SARS-CoV-2 Diagnostik – Licht im Dunkel der Corona-Krise

SARS-CoV-2 Diagnostik – Licht im Dunkel der Corona-Krise

Das neuartige Coronavirus ist eine enorme Herausforderung für Gesundheitssysteme, Covid-19 Patienten und ganze Gesellschaften. Aktuell fragen sich viele Menschen, ob sie selbst infiziert sind oder wann sie die Isolation wieder verlassen können, ohne Andere zu gefährden. Die Antwort auf diese Fragen liefern Labortests, die Infektionen mit dem Coronavirus nachweisen können. Sowohl akut, als auch im Nachhinein, als Indiz für Immunität. Auch auf gesellschaftlicher Ebene hängen wichtige Entscheidungen und damit unsere Zukunft von Testergebnissen ab. Einen Überblick zu den verschiedenen Testverfahren und deren Relevanz in der Coronakrise möchte dieser Artikel liefern.  

Tests sind der Superskill für die Bekämpfung der Pandemie

Statistik: Anzahl durchgeführter Tests für das Coronavirus (COVID-19) in ausgewählten Ländern bis zum 20. März 2020* | Statista

Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland sehr früh angefangen umfangreich zu testen. Dies erklärt, warum viele Infizierte gemeldet werden, bisher aber vergleichsweise wenig Menschen verstorben sind. Aktuell unternehmen wir gesellschaftlich die größtmöglichen Anstrengungen, um Neuinfektionen zu verhindern. Je nach Strategie der Bundesregierung werden wir versuchen, die Zahl der Infizierten unter der Belastbarkeitsgrenze unseres Gesundheitssystems zu halten, wahrscheinlich sogar auf einem weitaus niedrigeren Niveau, um die Ausbreitung zu verlangsamen und stärker von medizinischen Lösungen profitieren zu können. Sobald jedoch die aktuellen Schutzmaßnahmen gelockert werden, könnte die exponentielle Verbreitung des Virus wieder seinen Lauf nehmen. Dann wäre die konsequente Nachverfolgung und Isolation aller Infizierten entscheidend dafür, die Verbreitungs-geschwindigkeit langsam und die Zahl der Infizierten niedrig zu halten. Hierfür wird eine enorme Menge an Tests benötigt, die akute Infektionen im frühen Stadium zuverlässig nachweisen. Zugleich benötigen wir Tests, mit denen überstandene Infektionen in der Bevölkerung erfasst werden können. Dies erlaubt uns die Dunkelziffer an Infizierten wie auch die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, besser einzuschätzen, und unsere Maßnahmen entsprechend anzupassen. Des weiteren spielen Antikörpertests auch für die Optimierung unseres Gesundheitsbetriebs zur Bewältigung der kommenden Herausforderungen eine wichtige Rolle.

Enormer Bedarf an Corona-Tests

Husten, Fieber, Halsschmerzen und verwandte Symptome sind derzeit weit verbreitet. Deshalb macht man sich schnell sorgen, mit Covid-19 infiziert zu sein. Tatsächlich befinden wir uns aktuell noch in der auslaufenden Grippe- und Erkältungssaison und die große Mehrheit der durchgeführten Corona-Tests fällt negativ aus. Lediglich 7-8 Prozent der untersuchten Proben sind positiv. Dennoch sollte man sich bei Verdacht auf einen viralen Infekt bewusst sein, dass man potentieller Risikoträger ist. Wer sich nicht ohnehin in häuslicher Isolation und Home Office befindet, sollte besondere Vorsicht walten lassen. Dazu gehört die Krankschreibung durch einen Arzt (derzeit telefonisch möglich) sowie weitere Maßnahmen zum Schutz der Mitmenschen, z.B. auch durch improvisierten Masken.

Quelle: cottonbro auf Pexels

Klarheit schaffen kann nur ein Test auf Coronaviren, aufgrund der limitierten Kapazitäten kann jedoch nicht jedem Verdacht nachgegangen werden. Dabei hat Deutschland im internationalen Vergleich sogar hohe Testkapazitäten, aber der weltweite Krisenzustand erfordert einen wohl überlegten Einsatz aller Ressourcen. Deshalb erstellt das Robert Koch-Institut (RKI) Empfehlungen für die Ärzte zur Anordnung der Tests. 

Wer sollte sich auf SARS-CoV-2 testen lassen?

Aufgrund der in den letzten Wochen stark angestiegenen Fallzahlen, priorisieren die aktuellen Testkriterien nicht länger den Aufenthalt in Risikoregionen, welcher Anfangs ein gutes Bild bezüglich der eingeschleppten Fälle und der Entstehung von Hotspots gab. Mittlerweile sind Reiseaktivitäten weitgehend erloschen und Deutschland ist selbst zum Risikogebiet geworden. Für einen Test entscheiden sich die Ärzte daher vor allem bei Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren, ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben und Menschen von hoher Kritikalität. Dies sind Personen in den für uns alle essentiellen Gesundheitsberufen und anderen Berufsbildern, die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind und zugleich viele Menschen anstecken könnten. Aufgrund der stark angestiegenen Fallzahlen werden die Tests zunehmend von Patienten mit deutlich ausgeprägten Symptomen benötigt. Zur besseren Nachverfolgung aller Kontaktpersonen müssen die Kapazitäten daher weiter ausgebaut werden.

Erste Einschätzung mit Corona Online-Test

Wenn Ihr die Covid-19-typischen Symptome habt oder aus anderen Gründen denkt, dass Ihr betroffen seid, solltet Ihr zunächst klären, ob Ihr die Kriterien für die Durchführung eines Tests erfüllt. Eine erste Einschätzung liefert der Online-Test der Berliner Charité. Dieser wurde in Abstimmung mit dem Bundesgesundheitsministerium und dem RKI entwickelt und gibt nach Beantwortung einiger Fragen eine Empfehlung, ob Ihr in Isolation bleiben oder medizinische Hilfe suchen sollt. Wenn das Ergebnis des Tests für Euch nicht nachvollziehbar ist, solltet Ihr Eure weiteren Optionen abklären. Eine mögliche Anlaufstelle ist Euer regionales Gesundheitsamt dessen Nummer Ihr hier abfragen könnt. Viele Bundesländer haben auch spezielle Coronavirus Hotlines geschaltet. Auch Euer Hausarzt kann telefonisch beraten und ggf. einen Test anordnen. Symptome wie Fieber und Husten treten sowohl bei einer Grippe wie auch bei einer Infektion mit Coronaviren auf. Besonders an Covid-19 ist dass in einem frühen Stadium der Geruchs- und Geschmackssinn bei vielen Patienten stark beeinträchtigt ist. Solltet Ihr dieses Symptom beobachten, informiert unbedingt Euren Arzt oder das Gesundheitsamt.

Welche Laborverfahren werden eingesetzt?

Eine Steigerung der PCR Kapazitäten dürfte aber nur begrenzt möglich sein. Mittlerweile haben viele Länder angefangen, umfangreich zu testen, sodass ein Engpass bei den benötigten Reagenzien und Zubehör entstanden ist. Auch personell sind die Labore stark belastet, arbeiten teilweise rund um die Uhr im Schichtbetrieb und sind zugleich für die Versorgung von Patienten aus der regulären Versorgung zuständig, die ebenfalls Labortests benötigen. Dabei schlägt ein Strategiepapier des Innenministeriums die größtmögliche Erhöhung der Kapazitäten vor, um Covid-19 unter Kontrolle zu bekommen. Konkret bedeutet dies eine Ausweitung der Kapazitäten auf 200tsd. Tests pro Tag bis Ende April. Das Szenario sieht vor, Personen mit Eigenverdacht zu testen, wie auch den gesamten Kreis der Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen. Abhilfe können PCR-Tests für Hochdurchsatz-Analytik-Systeme schaffen, wie sie Roche und Abbott vorgestellt haben. Diese erfordern weniger manuellen Aufwand, sodass zumindest Engpässe beim Personal umgangen werden können.

Bild: Roche Cobas 8800

Einen cleveren Ansatz zur Steigerung der Laborkapazitäten haben Frankfurter Wissenschaftler kürzlich vorgestellt. Anstatt jede Probe einzeln auszuwerten, wird Erbmaterial aus 10 Proben in einem Minipool zu einer Analyse zusammengefasst. Fällt der Test positiv aus, werden alle 10 Proben getrennt ausgewertet, um zu ermitteln, welche vom Virusträger stammt. Geeignet ist das Verfahren vor allem für Probanden mit geringer Wahrscheinlichkeit für einen positiven Test, wie es bei breit angelegten Tests asymptomatischer Personen der Fall sein dürfte. Das Verfahren soll für alle PCR Tests anwendbar sein und könnte die weltweit verfügbare Kapazität vervielfachen. Neben der Optimierung von Laborkapazitäten arbeiten Biotech-Firmen an vielen weiteren Verfahren, um die Kapazität zu erhöhen und die Ergebnisse schneller verfügbar zu machen. 

