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Persönliche Daten oder personenbezogene Daten stammen aus dem Datenschutz und umfassen Angaben zu Personen, die schützenswert sind. Im Quantified Self-Umfeld besteht immer wieder die Frage, wie mit generierten Daten umgegangen wird. Es stellt sich die Frage, ob und wie persönliche Daten gespeichert und verwendet werden. In meinen Tests hinterfrage ich daher oftmals, ob die Tools und Apps am Markt sicher und zuverlässig in diesem Punkt arbeiten.

Das Potential unserer persönlichen Daten

In der Politik, an der Börse oder im alltäglichen Leben galt und gilt noch immer: Wissen ist Macht. Heute befindet sich die Art und Weise wie Wissen generiert wird in einem rasanten Umbruch. Mit der seit Jahrzehnten voranschreitenden Entwicklung in der Computer- und Sensortechnologie entstehen neue Möglichkeiten Informationen zu Erheben, zu Verarbeiten und dadurch Wissen zu generieren und zu verbreiten. Insbesondere die Nutzung personenbezogener Daten ermöglicht innovative Anwendungsfälle in verschiedensten Bereichen, welche offen und transparent diskutiert werden sollten.

Die Idee persönliche Daten aufzuzeichnen ist nicht neu. Intellektuelle, Forscher, Künstler und Gelehrte wie Johann W. v. Goethe machten sich bereits vor hunderten von Jahren persönliche Aufzeichnungen in einem Tagebuch, um ihre eigene Entwicklung zu dokumentieren und reflektieren. Dabei ist die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst häufig ein wesentlicher Bestandteil aktiv gelebter Persönlichkeitsentwicklung. In diesem Sinne führe ich selbst Buch über wichtige Entwicklungen, Veränderungen und Entscheidungen in meinem Leben, und schaffe mit meinem Startup Chronio die Möglichkeit, wichtige persönliche Informationen in einem innovativen digitalen Tagebuch zu bewahren.

Für Erkenntnisse und Entscheidungen über uns selbst stehen zukünftig neue Informationsquellen zur Verfügung, welche uns ein besseres Urteil ermöglichen. Durch noch junge technologische Entwicklungen wie das Smartphone in Verbindung mit Sensoren wie vernetzten Waagen, Schrittzählern und Blutdruckmessgeräten können wir uns Informationen zu unserer Gesundheit in einer bisher nicht gekannten Detailtiefe bewusst zu machen. Neben Fitness und körperlicher Gesundheit gibt es eine Vielzahl weiterer Bereiche welche durch individuelle Analyse und Feedback verbessert werden können und zu einem ganzheitlichen Wohlbefindens beitragen. Dieses enorme Potential zur Verbesserung der Lebensqualität wird zukünftig durch immer einfacher zu verwendende Produkte vielen Menschen zugänglich.
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Das Potential der persönlichen Daten reicht jedoch weit über die Verbesserung unserer Gesundheit hinaus. Moderne Heizungsthermostate lernen den Tagesablauf ihrer Besitzer u.a. anhand des Bewegungsaufkommens im Raum und wissen dadurch zu welchen Uhrzeiten die Bewohner in welchen Räumen welche Temperaturen benötigen. Hierdurch erschließen sie ein enormes Energiesparpotential ohne den Komfort der Bewohner einzuschränken.
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Besonders deutlich kommt dieser der Trend zur Personalisierung und Individualisierung bei internetbasierten Diensten zum Ausdruck, die häufig unsere individuellen Präferenzen erkennen und berücksichtigen. Facebook lernt z.B mit welchem unserer Kontakte wir besonders gerne kommunizieren und präsentiert uns aus der Flut an Neuigkeiten bevorzugt die für uns wichtigen Nachrichten. Mit dem Netzwerk verbundene Anwendungen wie der Musikanbieter Spotify, erlauben es dem Nutzer zu erfahren welche Lieder seine Freunde hören, wodurch das Entdecken guter Musik jenseits von Zeitschriften und Fernsehwerbung einfacher wird. Auch die Werbetreibenden im Internet wissen immer häufiger für welche Produkte sich der Betrachter einer Webseite interessiert und ersparen ihm damit langweilige und unrelevante Werbung für Produkte deren Zielgruppe er nicht entspricht. Hierdurch spart das werbende Unternehmen Kosten und die Konsumenten können sich über den Kanal Werbung über aktuelle Produkte und Angebote der von ihnen geschätzten Marken informieren.

