. Toll ist auch ein Feature dass sich diese Displaygröße zunutze macht, das neue Zifferblatt, dass seinem Namen „Infograph“ alle Ehre macht. Speziell für das große Display der neuen Apple Watch entwickelt (und auch nicht auf den älteren Modellen verfügbar) bietet es Platz für bis zu acht Complications, also die kleinen Felder in denen sich Datum, Temperatur und viele andere Informationen anzeigen lassen. Für die vier Ecken des Zifferblatts hat sich Apple einen neuen Typ von Complications ausgedacht, welcher zusätzliche Informationen wie Minima und Maxima einer Datenreihe (z.B. Höchst- und Tiefstwerte der Tagestemperatur) oder Detailwerte für die drei Aktivitätsringe anzeigt. So kann sich jeder Nutzer ein individuelles Dashboard mit enormer Informationsdichte zusammenstellen. Man könnte auch sagen, dass das von Apple in seinen aktuellen Produktfotos und Werbekampagnen gezeigte Ziffernblatt geradezu der Traum aller Self-Tracker und Datenfreunde sein dürfte. Sinnvolle Anwendungen sind hierfür z.B. die Temperatur, die Aktivität, aber auch die Herzfrequenz der letzten Messungen lässt sich nach Installation der App „HeartWatch“ als Complication anzeigen. Ebenso Daten zur Umgebung wie der UV- oder Luftqualitätsindex (LQI) und viele andere Complications Eurer Apps.

Verbesserungen gibt es auch bei den Sensoren der Series 4. Die Leuchtdioden des optischen Herz-Sensors sind im Vergleich zu den Vorgängermodellen geschrumpft und näher zusammengerückt und machen so Platz für den Metallring, welcher eine der beiden Elektroden des EKG Sensors bildet. Im Vergleich zur 3. Generation der Apple Watch, hat sich die Qualität der optischen Herzfrequenzmessung noch einmal verbessert. Getestet habe ich beide Modelle parallel beim Laufen, Radfahren und Kraftsport mit dem TRX. Insbesondere bei Fitnessübungen hatten die Series 3 und ihre Vorgänger bisher immer wieder Probleme den Puls richtig einzuordnen und oftmals Werte in Höhe von ungefähr der Hälfte einer realistischen Herzfrequenz angezeigt (z.B. 50 statt 100 Schläge). Dieser Fehler, der mir auch bei vielen anderen Wearables aufgefallen war, dürfte daran gelegen haben, dass zur Berechnung der Herzfrequenz bisher neben den Sensordaten zum Blutfluss auch jene zur Bewegung genutzt wurden, um durch Datenfusion auch aus verrauschten Daten des optischen Sensors eine Aussage machen zu können. Dieses Verfahren führte jedoch speziell beim Kraftsport, wenn die Uhr nur wenig Bewegung erkennt und für die Belastung z.B. durch Gewichte blind ist, oft zu Fehlinterpretationen. Umso positiver daher, dass Apple bei seinen Algorithmen nachgebessert hat. So und mir bei der Series 4 mir bisher keine derartigen Probleme aufgefallen und auch die Series 3 scheint seit dem Update auf Watch OS 5 weniger anfällig für Fehlinterpretationen. Während meiner Tests erhielt ich mit beiden Geräte im Vergleich zur Messung mit einem Brustgurt stets plausible Werte, sodass von einer guten Genauigkeit der Herzfrequenzmessung ausgegangen werden kann.

Geringere Latenz beim Puls-Sensor und schnelleres GPS

Eine eindeutige Verbesserung der Series 4 gegenüber dem Vorgänger ist die gestiegene Geschwindigkeit beim Erkennen von Änderungen der Herzfrequenz in Folge von Belastungsänderungen*. Ob zwischen den Übungssätzen beim Kraftsport oder bei der Ampelpause beim Radfahren, die neueste Apple Watch erkannte das Absinken der Herzrate deutlich schneller und auch die Zunahme der Herzfrequenz bei steigender Belastung wird mit einer niedrigeren Latenz erfasst. Gemessen habe ich mit beiden Modelle wechselweise an beiden Handgelenken im Vergleich zu einem Polar Brustgurt, dessen Daten ich mit der Polar Beat App und beim Radfahren mit dem Fahrradcomputer Wahoo Elemnt Bolt aufgezeichnet habe. Im direkten Vergleich zur EKG Messung dürfte die Genauigkeit und Geschwindigkeit der Herzfrequenzmessung der Series 4 für die allermeisten Athleten ausreichen. Schade für die Poweruser: leider ist die Apple Watch nach wie vor nicht als Puls-Device via Bluetooth etc. an anderen Geräten zu verwenden. Wer beim Radfahren seine Herzfrequenz an einem Computer ablesen möchte, benötigt daher weiter einen zusätzlichen Sensor. Ähnliches gilt auch für Apps wie Strava, die ebenfalls nicht in der Lage sind, den mit der Watch gemessenen Puls auf dem Smartphone Display anzuzeigen.