Kartuschentests für Coronaviren

Aktuell bereits verfügbar sind Kartuschentests für sogenannte Point of Care (PoC) Laborgeräte, welche eine Auswertung der Proben direkt vor Ort, z.B in Kliniken oder Arztpraxen ermöglichen. Durch den Wegfall des Probentransports zum Labor und die kürzere Prozessdauer, sind Ergebnisse, je nach Hersteller, schon innerhalb von einer Stunde verfügbar. Die Systeme bestehen aus einer Kartusche, welche die Probe aufnimmt und einem Gerät, dass die Tests auswertet. Die Kartuschen beinhalten dabei die benötigten Reagenzien für den PCR-Test, sodass ein umkomplizierter Betrieb und genaue Ergebnisse möglich sind. Pro Gerät können jedoch stets nur eine oder wenige Proben gleichzeitig ausgewertet werden, im Gegensatz zu den üblicherweise 96 Proben der großen Laboranlagen. Auch die Kosten für Kartuschentests liegen meist deutlich über denen einer Analyse im Labor. Kartuschentests sind daher primär als Ergänzung zu anderen Testverfahren geeignet und können ihre Stärke in besonderen Szenarien ausspielen. Beispielsweise auch in Flughäfen oder Bahnhöfen, um nach Lockerung der Mobilitätsbeschränkungen das Einschleppen neuer Infektionen zu verhindern. Qiagen, einer der führenden Anbieter von Kartuschentests, plant die Produktion von 6,5 Millionen Tests bis Ende April.

QIAGEN QIAstat-DX

Schnelltests für Coronaviren

Noch raschere Ergebnisse liefern Schnelltests, die ohne die für die PCR benötigte Vervielfältigung von Genen und Laborgeräte auskommen. Ähnlich wie beim Schwangerschaftstest liefern diese meist keine quantitative Analyse, sondern zeigen lediglich das positive oder negative Ergebnis an. Aktuell bereits erprobt werden Schnelltests, die Antikörper für Coronaviren im Blut nachweisen. Da Antikörper erst einige Tage nach einer Ansteckung gebildet werden, sind die Tests nicht geeignet, um akute Infektionen zuverlässig zu ermitteln. Ihre Stärke haben die Antikörpertests beim Nachweis einer überstandenen Infektion, welche im weiteren Verlauf der Pandemie immer wichtiger wird. 

Qualle: PharmACT

Schnelltests für den Nachweis akuter Infektionen werden ebenfalls entwickelt. Die sogenannten Antigentests kommen ohne die bei der PCR eingesetzte Vervielfältigung der Gene des Virus aus, weshalb sie auch nicht die selbe Sensitivität erreichen. Für den klinischen Einsatz wird dennoch eine hinreichende Genauigkeit erwartet. Daher könnten Antigen-Schnelltests maßgeblich zur Entlastung der Labore beitragen. Mit ihrer Verfügbarkeit wird in einigen Wochen gerechnet

Selbsttests für eine Infektion mit Coronaviren

Wer für 10 Sekunden die Luft anhalten kann, hat kein Covid-19, behauptet ein Kettenbrief. An diesem ist – wie an den meisten Kettenbriefen – natürlich nichts dran. In der frühen Phase der Infektion ist die Lunge meist noch nicht betroffen. Den Atem anhalten zu können ist daher keine Garantie dafür, dass keine Ansteckung vorliegt. Umgekehrt gibt es neben Covid-19 auch viele andere medizinische Ursachen, die es erschweren können, die Luft anzuhalten. Für einen Selbsttest kommt daher nur ein wissenschaftliches Verfahren in Betracht. Prinzipiell können Rachenabstriche oder Blutproben auch selbst gewonnen werden. Einzelne Biomarker wie Vitamin D (häufig diskutiert im Bezug auf das Immunsystem), oder ganze Sets von Nährstoffen lassen sich mit Tests von Firmen wie Cerascreen oder Lykon ermitteln. Dabei wird jedoch nur die Probe selbst gewonnen, die Auswertung erfolgt im Labor unter kontrollierten Bedingungen.

Corona-Tests nach diesem Prinzip werden seit einigen Tagen in einem von Amazon und Bill Gates geförderten Forschungsprojekt in der Region Seattle eingesetzt. Experten befürchten, dass es bei der selbständigen Probengewinnung zu Fehlern kommen kann, welche die Genauigkeit der Testergebnisse negativ beeinflussen. Laut Bill Gates konnte jedoch gezeigt werden, dass im Rahmen des Forschungsprojekts akkurate Daten erzeugt wurden. Ein Vorteil des Verfahrens: Für die Durchführung ist kein medizinisches Personal und damit auch keine Schutzkleidung notwendig. Deshalb können Selbsttests nützlich sein, um Engpässe bei der Probengewinnung zu umgehen. Wenn Alternativen schlecht verfügbar sind, kann das potentiell erhöhte Risiko für falsch-negative Ergebnisse von Selbsttests relativiert werden. Schließlich ist ein nicht perfekter Test immer noch besser als gar kein Test und kann dazu beitragen, dass Übertragungen verhindert werden.

Auch in Deutschland werden Selbsttests per Postversand angeboten. Der Anbieter Medi.Lab steht jedoch in der Kritik, aufgrund hoher Preise und fragwürdiger Geschäftspraxis. Probleme bestehen aber nicht nur bei der Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens. Auch aus ethischen Gründen ist es sinnvoll nicht in Konkurrenz zur Gesundheitswirtschaft zu gehen, sondern Medizinern die Entscheidung über die Nutzung der knappen Laborressourcen zu überlassen.

Eine Sonderform des Selbsttests, die in Deutschland teilweise zur Anwendung kommt, sind Drive-in-Stationen, bei denen man selbständig einen Rachenabstrich durchführt. Hier entscheidet ein Arzt, ob der Test medizinisch sinnvoll ist, was schmerzhaft sein kann, wenn man nach stundenlangem Warten abgewiesen wird. Vor dem Besuch einer Drive-in Station lohnt sich daher die telefonische Abklärung mit dem Gesundheitsamt oder Hausarzt. Eure Erfahrungen und Tipps zur Durchführung von Corona-Tests könnt Ihr gerne als Kommentar posten.

Auch bei den Schnelltests auf Antikörper oder Antigene ist noch unklar, ob eine eigenständige Durchführung ohne Fachpersonal verlässliche Ergebnisse liefern kann. Mögliche Fehlerquellen liegen hier nicht nur in der Gewinnung der Probe, sondern auch in der Handhabung des Testkits. Des weiteren dürften Antigentests für den Nachweis akuter Infektionen, sobald verfügbar, zunächst Medizinern vorbehalten bleiben.

Schnelltests auf Antikörper, die zum Nachweis einer überstandenen Infektion geeignet sind, wurden in Asien bereits entwickelt und werden vereinzelt auch bei uns schon online verkauft. Experten wie Christian Drosten zufolge, müssen die verfügbaren Tests noch validiert werden, sodass von einer eigenständigen Anwendung abzuraten ist. Aufgrund der großen Gefahr, die von einer irrtümlich angenommenen Immunität gegen Sars CoV-2 ausgeht, sollte man besser keine Experimente machen. Des weiteren gilt auch hier, dass in der aktuellen Phase der Pandemie, keine Konkurrenz zur Anwendung durch Mediziner erzeugt werden sollte. Weshalb diese ein besonders Interesse an Antikörpertests haben, klären wir im nächsten Abschnitt.

Antikörpertests aka “wann hat der Spuk ein Ende?”

Manche wünschen sich, die Corona-Infektion schnell hinter sich zu bringen, um für Andere keine Gefahr darzustellen und wieder ihrem gewohnten Leben nachgehen zu können. Eine willentliche Infektion ist jedoch riskant, ganz egal in welchem Alter und Gesundheitszustand. Außerdem würdet Ihr nach einer absichtlichen Ansteckung die Verbreitung des Virus fördern und das wäre genau das Gegenteil von dem, was unsere Gesellschaft derzeit anstrebt. Auch, dass Ihr im Krankheitsfall zu einer zusätzlichen Belastung des Gesundheitssystems würdet, ist ein klares Gegenargument.

Vielleicht aber hattet Ihr in den letzten Wochen bereits nicht abgeklärte Symptome und fragt Euch nun, ob Ihr die Infektion schon hinter Euch habt. Jetzt kommt der große Auftritt der erwähnten Antikörpertests, die voraussichtlich schon bald im Labor und als Schnelltest durchgeführt werden können. Leider muss ich auch hier die Hoffnung auf rasche Klärung Eurer Fragen etwas bremsen.

