Quantified Self – Ein Anfängerkurs zum Selbermessen

Wie können Sie sich durch Self-Tracking kennenlernen und ihre Gewohnheiten verändern? Antworten finden Sie in diesem Artikel.

Quantified Self ist 2012 in der Deutschen Gesellschaft angekommen. Auch wenn sich die Berichterstattung in den hiesigen Medien häufig auf Nebensächlichkeiten konzentriert, haben die Deutschen Konsumenten den Mehrwert innovativer Gesundheitsprodukte und -lösungen erkannt. Die Apple-Stores verkaufen Sensoren zum Messen von Gewicht, Blutdruck, Blutzucker oder Schlaf und auch in den Telekom-Stores werden Produkte zur Verwendung mit Smartphones und Tablets angeboten. Im deutschen App Store für iPhone und iPad werden in der Rubrik Medizin mehr als 3000 Apps zum Download angeboten, wobei eine Vielzahl darunter auf den Prinzipien von Quantified Self basieren. Auch die Sportmarke Nike, welche seit Jahren Sensoren und Apps in Verbindung mit Apple’s Produkten anbietet, rückt das Thema Quantified Self mit dem Motto „Life is a sport. Make it count.“ in ein völlig neues Licht. Doch wie gehen Sie mit diesen Produkten sinnvoll um?

Was ist Selbstvermessung?

„Know thyself“ – „Kenne Dich selbst“  ist das Paradigma von Quantified Self.  Durch Selbstbeobachtung können das Verständnis für den eigenen Körper und Geist verbessert, und Potentiale zur Optimierung der individuellen Lebensqualität identifiziert werden. Der Hintergrund des sogenannten Self-Trackings beruht auf der Tatsache, dass Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung auf der Basis unserer Erinnerungen schwer nachvollziehbar sind. Heutzutage ist es für viele Menschen bereits eine Herausforderung, sich ohne Hilfsmittel an Termine oder Geburtstage zu erinnern. Noch weniger werden Sie eine zutreffende Einschätzung über Ihre Kalorienaufnahme im Wochenverlauf oder den Einfluss Ihrer Ernährung auf Ihren Schlaf treffen können.

Auch die evolutionär entwickelte subjektive Wahrnehmung und Erinnerung beeinträchtig unser Urteilsvermögen, um uns in manchen Fällen vor der Realität zu schützen. Zahlen sind anders. Sie sind nicht durch Selbstschutz, Stolz und andere Gefühle beeinflusst und bilden die entscheidenden Zusammenhänge in unserem Leben direkt ab. Deshalb ermöglichen Sie uns einen klaren Blick auf unsere Gesundheit, unsere emotionale Zufriedenheit oder unsere finanzielle Situation. Durch Analyse der hierzu aufgezeichneten Werte können Trends erkannt und Einflussfaktoren auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche identifiziert werden.

Die Selbstbeobachtung und -vermessung hat darüber hinaus auch einen motivierenden Effekt. Wir alle möchten Anerkennung für unsere Anstrengungen zur Verbesserung unserer Lebensqualität. Wenn Sie auf einer Liste oder in einer Software eintragen, ob Sie z.B. Ihre Übungen gemacht haben, oder wie viele Wiederholungen Sie erreicht haben, belohnen Sie sich selbst mit dieser Aufmerksamkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Maßnahmen zur Veränderung Ihres Lebens umsetzen, steigt hierdurch nachweislich. Aufgrund der regelmäßige Auseinandersetzung durch die Selbstbeobachtung, gelingt es Ihnen einfacher Ihr Ziel zu fokussieren, wodurch sie sich selbst besser kennen lernen.

Wir alle haben Gewohnheiten, die sich im Alltag eingeschliffen haben. Diese Gewohnheiten sind ausschlaggebend dafür, ob wir glücklich oder unglücklich, energiegeladen oder ausgebrannt oder gesund oder ungesund sind. Dennoch wissen wir oft nicht, welche unserer Verhaltensweisen welchen Einfluss auf unsere Lebensqualität ausüben. Erreichen Sie Ihr Wunschgewicht einfacher mit einer Kohlenhydrat-reduzierten Diät oder durch den Verzicht auf Süßigkeiten? Schlafen Sie besser wenn Sie Ihr Training Morgens oder Abends absolvieren? Verschwinden Ihre Rückenschmerzen durch warme Bäder oder sind die morgendlichen Dehnungsübungen der Schlüssel zum Erfolg? Indem Sie sich selbst analytische beobachten können Sie dies herausfinden.

Wie Sie Quantified Self-Versuche selber durchführen

Einfachste Mittel wie Papier und Bleistift, eine Excel Tabelle oder eine Smartphone App reichen aus, um mit der Selbstbeobachtung zu beginnen. Wenn Sie Ihre Gesundheit verbessern möchten, stehen hierzu eine Vielzahl an Sensoren wie Schrittzählern, GPS Apps, Blutdruckmessern oder Schlafsensoren zur Verfügung. Egal mit welchen Tools sie arbeiten, sollten Sie für einen erfolgreichen Lerneffekt folgende Punkte beachten:

  • Konzentrieren Sie sich zu Beginn auf einen Bereich, den Sie verbessern möchten. Fragen Sie sich, in welchem Bereich Ihres Lebens Sie die größte Steigerung Ihrer Lebensqualität erzielen könnten.
  • Verpflichten Sie sich selbst, Ihre Ergebnisse für mindestens 30 Tage aufzuzeichnen. Hierdurch erzielen Sie erste Einsichten und haben eine neue Gewohnheit entwickelt, welche Ihnen weitere Selbstbeobachtung zukünftig noch einfacher macht.
  • Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, Ihre Aufzeichnungen zu Reflektieren und Zusammenhänge zu identifizieren. Lernen Sie aus Ihren Daten und entwickeln Sie eigene Ideen, welche Maßnahmen zur Verbesserung Ihrer Lebensqualität beitragen könnten.
  • Testen Sie Ihre Annahmen. Verändern Sie Ihr Verhalten, um in der Praxis zu erproben, ob Sie den richtigen Ansatz identifiziert haben. Können Sie sich besser Konzentrieren, wenn Sie Tee, Kaffe oder Wasser getrunken haben? Testen Sie es aus!
  • Glückwunsch, jetzt haben Sie möglicherweise Ihr Leben verbessert. Sicher fallen Ihnen weitere Bereiche ein, in denen Sie etwas lernen und optimieren können.

Wenn Sie sich bei Ihrer Selbstbeobachtung durch Softwareanwendungen oder Sensoren unterstützen lassen möchten, finden Sie auf der englischen Seite von igrowdigital.com Testberichte über einige der gebräuchlichsten Produkte. Den vollständigen Überblick über alle Tools finden Sie auf QuantifiedSelf.com. Mehr über Sensoren, Softwareanwendungen und die Erfahrungen Anderer erfahren Sie auch bei den Meetups der Deutschen Quantified Self Community. Was Sie beim Kauf von Sensoren und der Wahl von Apps noch berücksichtigen sollten erfahren Sie hier.

 

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