Weitere Verbesserungen für Sportler konnte ich dagegen beim GPS feststellen. Wo die Series 3 teilweise noch einige Sekunden suchen musste, war sich die neueste Apple Watch bei meinen Tests stets unmittelbar ihres Standorts bewusst und stimmte beim Radfahren sowohl bei der Länge der Strecke wie auch bei der verbrauchten Kalorienmenge besser mit dem Fahrradcomputer überein, welcher meine geleistete Arbeit mit einem Powermeter messen konnte.

Die sonstigen Verbesserungen haben weniger mit der Hardware als mit der Software zu tun. Seit Watch OS 5 gibt es eine automatische Aktivitätserkennung, welche bei mir bisher nur beim Laufen nicht aber beim Radfahren oder Kraftsport funktioniert hat. Auch hier war die Apple Watch 4 im Vorteil und fragte mich nach ca. 1 km Laufen ob ich die Aktivität aufzeichnen möchte, wohingegen der Vorgänger weitere 200 Meter benötigte. Außerdem werden mit Watch OS 5 auch Unterbrechungen der Aktivität erkannt. Wenn man beim Radeln also an der Eisdiele verweilt, schlägt die Watch vor, das Tracking abzubrechen, was ggf. auch zur Schonung des Akkus beitragen kann. Schade ist, dass es keinen Pausenmodus gibt und das Tracking bei Wiederaufnahme der Aktivität z.B. nach kurzen Unterbrechungen wie Ampelstops automatisch fortgesetzt wird. Neu eingeführt hat Apple eine Funktion für Wettbewerbe welche im Modus 1 gegen 1 über sieben Tage ausgetragen werden können. Gruppenwettbewerbe wie bei Fitbit sind damit aktuell nicht möglich wobei Apple einen auch unabhängig von den Wettbewerben über die Erfolge seiner Freunde informiert, was durchaus zur Motivation beitragen kann.

Insgesamt sind Apple sowohl mit der neuen Watch und dem dazugehörigen OS 5 zwei hervorragende Upgrades gelungen. Insbesondere bei der Genauigkeit der Pulsmessung und der Aktivitätserkennung wirken sich die Vorteile auch auf die älteren Modelle aus, wohingegen die Series 4 mit einer deutlich geringeren Latenz auftrumpft. Außerdem brilliert das neue Modell mit einem beeindruckenden Display und bietet mit dem Ziffernblatt Infograph ganz neue Optionen, sich in seine Daten zu vertiefen. Mit der Sturzerkennung habe ich noch keine Erfahrung gemacht, wobei sie auch für Sportler im Notfall eine entscheidende Hilfe darstellen kann. Da sie die neuen, genaueren Bewegungssensoren der Series 4 voraussetzt, kann sie bei den älteren Modellen trotz Softwareupgrade nicht aktiviert werden. Unklar ist aktuell, wann der EKG-Sensor in Deutschland freigeschaltet wird und ob er zukünftig auch zur Messung der Herzratenvariabilität genutzt werden kann. Fest steht jedoch, dass die neue Watch eine beeindruckende Hardware-Plattform darstellt, welche durch Software-Updates immer nützlicher wird. Soviel für den ersten Eindruck. Neues zu den Features der Apple Watch, Updates zum Genauigkeitstest und Tips und Tricks erfahrt Ihr demnächst in einem Update hier auf igrowdigital.

*Verglichen wurde eine Series 3 in Edelstahl mit einer Series 4 Sport

Bilder: Apple

Apple Watch – der neue Stern am Self-Tracking-Himmel?