Aktuell erfolgt die Validierung von Schnelltests und der Ausbau von Laborkapazitäten, die für medizinische und epidemiologische Studien benötigt werden. Wie Eingangs erwähnt helfen Antikörpertests, die Zahl der bisher Infizierten besser einzuschätzen. Aufgrund der frühen Aufnahme der Testaktivität kann für Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern von einer robusteren Datenlage ausgegangen werden. So überprüft das RKI laut seinem Präsidenten Professor Wieler durch das Screening nach Antikörpern in Blutspenden, wie sich die Immunität verbreitet. Repräsentativ ist diese Stichprobe nicht und konkrete Daten wurden bisher nicht kommuniziert. Viele andere Wissenschaftler fordern daher die Durchführung weiterer Studien, um das Risiko für schwere Verläufe und die Letalität von Covid-19 exakter zu berechnen. Entscheidend sind diese Daten für das weitere Krisenmanagement, also den Zeitpunkt der Aufhebung der Kontaktsperre und die weiteren Maßnahmen die uns über die kommenden Monate begleiten werden.

Auch für die Erforschung der Immunität spielen die Daten der Antikörpertests eine wichtige Rolle. Eine vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung koordinierte Studie soll die Entwicklung der Immunität bei 100tsd. Teilnehmern über die kommenden Monate beobachten. Dabei könnte die Verbreitung der Immunität in verschiedenen Regionen und Altersgruppen nachvollzogen werden. Auch die Effektivität der Immunität und die Dauer des Schutzes gegen erneute Ansteckung könnte im Rahmen der Studie erforscht werden. Erste Ergebnisse könnten Ende April vorliegen. Eine Pilotstudie, die noch frühere Antworten liefern soll, findet aktuell in Heinsberg statt.

Darüber hinaus gibt es akute medizinische Probleme für die Antikörpertests eine wichtige Rollen spielen. Mediziner und Altenpfleger mit erlangter Immunität können die Versorgung von Menschen in den Risikogruppen zukünftig vereinfachen, da von Ihnen kein Infektionsrisiko ausgeht und sie ggf. auch ohne Maßnahmen zum Eigenschutz arbeiten können. Außerdem sind Menschen mit erlangter Immunität wichtig für die präventive Behandlung von Menschen aus der Risikogruppe. Aus dem Blutserum von Patienten, die Covid-19 überstanden haben, lassen sich Antikörper gewinnen, die vorübergehend zur Immunität verhelfen können. Diese Strategie wird aktuell erprobt und könnte wichtig für die Überbrückung bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes werden. Deshalb dürfte auch der Zugang zu Antikörpertests zunächst von der medizinischen und wissenschaftlichen Relevanz abhängen, bis diese frei für alle verfügbar sein werden.

Licht ins Dunkel bringen

Quelle: Rinck Content Studio

Test, testen, testen ist die wichtigste Empfehlung der WHO und das Credo jener Staaten, die im Kampf gegen Corona erfolgreich sind. Auch in Deutschland sind wir mit dieser Strategie bisher vergleichsweise gut gefahren. Innovative Labordiagnostik und effiziente Verfahren machen Hoffnung, dass wir diesen Weg ausbauen können, trotz massiv gestiegenen Bedarfs auf dem Weltmarkt.

Spannend sind jedoch nicht nur die Anzahl der gemessenen Infektionen sondern auch deren Bedeutung. Deshalb wäre mehr Transparenz hilfreich, um die Daten besser einordnen zu können. So könnten durch Veröffentlichung der Anzahl durchgeführter Tests die Thesen von Bezweiflern der Pandemie zumindest teilweise widerlegt werden. Deren Wortführer behaupten, dass wir keine exponentielle Zunahme der Infektionen, sondern des Testgeschehens beobachten. Anhand der bloßen Fallzahlen, lässt sich diese Meinung weder bestätigen noch widerlegen und hält sich entsprechend hartnäckig. Gerade einmal 41% der Deutschen halten Covid-19 für gefährlich und die Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Verbreitung werden von vielen Menschen nur halbherzig umgesetzt. Mehr Transparenz könnte den Bürgern helfen, das aktuelle Geschehen besser zu verstehen und die Einsicht für die gravierenden Maßnahmen fördern. Auch wenn wir die Zahl aktiver Fälle in einigen Wochen auf ein niedriges Niveau gebracht haben und die Testkapazität auf die Eindämmung des Virus konzentrieren, brauchen wir Einsicht. Die konsequente Nachverfolgung und Isolation aller Fälle ist dauerhaft nur mit kooperierenden Bürgern möglich.

Auch für eine zukünftige Öffnung von Grenzen, ist Transparenz wichtig, um die von anderen Ländern ausgehende Gefahr richtig einschätzen zu können. Aktuell ist dies unmöglich und die am stärksten von der Coronakrise betroffenen Länder erleben zugleich eine Vertrauenskrise und werfen China massive Fehlinformation vor. Tests als Schlüsselkompetenz für die Navigation durch die Zukunft sind daher kein nationaler Egotrip, sondern machen unsere Welt nur dann wieder angenehmer, wenn wir das Licht im Dunkel mit anderen Ländern teilen. Dafür brauchen wir Geduld, Optimismus und den Willen zur Zusammenarbeit, insbesondere auch auf internationaler Ebene. Auch digitale Lösungen, die es ermöglichen, auf Testergebnisse konsequent reagieren zu können, sind ein wichtiger Teil der Lösung. Über die europäische Corona App und weitere Themen zum Leben in und nach der Coronakrise findet Ihr hier auch in Zukunft viele Anregungen. Schaut gerne wieder vorbei und bleibt in Kontakt, zunächst auf einem der digitalen Wege.

Dieser Artikel wird zukünftig aktualisiert, um weiterhin die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Diagnostik widerzuspiegeln.

Die Digital Health Highlights der CES 2020

Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ist die weltweit größte Ausstellung für Unterhaltungselektronik und zeigte sich 2020 digitaler als je zuvor. Von der elektrischen Zahnbürste mit integrierten Plaque-Sensor bis zum smarten Katzenklo – (vermeintliche) Intelligenz, die unsere Gesundheit und die unserer Lieben verbessern soll, war überall zu sehen. Die spannendes Innovationen in den Bereichen Wearables, Schlaf, Familie und Gesundheit findest Du in diesem Artikel. 

Wearables 

Withings ScanWatch

Withings Scanwatch
Bild: Withings

Withings zeigt mit der neuesten Generation seiner Hybrid Smartwatch einen umfassenden Gesundheitsmonitor. Ähnlich wie eine Apple Watch, überwacht die ScanWatch mit einem optischem Sensor den Herzrhythmus und warnt bei einer auffälligen Pulsfrequenz oder beim Auftreten von Vorhofflimmern. Integrierte Elektroden erlauben darüber hinaus die Aufzeichnung eines medizinisches EKGs, welches von der Scan Watch ausgewertet wird, aber auch Ärzten zur Kontrolle vorgezeigt werden kann. Erstmalig in ein Consumer Wearable integriert Withings die Messung der Blutsauerstoffsättigung zur Erkennung von nächtlicher Schlafapnoe.  

Suunto 7

Bild: Suunto

Suunto stellt mit der 7 eine Smartwatch für Sportbegeisterte vor. Anders als die bisherigen Modelle des Herstellers verfügt die Suunto 7 mit Android Wear über ein vollwertiges Smartwatch-Betriebssystem und beherrscht damit Funktionen wie Google Assistent, Pay, Musik, Apps und eine Anbindung an Google Fit. Die Smartwatch eignet sich damit für alle Athleten, denen der Funktionsumfang klassischer Sportuhren mit einfachen, proprietären Betriebssystemen nicht ausreicht. Neben Suunto wird diese Zielgruppe auch von Garmin bedient, wohingegen die Anbieter modischer Smartwatches mit Android Wear häufig Abstriche bei den Sport- und Gesundheitsfunktionen machen. 

Ivea Beauty-Smartwatch 

Bild: Android Guys

Für Gesundheits- und Beauty-begeisterte Nutzerinnen hat Ivea die Smartwatch Time-C entwickelt. Ihre Sensoren messen neben der Aktivität und Herzfrequenz auch die Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit, den CO2- und Schadstoffgehalt der Luft und die Lautstärke, Helligkeit und UV-Strahlung. Umweltfaktoren welche sich negativ auf Gesundheit, Wohlbefinden und Hautbild auswirken, sollen so erkannt werden. Darüber hinaus verspricht der Hersteller personalisierte Tipps und Empfehlungen zu Hautpflege und Lebensstil. 

Embr Personal Thermostat

Bild: Embr

Das Wearables nicht nur messen und informieren sondern das Wohlbefinden auch aktiv verbessern können, zeigen die Armbänder von Embr und Reliefband. Embr ist eine persönliche Klimaanlage, welche je nach persönlichem Temperaturbedürfnis die Haut am Handgelenk erwärmt oder abkühlt. Möglich macht dies ein kleines Peltierelements, welches auf der Unterseite des Handgelenks getragen wird. Durch die lokale Einwirkung soll die Temperaturwahrnehmung des Körpers verändert und das Wohlbefinden bei Hitze oder Kälte gesteigert werden. 

Reliefband

Bild: Reliefband

Das medizinische Armband Reliefband verspricht Linderung bei Übelkeit und Erbrechen durch den Effekt der Neurostimulation. Dazu wird der Median-Nerv am Handgelenk mit gezielten, elektrischen Pulsen angeregt. Die Reize setzen sich über das zentrale Nervensystem fort bis zum Gehirn und wandern von dort in den Magen, um die wahrgenommen Übelkeit zu bekämpfen. Die Wirksamkeit ist durch klinische Studien belegt und das Gerät von der amerikanischen Regulierungsstelle für Gesundheit, der FDA, als Medizinprodukt freigegeben. 