Auch im Finanzmarkt werden persönliche Daten eingesetzt um z.B die Zahlungsfähigkeit von Konsumenten einzuschätzen. So bietet die Schufa Unternehmen Prognosen über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls eines potentiellen Kunden auf Basis dessen Zahlungshistorie. Aktuell erfolgt diese Bonitätseinschätzung auf Basis relativ grober Informationen, und wird in Einzelfällen der Realität einer bewerteten Privatperson nicht gerecht. Gemeinsam mit dem Hasso Plattner Institut wollte die Schufa Konzepte untersuchen, welche die individuelle Bonitätsbwertung durch Analyse von Daten aus sozialen Netzwerken, online Kartendiensten oder anderen im Internet verfügbaren Informationen verbessern sollte. Bereits bevor die Vor- und Nachteile eines solchen Vorgehens diskutiert werden konnten, wurde das Forschungsprojekt auf den Druck einer schlecht informierten und empörten Öffentlichkeit hin abgesagt.

Bei vielen technischen Produkte wertet der Hersteller vom Nutzer erhaltene Daten anonymisiert aus, um auf diesen Informationen basierende Funktionen in seinen Produkten anzubieten. So analysieren Firmen wie Apple oder Google die Bewegungsinformationen der Nutzer ihrer Smartphones, um die Verkehrslage auf den Straßen zu beurteilen. Dadurch dass die Daten der Masse aller Nutzer einfließen, können dem einzelnen Anwender realistische Fahrtzeitprognosen und Stauumgehungsempfehlungen auf sein Gerät geliefert werden. Dieses Lernen von der Masse bietet ein großes Potential zur Optimierung von Produkten und Dienstleistungen. Die anonymisierte Verwendung der Daten stellt dabei sicher, dass für den Anwender kein persönlicher Nachteil entsteht, dieser jedoch von der aus der Masse erzeugten Intelligenz profitiert.
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In Anbetracht dieses Trends zur Nutzung persönlicher Daten in verschiedensten Bereichen wird offensichtlich wie sich unsere klassische Vorstellungen von Privatsphäre verändert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich persönlichen Risiken aussetzt, wenn man bewusste Entscheidungen bei der Wahl von Produkten und Diensten trifft. Wenn wir unsere zukünftig in immer größerem Umfang erhobenen Daten anonymisiert zu Forschungszwecken verwenden, lassen sich bessere Medikamente, nachhaltigere Produkte oder lebenswertere Orte realisieren. Während dem Flug eines modernen Passagierflugzeugs werden Daten in Höhe von 20 Terrabyte pro Stunde gesammelt und ausgewertet, um nachfolgende Flugzeuggenerationen sicherer und energieeffizienter zu machen. Stehen uns ähnlich detaillierte Informationen über unsere Medikamente, Verkehrsswege und alltäglichen Lebensgewohnheiten zur Verfügung, entsteht ein enormes Potential um unsere Gesellschaft umweltfreundlicher, gesünder und zufriedener zu machen. Was aus unseren Daten entsteht, hängt also nur von der Zielsetzung dessen ab, der sie verwendet.

Seit 40 Jahren verdoppelt sich die zu einem Preispunkt verfügbare Rechenleistung regelmäßig alle 18 Monate. Diese Entwicklung erlaubt es auch in Zukunft immer mehr Daten Aufzuzeichnen, zu verarbeiten und zu verwerten. Unternehmen verschiedenster Branchen arbeiten daran, dieses Potential durch neue Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten und schon heute verändern Smartphones und soziale Netzwerke die Welt im Sturm. Damit hier die Interessen des Einzelnen gewahrt bleiben, ist eine breite Diskussion in der Gesellschaft notwendig, welche Chancen und Risiken offen aufzeigt und eine Kultur der Transparenz einfordert. Auch im Quantified Self Netzwerk diskutieren wir Chancen und Risiken dieser Veränderungen und beobachten Geschäftsmodelle, Nutzungsbedingungen und gesellschaftliche Auswirkungen neuer Dienste kritisch. Zukünftige gesellschaftliche Veränderungen werden immer öfter auf Basis der Nutzung persönlicher Daten entstehen und auch dann wird gelten: Wissen ist Macht. Durch die Förderung des Bewusstseins für diese Veränderungen stehen die Chancen gut, dass diese Macht in die richtigen Hände gelangt.