Während der letzten Jahre hat Apple den Self-Tracking Markt vorangetrieben wie kaum ein anderes Unternehmen. Activity Tracker, vernetzte Waagen und Blutdruckmessgeräte werden schon lange prominent in den Apple Stores zum Verkauf angeboten und durch die frühzeitige Implementierung von Bluetooth 4.0 sowie exklusive Partnerschaften mit Firmen wie Nike, hat sich Apple eine große Fangemeinde unter den Self-Tracker aufgebaut. Mit HealthKit und der Apple Watch wird das Unternehmen nun erstmals auch als Hersteller von digitalen Fitness- und Gesundheitsprodukten aktiv. Das Activity-Tracking ist eines der besten Features der Apple Watch und das Display am Handgelenk bietet auch für andere Quantified Self-Apps neue Einsatzmöglichkeiten. Hat Apple es mit seinem tragbaren Computer geschafft, das Gesundheits- und Fitnesstracking auf ein neues Level zu bringen?

Apple Watch_Activity

Activity-Tracking mit der Apple Watch

Für das Activity-Tracking hat Apple einen neuen Ansatz entwickelt, der in seiner Ganzheitlichkeit weit über die gängigen Activity-Tracker hinausgeht. Statt lediglich Schritte zu messen, motiviert die Uhr zu Bewegung in jeglicher Form, regelmäßigem Sport und einem aktiven Alltag. Im Gegensatz zu den meisten Activity Trackern wählt man bei der Apple Watch kein Schritteziel, sondern die Menge an Kalorien, die man pro Tag durch Bewegung verbrennen möchte. Wie auch bei anderen Schrittzählern und Smartwatches werden Bewegungen von Beschleunigungssensoren in der Apple Watch erkannt. Zusätzlich misst ein optischer Pulssensor auf der Rückseite des Gehäuses über den Tag hinweg immer wieder die Herzfrequenz und soll so den Energieverbrauch erkennen, egal ob beim Gehen, Radfahren oder im Fitnessstudio. Zum Erreichen des Tagesziels ist es nur wichtig, genügend Kalorien zu verbrauchen – wie viele Schritte man dabei macht, spielt keine Rolle. Diese Form des Activity-Trackings ist also wesentlich ganzheitlicher und insbesondere für Menschen die regelmäßig Radfahren oder sich anderweitig sportlich betätigen, weitaus motivierender als das Feedback eines reinen Schrittzählers.

heart rate sensor apple watch

Als zweiten wichtigen Aspekt des Lebensstils überwacht die Apple Watch, ob man seinen Kreislauf regelmäßig in Schwung bringt, egal ob durch Sport oder durch flottes Gehen. Um den eigenen Körper gesund zu halten reicht es nämlich nicht, einfach nur Zehntausend Schritte vor sich hin zu schlendern – wichtig ist regelmäßiges Training bei erhöhter Belastung, was die Apple Watch mit ihren integrierten Sensoren automatisch erkennt. Das vorgegebene Ziel liegt hier bei 30 Minuten pro Tag und kann durch gezielten Sport aber auch alltägliches Radfahren oder flottes Gehen erreicht werden. Diese Funktion ist praktisch, um sich zu regelmäßigem Sport zu motivieren, und hilft den Unterschied zwischen langsamer Bewegung und echtem Training zu verstehen. Als dritten wichtigen Aspekt des Lebensstils motiviert die Apple Watch dazu mindestens einmal pro Stunde aufzustehen und sich zu bewegen, wodurch das übermäßige „Herunterfahren“ des Kreislaufs und Haltungsschäden vorgebeugt werden kann. In Amerika gilt  „sitting ist the new Smoking“ und durch die Kontrolle durch die Smartwatch erhält man ggf. eine Erinnerung als Feedback oder aber eine positive Bestätigung wenn man es schafft, sich in mindestens 12 Stunden eines Tages für mindestes eine Minute zu bewegen.

Apple Watch Activity App

Kalorienverbrauch, Trainingszeit und Stehziel werden in einem Kreisdiagramm visualisiert wodurch man einen guten Überblick über die verschiedenen Aspekte der Bewegung bekommt. Eine Miniatur dieser Grafik kann auch in einer Ecke des Zifferblatts dargestellt werden, wodurch ein sehr niederschwelliger Zugang zum Feedback des tragbaren Computer entsteht. Die Apple Watch selbst zeigt dabei immer nur die Werte des aktuellen Tages an, möchte man in der eigenen Historie schmökern, benötigt man die Activity App auf dem iPhone, in der man auf die Einzelwerte der vergangenen Tage zugreifen kann. Eine Kurve mit dem Verlauf der einzelnen Werte gibt es jedoch in der Activity App auf dem iPhone nicht, lediglich eine Kalender-Ansicht die den Status der einzelnen Tage im Überblick anzeigt.