Schlaf-Tech

Muse S EEG, Urgonight Headset

Bild: Urgonight

Sehr beliebt bei bei den Herstellern von Digital Health Produkten sind technische Geräte zur Verbesserung des Schlafs. Neu in diesem Jahr ist die Idee, dem Nutzer mit Hilfe von Biofeedback in den Schlaf zu verhelfen. Muse hat hierfür eine neue Version seines EEG Headsets vorgestellt, welches neben den Hirnströmen zusätzliche Parameter zum Herzschlag, der Atmung und der Bewegung erfasst und seinen Nutzer mit Hilfe meditativer Erfahrungen auf den Schlaf vorbereitet. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt ein französische Headset Urgonight. Nutzer sollen durch regelmäßige, kurze Übungen erlernen, wie die für das Schlafen notwendige Hirnaktivität verstärkt wird. Laut Hersteller kann dadurch sowohl die Dauer bis zum Einschlafen wie auch die zwischen dem Schlaf Nachts wach verbrachte Zeit, deutlich reduziert werden.  

Philips Smart Sleep Headset 

Bild: Philips

Das Smart Sleep Stirnband von Philips verspricht die Schlafqualität zu verbessern, ohne selbst aktiv üben zu müssen. Dafür wird es Nachts getragen, überwacht im Schlaf die Hirnströme und erzeugt leise auditive Signale während der Tiefschlafphase. Hierdurch soll die Menge an Tiefschlaf gesteigert und die nächtliche Erholung verbessert werden. Phillips empfiehlt das Smart Sleep Headset für Menschen, die weniger als 6 Stunden schlafen und das Maximum aus ihren kurzen Nächsten herausholen wollen. 

Sleep Number Climate 360 Bett 

Bild: SleepNumber

Wer kein Wearable am Körper tragen aber seinen Schlaf dennoch technologisch optimieren möchte, kann auf ein Bett von Sleep Numbers zurückgreifen. Die neueste Version des amerikanischen high-tech Betts passt die Härte und Temperatur im Verlauf der Nacht automatisch an – zunächst warm für ein gemütliches und rasches Einschlafen, während der Nacht wird dann gekühlt, um die Schlafeffizienz zu erhöhen. Auch die Härte wird mittels Luftkissen im Verlauf der Nacht angepasst um die Ergonomie und Schlafqualität zu steigern. Selbstverständlich misst das smarte Bett auch die Bewegungsaktivität, den Ruhepuls und die Herzratenvariabilität des Nutzers. Die sogenannte SleepIQ Technologie steuert die Anpassung des Betts an den Nutzer und verhilft laut Hersteller zu 15 zusätzlichen Minuten an qualitativem Schlaf pro Nacht. 

Tech für Babies und Eltern

smarte Milchpumpe Elvie

Bild: Elvie

Auch die Eltern von Babies erhalten Unterstützung von Technologieunternehmen. Elvie, Hersteller einer smarten Milchpumpe, präsentierte ein neues Analyse-Feature namens „Insights“, welches Daten zur Verwendung der Pumpe, inklusive zur Menge der mit dem Gerät gewonnenen Milch, zur Verfügung stellt. Vor zwei Jahren hatte das Startup seine smarte Milchpumpe vorgestellt, die als „Wearable“ im Vergleich zum Wettbewerb praktischer und leiser sein soll. Mit dem neuen Insights Feature möchte Elvie zu einem besseren Verständnis für die effiziente Nutzung der Pumpe im Alltag beitragen.

Lumi by Pampers

Bild: Lumi by Pampers

Windelhersteller Pampers kooperiert für sein neues Angebot Lumi mit den Tech-Unternehmen Logitech und Verily, einem Life Science Unternehmen der Alphabet Gruppe (ehemals Google X). Die Monitoring-Lösung umfasst eine Babykamera und einen Activity-Tracker für die Windel welcher den Schlaf überwacht und feuchte Windeln erkennt. Der von Verily entwickelte Tracker für die Windel muss nach 3 Monaten ersetzt werden und informiert per App, ob das Baby schläft oder wach ist und wann die Windel gewechselt werden muss. Mit Hilfe der Kamera haben die Eltern ihr Baby stets im Blick und können mit der zwei Wege Audioübertragung auch mit ihrem Baby sprechen. 

Technologie für Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung

Smarter Gürtel „Smart Belt Pro”

Bild: Welt

Für seinen smarten Gürtel erhielt der koreanische Anbieter Welt einen Innovationspreis auf der CES. Smart Belt Pro, die neueste Generation des Gürtels misst nicht nur die Aktivität und trackt Veränderungen des Bauchumfassungs sondern kann auch das Sturzrisiko berechnen. Dazu werden die Daten der verbauten Beschleunigungssensoren ausgewertet. An der Körpermitte positioniert können diese schon bevor ein Sturz stattgefunden hat Unsicherheiten im Gangmuster erkennen und bei erhöhtem Sturzrisiko warnen. 

Carepredict Tempo Seniorenmonitor

Bild: Carepredict

Carepredict ist ein Activity Tracker speziell für Senioren. An der dominanten Hand getragen, erkennt es Aktivitäten wie Essen, Duschen und Toilettengänge anhand ihrer charakteristischen Bewegungsmuster aber auch Spaziergänge und Schlafen werden erfasst. Änderungen die auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustand hindeuten werden mit Hilfe von Machine Learning erkannt, sodass Risiken für eine Mangelernährung, Depression, Stürze oder der Abbau kognitiver Fähigkeiten prognostiziert werden können. Durch die frühzeitige Erkennung negativer Entwicklungen sollen Senioren und deren Kindern bei der Prävention unterstützt werden.

KI Hörgerät OrCam Hear 

Bild: Orcam

Künstliche Intelligenz nutzt der Hersteller Orcam um Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen zu unterstützen. Eine um den Hals getragene Kamera erfasst dabei Körpersprache und Lippenbewegungen von Personen im Blickfeld des Nutzers. Durch die Auswertung der visuellen Informationen soll der Schall des Gesprächspartners von Umgebungsgeräuschen unterschieden und gezielt verstärkt werden, um sich z.B auch in Cafés mit vielen Menschen auf die eigene Unterhaltung konzentrieren zu können. Mit diesem Aufbau ahmt Orcam’s System die menschliche Hörverarbeitung nach, welche ebenfalls visuelle Eindrücke nutzt, um sich auf die relevanten akustischen Ereignisse zu fokussieren.

Smarte Badematte Mateo

Bild: Mateo

Wer keine Lust auf Wearables und andere technisch anmutende Geräte hat, für den plant das Startup Mateo das Anti-Gadget in Form einer smarten Badematte. Diese ist druckempfindlich und  misst Körpergewicht sowie Körperhaltung, durch die Erfassung der Bioimpendanz soll sogar eine Körperfettmessung möglich sein. Da die Matte auf ein Display verzichtet, erfolgt die Messung diskret und ohne Stress auszulösen, welcher viele Menschen vom Wiegen abhält. Stattdessen kann man sich die Messwerte in einem ruhigen Moment ansehen – oder nutzt die Waage zum beiläufigen Datensammeln und lässt sich von der zugehörigen App nur benachrichtigen wenn ein besonders denkwürdiger Ergebnis eintritt. Die Badematte für Wiegemuffel befindet sich wie viele weitere auf der CES gezeigten Exponate noch im Prototypenstadium. Eine für den Sommer geplante Crowdfundingkampagne soll die smarte Matte Realität werden lassen. Die ein oder andere Hoffnung der CES hat also noch einige Hürden zu nehmen. Zugleich zeigt die zunehmende Anzahl wissenschaftlich fundierter und medizinisch evaluierter Lösungen, dass Digital Health Produkte einen wichtigen Beitrag zu unserer Gesundheit leisten können. 

Apple Watch Series 4 – So gut ist die neue Generation

Mit der Vorstellung der vierten Generation der Apple Watch, haben die Kalifornier einiges an Aufsehen erregt. Ein größeres Display bei kleinerem Gehäuse und die neuen Funktionen EKG-Sensor und Sturzerkennung zeigen, wie weit das Unternehmen technologisch mittlerweile ist und dürften die Zielgruppe der Smartwatch deutlich erweitern. Bereits im Jahr 2014 hatte Apple mit der ersten Generation nicht nur eine Smartwatch vorgestellt, sondern mit der gleichzeitigen Einführung von HealthKit, welcher den Austausch von Daten unter Apps und mit Forschern und Kliniken regelt, gezeigt, dass es eine größere Vision hat. Und genau dies ist mit der Vorstellung der vierten Generation noch einmal deutlich geworden. Auch wenn der EKG Sensor bisher erst von der amerikanischen Gesundheitsbehörde freigegeben wurde und die Zulassung durch die europäischen Behörden noch aussteht, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Watch auch hierzulande zur besseren Überwachung und Versorgung von Herzpatienten beiträgt. Auch sonst hat Apple mit der Series 4 einiges verbessert, was die Uhr für Self-Tracker, Fitnessbegeisterte aber auch ganz normale Anwender noch interessanter macht.