Apple Activity App iPhone

Wer mehr Statistik haben möchte, kann sich seine Daten in Apple’s „Health“-App anschauen. Hat man hier einmal alle relevanten Metriken für die Übersicht ausgewählt, kann man die verbrauchten Kalorien, gelaufenen Schritte und vieles mehr in Kurven über einen Zeitraum einer Woche, eines Monats oder eines Jahrs ansehen. Damit ist die Health App gut geeignet um einen Überblick über die eigenen Daten zu bekommen, insbesondere wenn Messwerte anderer Apps und Geräte wie vernetzter Waagen, Schlafsensoren etc. in das eigene Dashboard mit einfließen. Tiefer gehende Analysen sind auch in Apple Health nicht möglich aber dafür bietet die App die Möglichkeit die eigenen Daten als Tabelle herunterzuladen oder direkt an andere Apps weiterzugeben.

Apple Health

Sport-Tracking mit der Apple Watch

Sportliche Aktivitäten wie Wandern, Laufen, Radfahren und viele weitere Sportarten lassen sich mit der Apple Watch auch mit der App „Workout“ aufzeichnen. Startet man das Tracking mit der Workout App, wird die Pulsmessung der Apple Watch dauerhaft aktiviert und das Display zeigt je nach Sportart Werte wie Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke, verbrauchte Kalorien oder Puls an. Wie auch im alltäglichen Einsatz erlischt das Display dabei jeweils nach einigen Sekunden und wird erst wieder durch eine Drehung des Handgelenks aktiviert, was insbesondere beim Radfahren nicht optimal ist. Auch die Lesbarkeit bei starkem Sonnenlicht könnte besser sein und kommt nicht an die Displays vieler Sportuhren heran. Auf dem Display werden jeweils zwei Werte gleichzeitig angezeigt wobei die Ansicht vom Nutzer konfiguriert werden kann.

Apple watch-indoor-workout-heartrate

Insgesamt recht zufriedenstellend funktionierte für mich die Apple Watch beim Joggen und im Fitnessstudio auf einem Crosstrainer – ähnlich gute Resultate dürften auch beim Wandern, auf einem Laufband oder bei ähnlichen Sportarten erzielt werden. Ambitionierte Läufer, die neben Puls und Geschwindigkeit auch ihre Schrittfrequenz im Überblick behalten wollen, kann die Apple Watch mit ihrem aktuellen Funktionsumfang jedoch nicht zufriedenstellen. Auch beim Radfahren schafft es die Apple Watch leider nicht, meine Anforderungen zu erfüllen. Die Daten während der Fahrt vom Display der Uhr abzulesen empfinde ich als eher unkomfortabel – insbesondere wenn man die zweite Hand braucht um durch das Menü der Uhr zu navigieren kann das beim Radfahren zu einem Sicherheitsrisiko werden. Wer deshalb sein iPhone oder einen speziellen Fahrradcomputer zur Darstellung der Daten am Lenker verwenden möchte, ist weiterhin auf einen anderen Pulssensor angewiesen. Die Pulswerte der Apple Watch lassen sich während des Trainings nämlich weder in Apple’s eigenen Apps auf dem iPhone anzeigen und auch andere Anbieter bekommen keinen Zugriff auf die mit der Smartwatch gemessene Herzfrequenz. Für die Anzeige des Puls auf dem iPhone oder auf einem Fahrradcomputer ist also ein zusätzlicher Brustgurt oder ein Handgelenks-Sensor wie von Mio oder Basis notwendig. Umgekehrt besteht die Möglichkeit einen externen Pulssensor über Bluetooth mit der Apple Watch zu koppeln. Hierdurch wird der Akku der Apple Watch geschont und im Falle eines Brustgurts ggf. auch die Genauigkeit der Messwerte verbessert. Ob sich die Nutzung eines solchen Brustgurts lohnt, hängt jedoch stark von der ausgeübten Sportart ab, da die Ergebnisse der Apple Watch hier teilweise sehr unterschiedlich sind.

Die Apple Watch im solo-Betrieb

Während die meisten Features der Apple Watch die Verbindung mit einem iPhone vorraussetzen, ist die Nutzung beim Sport auch ohne mitgeführtes Telefon sinnvoll. Auch solo ermöglicht die Apple Watch die Messung von Puls und Kalorienverbrauch und Läufern wird Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke auf Basis der gemessenen Schritte angezeigt. Apple kalibriert hierzu automatisch die eigene Schrittlänge bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, weshalb zumindest am Anfang das mitführen des iPhones sinnvoll ist. Beim Radfahren hingegen ist ohne das GPS des iPhones keine Geschwindigkeits- und Distanzmessung möglich, weshalb man im solo-Begtrieb der Uhr lediglich Dauer, Kalorienverbrauch und Puls angezeigt bekommt. Bei anderen Sportarten wie zum Beispiel beim Krafttraining spielen Geschwindigkeit und Strecke ohnehin keine Rolle. Hier kann die Uhr also zur Messung von Puls und Kalorienverbrauch eingesetzt werden, wenngleich auch die Ergebnisse wie wir gleich noch sehen werden, nicht immer zufriedenstellend sind. Ebenfalls gut im solo-Betrieb ist, dass die Apple Watch in Verbindung mit Bluetooth-Kopfhörern zum Musikhören verwendet werden kann. Unterstützt werden derzeit leider nur Songs aus der eigenen iTunes Library wobei bis zu 6 Gigabyte Speicher für die Synchronisierung der eigenen Musik zur Verfügung stehen.

Genauigkeit der Apple Watch

Bei der Genauigkeit der Bewegungs- und Pulsmessung ergab sich bisher leider ein gemischter Eindruck. Um die Puls-  und Kalorienmessung zu beurteilen, habe ich die Messwerte verschiedener Workouts mit den Werten eines Brustgurts in Kombination mit einer Polar V800 und der Wahoo App verglichen. Die besten Messwerte mit der Apple Watch erhielt ich dabei beim Joggen oder Crosstraining. Zu Beginn des Workouts dauerte es zwar kurz, bis sich die Apple Watch eingeschwungen hatte, danach erhielt ich jedoch sehr ähnliche Werte wie mit dem Brustgurt. Lediglich bei abrupten Belastungswechseln wie beim Intervalltraining oder bei einem Ampelstart, dauert es einige Sekunden bis die Apple Watch die Veränderung erkannte. Beim Radfahren und beim Krafttraining war die Erfahrung hingegen weniger positiv. Die Apple Watch war hier häufig nicht in der Lage, meinen Puls zu messen und insbesondere beim Krafttraining lagen die angezeigten Messergebnisse oft drastisch daneben oder pendelten sich zeitweise auf der Hälfte des realen Herzschlags ein. Entsprechend wurde auch ein zu niedriger Kalorienverbrauch berechnet welcher sowohl von den Werten der Polar V800 wie auch der Wahoo App deutlich abwich. Noch drastischer waren diese Abweichungen, wenn ich vor meinen sportlichen Aktivitäten nicht den Workout Modus der Apple Watch aktivierte. Den Kalorienverbrauch bei einer Radtour schätzte die Apple Watch dann trotz mitgeführtem iPhone viel zu nieder ein – teilweise auf nur ein viertel des Wertes den ich über die Pulsuhr erhalten hatte. Da der Kalorienverbrauch die primäre Metrik bei Apple’s Motivations-System darstellt, fällt dieser Fehler besonders schwer ins Gewicht. Hier bleibt zu hoffen, dass Apple die Genauigkeit der Pulsmessung und der Berechnung des Kalorienverbrauchs zukünftig verbessert. Software-Upgrades und Algorithmen die sich auf die Gewohnheiten der Nutzer einstellen, sollten hier einiges an Potential erlauben.

Auswertung der Daten

Die Auswertung der Daten nach einem Workout fällt eher rudimentär aus und beschränkt sich auf die Darstellung von Dauer und Kalorienverbrauch, durchschnittlicher Herzfrequenz sowie ggf. Geschwindigkeit und Strecke. Selbst bei mitgeführtem Smartphone gibt es nach dem Training keine Möglichkeit sich die zurückgelegte Strecke auf einer Karte anzusehen. Statistische Werte zu den Trainings der vergangenen Tage gibt es ebenfalls nicht im Überblick. Lediglich in der Activity-App auf dem iPhone lassen sich die einzelnen Trainings in der Tagesansicht aufrufen. Hat man sich Apple’s Health-App auf dem iPhone entsprechend konfiguriert, lassen sich dort einige Werte im Verlauf ansehen. Auch dann bleibt der Überblick jedoch eher abstrakt und dürfte Sportlern die ihre Trainings umfassend analysieren wollen, nicht ausreichen. Stattdessen richtet sich Apple klar an  Sportler denen etwas Feedback beim Sport und im Alltag und ein grober Überblick zu den eigenen Bewegungsgewohnheiten ausreicht.