Die offensichtlichste Veränderung ist das größere Display, dass ähnlich wie bei den aktuellen iPhones einen dünneren Rand besitzt und damit trotz weiterhin kompakten Abmaßen wesentlich mehr Bildinformationen darstellt. Das macht Spaß, alles sieht schicker aus, ist besser zu erkennen und leichter zu bedienen. Toll ist auch ein Feature dass sich diese Displaygröße zunutze macht, das neue Zifferblatt, dass seinem Namen „Infograph“ alle Ehre macht. Speziell für das große Display der neuen Apple Watch entwickelt (und auch nicht auf den älteren Modellen verfügbar) bietet es Platz für bis zu acht Complications, also die kleinen Felder in denen sich Datum, Temperatur und viele andere Informationen anzeigen lassen. Für die vier Ecken des Zifferblatts hat sich Apple einen neuen Typ von Complications ausgedacht, welcher zusätzliche Informationen wie Minima und Maxima einer Datenreihe (z.B. Höchst- und Tiefstwerte der Tagestemperatur) oder Detailwerte für die drei Aktivitätsringe anzeigt. So kann sich jeder Nutzer ein individuelles Dashboard mit enormer Informationsdichte zusammenstellen. Man könnte auch sagen, dass das von Apple in seinen aktuellen Produktfotos und Werbekampagnen gezeigte Ziffernblatt geradezu der Traum aller Self-Tracker und Datenfreunde sein dürfte. Sinnvolle Anwendungen sind hierfür z.B. die Temperatur, die Aktivität, aber auch die Herzfrequenz der letzten Messungen lässt sich nach Installation der App „HeartWatch“ als Complication anzeigen. Ebenso Daten zur Umgebung wie der UV- oder Luftqualitätsindex (LQI) und viele andere Complications Eurer Apps.

Verbesserungen gibt es auch bei den Sensoren der Series 4. Die Leuchtdioden des optischen Herz-Sensors sind im Vergleich zu den Vorgängermodellen geschrumpft und näher zusammengerückt und machen so Platz für den Metallring, welcher eine der beiden Elektroden des EKG Sensors bildet. Im Vergleich zur 3. Generation der Apple Watch, hat sich die Qualität der optischen Herzfrequenzmessung noch einmal verbessert. Getestet habe ich beide Modelle parallel beim Laufen, Radfahren und Kraftsport mit dem TRX. Insbesondere bei Fitnessübungen hatten die Series 3 und ihre Vorgänger bisher immer wieder Probleme den Puls richtig einzuordnen und oftmals Werte in Höhe von ungefähr der Hälfte einer realistischen Herzfrequenz angezeigt (z.B. 50 statt 100 Schläge). Dieser Fehler, der mir auch bei vielen anderen Wearables aufgefallen war, dürfte daran gelegen haben, dass zur Berechnung der Herzfrequenz bisher neben den Sensordaten zum Blutfluss auch jene zur Bewegung genutzt wurden, um durch Datenfusion auch aus verrauschten Daten des optischen Sensors eine Aussage machen zu können. Dieses Verfahren führte jedoch speziell beim Kraftsport, wenn die Uhr nur wenig Bewegung erkennt und für die Belastung z.B. durch Gewichte blind ist, oft zu Fehlinterpretationen. Umso positiver daher, dass Apple bei seinen Algorithmen nachgebessert hat. So und mir bei der Series 4 mir bisher keine derartigen Probleme aufgefallen und auch die Series 3 scheint seit dem Update auf Watch OS 5 weniger anfällig für Fehlinterpretationen. Während meiner Tests erhielt ich mit beiden Geräte im Vergleich zur Messung mit einem Brustgurt stets plausible Werte, sodass von einer guten Genauigkeit der Herzfrequenzmessung ausgegangen werden kann.

Geringere Latenz beim Puls-Sensor und schnelleres GPS

Eine eindeutige Verbesserung der Series 4 gegenüber dem Vorgänger ist die gestiegene Geschwindigkeit beim Erkennen von Änderungen der Herzfrequenz in Folge von Belastungsänderungen*. Ob zwischen den Übungssätzen beim Kraftsport oder bei der Ampelpause beim Radfahren, die neueste Apple Watch erkannte das Absinken der Herzrate deutlich schneller und auch die Zunahme der Herzfrequenz bei steigender Belastung wird mit einer niedrigeren Latenz erfasst. Gemessen habe ich mit beiden Modelle wechselweise an beiden Handgelenken im Vergleich zu einem Polar Brustgurt, dessen Daten ich mit der Polar Beat App und beim Radfahren mit dem Fahrradcomputer Wahoo Elemnt Bolt aufgezeichnet habe. Im direkten Vergleich zur EKG Messung dürfte die Genauigkeit und Geschwindigkeit der Herzfrequenzmessung der Series 4 für die allermeisten Athleten ausreichen. Schade für die Poweruser: leider ist die Apple Watch nach wie vor nicht als Puls-Device via Bluetooth etc. an anderen Geräten zu verwenden. Wer beim Radfahren seine Herzfrequenz an einem Computer ablesen möchte, benötigt daher weiter einen zusätzlichen Sensor. Ähnliches gilt auch für Apps wie Strava, die ebenfalls nicht in der Lage sind, den mit der Watch gemessenen Puls auf dem Smartphone Display anzuzeigen.

Weitere Verbesserungen für Sportler konnte ich dagegen beim GPS feststellen. Wo die Series 3 teilweise noch einige Sekunden suchen musste, war sich die neueste Apple Watch bei meinen Tests stets unmittelbar ihres Standorts bewusst und stimmte beim Radfahren sowohl bei der Länge der Strecke wie auch bei der verbrauchten Kalorienmenge besser mit dem Fahrradcomputer überein, welcher meine geleistete Arbeit mit einem Powermeter messen konnte.

Die sonstigen Verbesserungen haben weniger mit der Hardware als mit der Software zu tun. Seit Watch OS 5 gibt es eine automatische Aktivitätserkennung, welche bei mir bisher nur beim Laufen nicht aber beim Radfahren oder Kraftsport funktioniert hat. Auch hier war die Apple Watch 4 im Vorteil und fragte mich nach ca. 1 km Laufen ob ich die Aktivität aufzeichnen möchte, wohingegen der Vorgänger weitere 200 Meter benötigte. Außerdem werden mit Watch OS 5 auch Unterbrechungen der Aktivität erkannt. Wenn man beim Radeln also an der Eisdiele verweilt, schlägt die Watch vor, das Tracking abzubrechen, was ggf. auch zur Schonung des Akkus beitragen kann. Schade ist, dass es keinen Pausenmodus gibt und das Tracking bei Wiederaufnahme der Aktivität z.B. nach kurzen Unterbrechungen wie Ampelstops automatisch fortgesetzt wird. Neu eingeführt hat Apple eine Funktion für Wettbewerbe welche im Modus 1 gegen 1 über sieben Tage ausgetragen werden können. Gruppenwettbewerbe wie bei Fitbit sind damit aktuell nicht möglich wobei Apple einen auch unabhängig von den Wettbewerben über die Erfolge seiner Freunde informiert, was durchaus zur Motivation beitragen kann.

Insgesamt sind Apple sowohl mit der neuen Watch und dem dazugehörigen OS 5 zwei hervorragende Upgrades gelungen. Insbesondere bei der Genauigkeit der Pulsmessung und der Aktivitätserkennung wirken sich die Vorteile auch auf die älteren Modelle aus, wohingegen die Series 4 mit einer deutlich geringeren Latenz auftrumpft. Außerdem brilliert das neue Modell mit einem beeindruckenden Display und bietet mit dem Ziffernblatt Infograph ganz neue Optionen, sich in seine Daten zu vertiefen. Mit der Sturzerkennung habe ich noch keine Erfahrung gemacht, wobei sie auch für Sportler im Notfall eine entscheidende Hilfe darstellen kann. Da sie die neuen, genaueren Bewegungssensoren der Series 4 voraussetzt, kann sie bei den älteren Modellen trotz Softwareupgrade nicht aktiviert werden. Unklar ist aktuell, wann der EKG-Sensor in Deutschland freigeschaltet wird und ob er zukünftig auch zur Messung der Herzratenvariabilität genutzt werden kann. Fest steht jedoch, dass die neue Watch eine beeindruckende Hardware-Plattform darstellt, welche durch Software-Updates immer nützlicher wird. Soviel für den ersten Eindruck. Neues zu den Features der Apple Watch, Updates zum Genauigkeitstest und Tips und Tricks erfahrt Ihr demnächst in einem Update hier auf igrowdigital.