Self-Tracking Apps für die Apple Watch

Neben Apple’s Apps für seine Smartwatch, haben auch viele andere Hersteller eigene Self-Tracking Apps vorgestellt. Diese können jedoch nicht auf die Sensoren der Apple Watch zugreifen und sind daher auf ein mitgeführtes iPhone angewiesen um z.B die Geschwindigkeit zu messen. In Kombination ergeben sich hier dennoch spannende Möglichkeiten. Besonders gut gefallen haben mir bisher das 7 Minuten Workout „7“ und die Sixpack App von Runtastic aber auch für Jogger und Radfahrer gibt es ein breites Angebot an Apps von Nike, Strava, Runtastic und vielen mehr. Was diese Apps bieten, werde ich Dir demnächst in einem weiteren Artikel vorstellen. Wie auch für alle anderen Apps für die Appel Watch gilt, dass die Hersteller teilweise noch lernen müssen, mit den Rahmenbedingungen von Apple’s Smartwatch sinnvoll zu arbeiten. Schon jetzt ist allerdings absehbar, dass Apple mit seiner Uhr die vorerst größte Plattform für Wearable Computer etabliert und damit ein attraktives Ökosystem um seine Uhren aufbauen wird.

Stern oder Sternchen?

Ist die Apple Watch der neue Stern am Self-Tracking Himmel und lohnt es sich, dafür so tief in die Tasche zu greifen? Auch wenn die Genauigkeit der Apple Watch beim Activity-Tracking teilweise noch zu wünschen übrig lässt, setzt Apple auf einen ganzheitlichen Ansatz, welcher es einfach macht, gesundheitsförderliche Bewegungsgewohnheiten zu verstehen und zu erlernen. Die Präsentation der Daten und Erfolge ist attraktiv – das tolle Farbdisplays ermöglicht hier im Vergleich zu den einfachen Anzeigen der meisten Fitnessarmbändern eine neue Qualität die Spaß macht. Auch beim Sport wird die Smartwatch gemäßigten Ansprüchen gut gerecht, wenn sie auch für viele ambitionierte Sportler eine spezielle Fitnessuhr nicht ersetzen kann. Kehrseite all der technischen Finesse von Apple’s Smartwatch sind eine Akkulaufzeit von gerade mal einem Tag und ein Preis der schnell beim 5- 10 fachen eines herkömmlichen Activity-Trackers liegt. Interessant ist die Uhr deshalb insbesondere als Plattform – Apple hat mit soliden Apps und Werkzeugen zum Activity-Tracking und für die niederschwellige Kommunikation vorgelegt. Der volle Nutzen der Smartwatch erschließt sich allerdings erst, wenn man auch Lust hat, zukünftig  mit seiner Uhr zu bezahlen, sein Auto zu öffnen oder seine Lampen fernzusteuern. Damit ist die Apple Watch zum aktuellen Zeitpunkt insbesondere für Early Adapter mit einem stark vernetzten Lebensstil sinnvoll oder eben für Menschen die einen besonders schicken und hochwertigen Fitness-Tracker suchen und sich dabei vom Preis nicht abschrecken lassen. Wie sinnvoll die Apple Watch als Quantified Self-Computer ist, werde ich weiter untersuchen und dazu über die weitere Entwicklung der Self-Tracking-Fähigkeiten der Apple Watch und des Angebots von Drittanbietern berichten. In Anbetracht von Apples strategischen Entscheidungen der letzten Jahre ist zu erwarten, dass das Unternehme mit seiner Hard- und Software für Fitness und Gesundheit noch einiges vor hat. Die Apple Watch stellt hierfür einen soliden Start einer neuen Produktkategorie und viel zukünftiges Potential dar. Wenn Ihr selber schon Erfahrung mit der Apple Watch sammeln konntet oder noch Fragen offen sind, ab damit in die Kommentare.