*Verglichen wurde eine Series 3 in Edelstahl mit einer Series 4 Sport

Bilder: Apple

igrowdigital bei “hart aber fair”

Zum Jahresbeginn zeigte die Redaktion von “hart aber fair” eine Sendung zum Thema Abnehmen. Diskutiert wurde, ob man unbedingt schlank sein muss, um sich sexy zu fühlen und gesund zu bleiben und welche Ansätze zur Gewichtsreduktion zielführend sind. Frank Plasberg und seine Redaktion luden mich für ihre Sendung für ein Experten-Interview ein. Herr Plasberg diskutierte mit mir über den Nutzen und die Risiken des Self-Trackings und der zunehmenden Verfügbarkeit persönlicher Daten. Die Sendung ist bis zum 8.1.2019 in der Mediathek von hart aber fair verfügbar. Das Gespräch von Herr Plasberg und mir seht Ihr ab Minute 43:50. Die aufgrund der begrenzten Sendezeit nur oberflächlich angerissenen Hilfsmittel zur Ernährungsoptimierung wie Gen- und Blutanalysen werde ich in einem Artikel auf igrowdigital in den kommenden Tagen ausführlich vorstellen.

Wearable Technologies Konferenz in München

Ein spannendes Event für Wearable Tech Professionals findet am 30.-31. Januar, parallel zur ISPO, in München statt. Die Wearable Technologies Konferenz, welche bereits seit 2006 die Branche versammelt und mittlerweile auch in den USA, Australien, Indien und Singapur veranstaltet wird, zeigt in diesem Jahr wie smarte Sensoren und künstliche Intelligenz die Sport-, Lifestyle- und Gesundheitsbranche und die Industrien von Morgen verändern. Neben 60 hochrangigen internationalen Referenten von IBM, STMicroelectronics, Panasonic, Dainese, Lufthansa, der FIFA und vielen mehr, stehen die Finalisten des IOT / WT INNOVATION WORLD CUP auf der Bühne. Aus über 940 Einreichungen hat die internationale Fachjury die 30 innovativsten Techpreneure aus aller Welt ausgewählt, die beim offiziellen Pitch und der Award Ceremony ihre Produkte vorstellen werden.

Als ehemaliger Trendsout der Wearable Technologies AG war mir die Konferenz stets eine große Freude und auch heute noch schätze ich die einmalige Wearable Tech Expertise die in München zusammen kommt. Mehr zum Programm erfahrt Ihr hier. Als Leser von IGROWDIGITAL könnt Ihr die Wearable Technologies Konferenz zu Vorzugskonditionen besuchen. Gebt dazu auf der Anmeldungsseite einfach den Code “Igrowdigital” ein und spart 30% auf die Tickets.

XPOMET Medizin Convention

Während der letzten Jahre war ich als Speaker oder Besucher auf vielen Konferenzen und Messen für die Gesundheitsbranche. Gerade bei den traditionellen Veranstaltungen haben es Innovationen häufig schwer, die gebührende Aufmerksamkeit zu erhalten. Deshalb freue ich mich auf ein frisches Format, welches im März 2018 in Leipzig erstmalig stattfinden wird.

Die XPOMET© Convention vereint einen Innovationskongress mit über 100 nationalen & internationalen Top-Speakern mit themenspezifischen Think Tanks, Diskussionsformaten und einer Future Health Ausstellung, welche Medizin-Trends praktisch erfahrbar macht. Über 15 Showcases von der Arztpraxis der Zukunft bis zum Smart Health Home – sowie eine Startup Section und ein Hackathon erwarten die Teilnehmer. Außerdem haben die Veranstalter diverse Side-Events, Parties und ein”Festival of Medicine” angekündigt, so dass die Freude an der Innovation auch nach Sonnenuntergang weiter zelebriert werden kann.

Ich freue mich auf internationale Top-Experten wie Paul Sonnier und Audrey de Grey und werde selbst einen Einblick in die Nutzung von Blut- und Genanalysen zur Optimierung von Gesundheit und Wohlbefinden geben. Als Beirat für den Optimized-Self Track der XPOMET haben mir die Veranstalter den Rabatt-Code “FSXPO20” zur Verfügung gestellt, mit welchem Ihr Tickets um 20% ermäßigt erwerben könnt. Außerdem verlose ich 10 Freikarten für die XPOMET Convention, welche vom 21. – 23. März in Leipzig stattfindet, unter meinen Lesern. Um an der Verlosung teilzunehmen, teilt bis zum 15.2.18 diesen Artikel auf Facebook oder Twitter und erwähnt dabei meinen Account (Facebook), (Twitter).

Quantified Self und die Vielfalt des Lebens

Millionen von Deutschen tragen Aktivitätstracker und Smartwatches, um sich zu einem aktiveren Lebensstil zu motivieren. Die Daten werden überwiegend als Feedback-Loop genutzt, fördern die Bewusstmachung des eigenen Aktivitätslevels und dienen als Trigger, vom gewohnten Verhalten abzuweichen und mehr Bewegung in den Altag zu integrieren. Bei der analytischen Nutzung persönlicher Daten bewegt sich die internationale Self-Tracking Community jedoch auf einem ganz anderen Level. Deshalb bin ich immer wieder begeistert, die hochindividuellen und oftmals sehr ausgefallenen Projekte zu sehen, die auf den Quantified Self Konferenzen und Meetups gezeigt werden. Drei davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

Ahnjili Zhuparris: “How I Found My Psychedelic Sweet Spot Using R”

Quantified Self wird häufig mit körperlicher Selbstoptimierung und Gesundheitsobsession in Verbindung gebracht. Dass es hier auch Ausnahmen gibt, zeigt Ahnjili Zhuparri, eine Studentin der Neurowissenschaften. Sie untersucht den Effekt psychedelischer Substanzen auf die kognitiven Eigenschaften, im Rahmen universitärer Forschung und als persönliches Citizen Science Projekt. So hat sie die Wirkung von Cannabis, LSD, Ritalin und anderen Substanzen auf ihr eigenes Bewusstsein untersucht und mit Hilfe statistischer Methoden ausgewertet. Ihre Präsentation war Teil der Eröffnung der diesjährigen Quantified Self Konferenz in Amsterdam und kann als Beispiel dafür verstanden werden, wie offen die QS-Bewegung mit unterschiedlichen persönlichen Interessen umgeht. Nicht zur Nachahmung empfohlen, dennoch absolut sehenswert 😉

 

Robin Weis: “Tracking Crying”

Ein weiteres Beispiel für die Vielfalt an Themen, mit denen sich Self-Tracker auseinandersetzen, kommt von Robin Weiss. Ihre Kurzpräsentation “Tracking Crying” war ebenfalls Teil der Erföffnung der letzten Quantified Self Konferenz. Robin berichtet, dass sie ungewöhlich häufig weint und analysiert die Umstände, unter welchen dieses vorkommt. Ihr sehr persönlicher Talk enthält eine Menge Humor und zeigt, welche spannenden Erkenntnisse Einzelexperimente außergewöhnlicher Menschen hervorbringen können.

 

Richard Sprague: “Microbiome Gut Cleanse”

Das letzte Video wurde bei einem Quantified Self Meetup in der San Francisco Bay Area aufgenommen. Richard Sprague berichtet über ein Experiment bei dem er die Zusammensetzung seiner Darmbakterien manipuliert und analysiert hat. Mit Hilfe von Genanalysen ist es seit einiger Zeit möglich, das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikrolebewesen in und auf dem Körper analysieren. Im Rahmen seines Experiments hat Richard versucht, die Bakterien in seinem Darm auszulöschen und diesen mit neuen Kulturen zu besiedeln. Ein Thema mit dem ich mich seit einigen Monaten auseinandersetze, weshalb Richards Talk für mich persönlich die größte praktische Relevanz besitzt.

Welcher Fitbit passt zu mir?

Die Marke Fitbit ist in den letzten Jahren schon fast zum Synonym für Activity-Tracker geworden. Zurecht, denn das amerikanische Unternehmen hat seine Technologien immer weiterentwickelt und punktet nicht nur mit solider Hardware, sondern auch die Apps von Fitbit überzeugen. Mittlerweile hat Fitbit zahlreiche Modelle im Angebot, die sich in ihrem Aussehen und ihrem Funktionsumfang deutlich unterscheiden. In den letzten Jahren und Monaten hatte ich alle Varianten im Einsatz (vielen Dank an Fitbit für die Bereitstellung der Testgeräte) und konnte so die Stärken und Schwächen der Geräte in der Praxis austesten. Wie sich die verschiedenen Fitbit Modelle unterscheiden und welches am besten zu Dir passt, erfährst Du in diesem Artikel.

Fitbit Alta und Alta HR

Activity Tracker Fitbit Alta HR

Der Alta ist ein praktischer und einfacher Activity-Tracker für modebewusste Menschen. Funktionell beschränkt er sich auf die Basics, also Bewegungsmessung und Schlafmessung, Ausdauersportarten wie Radfahren oder Laufen werden automatisch erkannt. Das ist praktisch, wenn man ein Gerät möchte, das möglichst einfach zu bedienen ist und auf besondere Fitness-Tests sowie das Tracking von Sportarten wie Yoga, Kraftsport etc. verzichten kann. Toll am Alta ist das kompakte Design und die Möglichkeit, das Aussehen des Trackers mit Armbändern als Zubehör an die eigenen Vorlieben anzupassen. Ich habe diese Möglichkeit schon bei meiner Apple Watch sehr zu lieben gelernt und mir auch für meinen Alltag HR diverse Armbänder als Zubehör besorgt. Neben dem hochwertigen Originalzubehör von Fitbit findet man z.B. auf Amazon eine große Auswahl an günstigen Alternativen. Toll ist die Akkulaufzeit von bis zu 7 Tagen mit der man relativ gut über die Runden kommt aber auch die Geschwindigkeit mit welcher der Tracker aufgeladen wird. Ich trage meinen seit mehreren Monaten rund um die Uhr und lade ihn nur alle paar Tage im Badezimmer während ich dusche und mich frisch mache. So eignete sich der Alta ideal für den Dauereinsatz. Aufgrund seiner schmalen Form is er sehr angenehm zu tragen, insbesondere auch nachts, wenn man ihn zur Schlafmessung nutzen nöchte.

Besser mit Pulsmessung

Angeboten wird der Alta in zwei Versionen, als Alta und als Alta HR mit zusätzlicher Pulsmessung, welche ich allen interessenten des Altas empfehlen würde. Auch wenn beide Modelle nichts für hochambitionierte, datenhungrige Sportler sind, ist die zusätzliche Pulsmessung durchaus sinnvoll zur Langzeitbeobachtung der Herzfrequenz, für eine Kontrollmessung beim Sport oder auch in Ruhe und liefert präzisere Daten zu automatisch aufgezeichneten Ausdaueraktivitäten. Außerdem beherscht die Variante mit dem Pulssensor eine detailliertere Schlafmessung, welche neben der Dauer und Tiefe des Schlafs auch den Verlauf der Schlafphasen umfasst. Wie gut das in der Praxis funktioniert, habe ich vor einigen Wochen im Schlaflabor getestet. Einen Artikel dazu findet Ihr demnächst auf igrowdigital.

Bei der Pulsmessung solltet Ihr darauf achten, dass die Art des Armbands und wie locker der Tracker am Handgelenk sitzt, einen enormen Einfluss auf die Genauigkeit hat. Für exaktere Pulswerte empfehlen sich Kunststoffbänder, wie sie mit dem Alta geliefert werdenund ggf. auch Lederbänder mit einem guten Sitz. Metallbänder sitzen häufig deutlich lockerer am Handgelenk und führen durch Rutschen des Trackers zu einer Beeinträchtigung der Genauigkeit. Doch selbst wenn der Tracker richtig sitzt, sollte die optische Pulsmessung aller Fitbit Geräte mit integriertem Herfrequenzsensor nur als Orientierungshilfe verstanden werden, was übrigens für die Wettbewerber von Fitbit gilt. Je nach Aktivität und persönlichen Faktoren wie Hautpigmentierung und Verlauf der Gefäße unter der Haut, kommt es teilweise zu deutlichen Abweichungen gegenüber dem Goldstandard hinsichtlich Genauigkeit, der EKG-Messung mit Elektroden auf der Brust. Gute Ergebnisse der optischen Sensoren sind typischerweise in Ruhe, beim Laufen und mit leichten Einschränkungen beim Radfahren zu erwarten. Bei Sportarten mit unregelmäßigem Bewegungs- und Belastungsmuster kann es schon mal zu größeren Abweichungen kommen. Die otpischen Sensoren haben dennoch ihre absolute Berechtigung u.a. zur Orientierung beim Ausdauersport, zur Langzeitbeobachtung, Messung des Ruhepulses und für eine bessere Schlafanalysen.

Smarte Zusatzfunktionen

Neben der Bewegungsaktivität- und Schlafmessung eignet sich der Alta mit seinem Display auch für die Anzeige von Notifications. Anrufe, SMS und Kalenderbenachrichtigungen werden dabei vom Smartphone an den Tracker weitergeleitet. Weitere Notifications wie Mails, Whatsapp und Co wie bei Smartwatches üblich können auf dem Alta nicht angezeigt werden, was aufgrund des kleinen Displays jedoch auch kaum sinnvoll wäre.

Persönlich nutze ich den Alta HR vor allem zur Schlafmessung und um mich mit meinen Fitbit-Freunden um den Highscore zu battlen. Für ein detailliertes Tracking beim Sport verwende ich je nach Aktivität eine Smartwatch und andere Sensoren die mit meinem Smartphone verbunden sind. Empfehlen würde ich den Alta als modische und bequeme Lösung zum Tracking im Alltag und für Ausdauersportler, die ihre Aktivitäten protokollieren wollen, beim Sport selbst aber nicht auf ein direktes Datenfeedback angewiesen sind. Beim Kraftsport und anderen Aktivitäten werden die verbrannten Kalorien (beim Alta HR) anhand der Pulswerte zwar näherungsweise gemessen, wer seine sportlichen Aktivitäten aber auch im Protokoll in der zugehörigen App sehen möchte, benötigt das manuelle Tracking welches der Alta nicht beherrscht. Außerdem werden beim automatischen Tracking von Laufen oder Radfahren lediglich die Dauer, der Kalorienverbrauch und der Verlauf der Herzfrequenz, nicht aber das Tempo und die Route aufgezeichnet. Wer für seine sportlichen Aktivitäten mehr Funktionen und ein genaueres Tracking möchte, sollte daher einen Blick auf den Charge 2 werfen.

+ Schicker Look und einfache Bedienung
+ Lange Batterielaufzeit
– kein manuelles Tracking sportlicher Aktivitäten

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Fitbit Charge 2

Der Fitbits Charge 2 hat einen ähnlichen Aufbau wie der Fitbit Alta HR, besteht also aus einer Technik-Einheit mit Display in Verbindung mit einem auswechselbaren Armband. Im Gegensatz zum Alta ist der Charge 2 jedoch breiter und verfügt über einen Button am Gehäuse sowie einen Touch-Screen, um die zusätzlichen Funktionen des Activity Trackers zu bedienen.

Manuelle Aufzeichnung von Aktivitäten

So lässt sich die Aufzeichnung eines Workouts manuell starten, sodass Aktivitäten wie Yoga, Kraftsport u.v.m. protokolliert werden können. In diesem Tracking-Modus zeigt der Charge 2 Werte wie die aktuelle Herzfrequenz, die gelaufene Strecke oder die Dauer des Workouts auf dem Display an. Außerdem werden die so erfassten Workouts auch auf das wöchentliches Sport-Ziel angerechnet, bei dem man sich vornehmen kann, z.B. 5 mal pro Woche Sport zu treiben. Solltet Ihr auf Live-Daten beim Sport verzichten können, beherrscht der Charge 2 ähnlich wie der Alta HR die komfortable automatische Erkennung von Ausdauersportarten und die kontinuierliche Berechnung des Kalorienverbrauchs auf Basis der Herzfrequenz. Ich habe die beiden Modi bei mehreren Rennrad-Einheiten verglichen. Dabei waren die Pulswerte beim manuellen Tracking deutlich exakter als bei der automatischen Aktivitätserkennung.

Fitness-Cardio-Score

Ein weiterer Vorteil des Charge 2 gegenüber dem Alta HR ist die Möglichkeit, den Fitness-Cardio-Score, einen Wert der angibt, wie Leistungsfähig Euer Kreislauf ist, präziser zu bestimmen. Beim Alta wird dieser Wert auf Basis des Ruhepuls kalkuliert, beim Charge kann man auch beim Sport eine Leistungsmessung durchführen, indem man beim Laufen das manuelle Tracking der Aktivität startet und per GPS (vom mitgeführten Smartphone) die Geschwindigkeit und Strecke aufzeichnet. Das manuelle Aktivieren beim Laufen und das Mitführen eines Smartphones ist übrigens auch notwendig wenn die Route aufgezeichnet werden soll.

Der Charge 2 hilft auch beim Runterkommen

Neben der Unterstützung beim Sport bietet der Charge 2 auch eine geführte Atemübung, die Euch helfen soll, im Alltag zu entspannen. Dazu folgt Ihr mit Eurem Atem einer Animation auf dem Tracker, die Euch das Tempo für Ein-und Ausatmen vorgibt. Genau wie auch beim Alta könnt Ihr den Look des Charge 2 mit unterschiedlichen Armbändern an Euren Geschmack anpassen. Die Akkulaufzeit liegt bei bis zu 5 Tagen und damit knapp unter der des Alta HR. Insbesondere aufgrund des manuellen Sport-Tracking ist der Charge 2 ein toller Allrounder und bietet einen guten Kompromiss aus Funktionalität und Design.

+ Gutes Sport-Tracking
+ Entspannungsübung
– Akkulaufzeit

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Fitbit Blaze

Der Blaze ist ein Activity-Tracker im Uhrenformat. Genau wie der Alta HR und der Charge 2 hat der Blaze einen optischen Pulssensor und kann damit die Herzfrequenz im Alltag, im Schlaf und beim Sport messen. Gegenüber den Armbändern hat er für Sportler zwei wichtige Vorteile. Aufgrund des großen Displays lassen sich Werte wie Puls, zurückgelegte Strecke und Geschwindigkeit beim Laufen, Radfahren oder anderen Aktivitäten besser ablesen, insbesondere auch mehrere Werte auf einen Blick. Genaue Werte für Geschwindigkeit und Strecke bekommt man dabei nur wenn man zusätzlich ein Smartphone mit GPS mit sich führt. Ohne Smartphone erhält man beim Wandern oder Laufen Näherungswerte, die auf der Anzahl der Schritte und der angenommenen Schrittlänge basieren.

Der Fitbit Blaze als Fitness-Coach

Außerdem hat der Blaze eine Reihe von Übungsanleitungen integriert, mit denen man seine Muskulatur stärken kann. Dabei wird die Ausführung der Übungen auf dem Display von einem Avatar gezeigt – hat man diese verstanden darf man selbst loslegen und der virtuelle Coach zählt einen durch die Wiederholungen und motiviert, dran zu bleiben. Vergleichen kann man die Funktion mit den Apps von Runtastic und Co. Erstaunlicherweise funktioniert das auf dem im Vergleich zum Smartphone relativ kleinen Display der Blaze-Uhr ziemlich gut. Für erfahrene Sportler mit eigenem Trainingsplan ist die Funktion vermutlich weniger relevant aber gerade als Einstieg in das Fitnesstraining können die Übungen eine praktische Unterstützung sein.

Smarte Zusatzfunktionen

Wie auch bei den anderen Modellen von Fitbit lässt sich der Look des Blaze mit unterschiedlichen Armbändern anpassen. Mir hat Fitbit das Metallarmband zur Verfügung gestellt welches einen hochwertigen Eindruck macht. Die Akkulaufzeit liegt bei 5 Tagen. Schade ist, dass man den Blaze zum Laden aus der Halterung des Armbands entnehmen muss. Da habe ich von anderen Herstellern schon praktischere Lösungen gesehen ? Ansonsten macht die Blaze einen soliden Eindruck und ist eine gute Wahl für Alle die lieber Uhren tragen, beim Sport möglichst einfach ihre Werte checken wollen oder Lust haben mit dem Fitnesstraining zu beginnen. Neben den Sport-Funktionen hat die Blaze auch noch ein paar andere nützliche Features für den Alltag. Auch wenn die Blaze keine echte Smartwatch mit eigenem Appstore ist, bietet sie dennoch einige smarte Funktionen die den Umgang mit dem Smartphone einfacher machen. So können die Notification vieler Smartphone Apps auf dem Display der Blaze angezeigt werden. Außerdem lässt sich mit der Blaze vom Handgelenk aus die Musikwiedergabe auf dem Smartphone steuern.

+ Gute Anzeige von Werten
+ Inkl. Fitnessübungen
– Kein GPS

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Fitbit Ionic

Die Ionic ist Fitbits erste Smartwatch mit einem Betriebssystem, das Apps von Drittanbietern ermöglicht. Auch die technische Ausstattung macht die Smartwatch zu Fitbits aktuellem Top-Modell. So hat die Ionic einen integrierten Pulssensor und GPS, außerdem ist das Gerät wasserdicht und damit auch fürs Schwimmen geeignet. Ähnlich wie die meisten anderen Modelle von Fitbit, erkennt die Ionic Ausdauersport automatisch. Aktiviert man beim Sport die Aufzeichnung über die zugehörige App, werden auf dem hochauflösenden Display die aktuellen Leistungswerte dargestellt. Das scharfe Display kommt auch den von der Blaze bekannten Fitness-Programmen zugute. Auf dem Touch-Screen im Breitformat werden die Übungsanleitungen toll dargestellt, geneigte Fitness-Enthusiasten erhalten so ein gutes Coaching.

Fitbit etabliert ein neues Smartwatch-Ökosytem

Neben Fitness-Tracking und Übungsanleitung stehen auch verschiedene smarte Funktionen zur Verfügung. Abgesehen von Notifications und der Steuerung der Musikwiedergabe auf dem Smartphone gibt es für die Ionic einen eigenen Appstore, mit dem die Smartwatch um verschiedene Anwendungen erweitert werden kann. Das Angebot ist kurz nach dem Start noch überschaubar, Fitbit entwickelt jedoch kontinuierlich neue Apps  und hat eine Vielzahl an Partnerunternehmen, die Software für die Uhr entwickeln. Bereits veröffentlicht sind Apps des populären Fitness-Anbieters Strava und zahlreiche anderen Anwendungen wie eine Wetter-App, eine Entspannungsübung sowie die Möglichkeit, eigene Musik auf der Uhr zu speichern. Dies geht jedoch nur mit Dateien, also einer eigenen Musiksammlung oder Podcasts, die mit einem Computer auf die Uhr übertragen werden können. Abgespielt werden die Tracks auf Bluetoothkopfhörern, ein eigenes Modell namens Flyer hat Fitbit im Angebot.

Wie Fitbit kürzlich angekündigt hat, wird sich das Spektrum der Apps jedoch schon bald deutlich erweitern. So wird Musik in Europa auch über den Streaminganbieter Deezer direkt per WiFi auf die Smartwatch geladen werden können, weitere Anbieter werden sich hoffentlich bald anschließen. Außerdem kommen neue Fitness Apps von Clue, einer der führenden Zyklus- und Menstruations-Apps, Game Golf, einem Tracking-und Analyse-System für Golfspieler und Surfline, einem Vorhersage-Tool für Surfbedingungen. Auch in anderen Kategorien hat Fitbit mit Apps von Nest, Philips Hue, Yelp, Trip Advisor und vielen anderen zahlreiche Neuvorstellungen angekündigt.

Gute Mischung aus Apps und Fitness

Mit dem Softwareangebot einer Apple Watch, den Modellen von Samsung oder Smartwatches mit Android Wear dürfte die Ionic vorerst dennoch nicht mithalten können, dabei verfolgt Fitbit mit seinem Modell auch eine andere Zielsetzung. Im Vergleich zu den Smartwatches der etablierten Smartphonehersteller mit ihren persönlichen Assistenten wie Siri und Google Now ist die Ionic weniger ein tragbarer Computer sondern legt einen stärkeren Fokus auf Fitness und Gesundheit und ergänzt diese um die für aktive Menschen sinnvollen Anwendungen. So dürfte der integrierte Pulssensor der Ionic, welcher Licht unterschiedlicher Wellenlängen verwendet, den Sensoren vieler anderer Smartwatches überlegen sein und wie Fitbit bereits angekündigt hat, zukünftig auch andere Funktionen jenseits der reinen Pulsmessung unterstützen.

Schicke Uhr für fitte Typen

Dieser Fokus macht die Ionic zu einem spannenden Gerät für Alle, die die wichtigsten Funktionen einer Smartwatch nicht missen wollen und insbesondere beim Tracking, Coaching und anderen Gesundheitsfunktionen hohe Ansprüche haben. Ein großer Vorteil gegenüber den Smartwatches der Wettberber ist die lange Batterielaufzeit der Ionic von bis zu vier Tagen. Diese macht es einfach, die Uhr auch zum Schlaftracking zu verwenden oder bei einem Kurzurlaub das Ladekabel zu Hause zu lassen. Auch dass Design der Ionic ist durchaus gelungen. Derzeit werden drei verschiedene Farbvarianten angeboten und als Zubehör sind einfach zu wechselnde Armbänder aus Leder und anderen Materialen erhältlich. Für Technikbegeisterte, die Lust auf die aktuellen und zukünftigen Funktionen der Ionic haben und für Sportler, die einen genauen und praktischen Trainingsbegleiter suchen, ist die Ionic daher der ideale Fitbit.

+ GPS
+ Mit Apps vielseitig erweiterbar
– Preis

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Fitbit Flex 2

Fitbit Flex 2
Neben den oben beschriebenen Modellen bietet Fitbit noch zwei Einstiegsmodelle ohne Pulsmessung. Der Flex 2 ist ein Armband, welches eine kleine Kapsel mit der Elektronik des Trackers enthält. Die Armbänder sind in verschiedenen Farben erhältlich. Anders als bei den aufwendigeren Modellen hat der Flex kein richtiges Display sondern zeigt mit Hilfe von 5 Leuchtdioden den Fortschritt auf dem Weg zum täglichen Bewegungsziel an. Das sorgt für eine sehr reduzierte Optik sodass der Flex nicht als technisches Gadget sondern in Verbindung mit einem schicken Amband als Schmuckstück wahrgenommen wird.

Beim Tracking ist er ähnlich wie das Modell Alta einfach gehalten, erkennt Ausdauersportarten automatisch, hat jedoch keinen manuellen Modus für andere Sportarten. Darüber hinaus ist der Flex 2 wasserdicht und kann daher auch unter der Dusche oder zum Tracking von Schwimmen verwendet werden.

+ verschiedenfarbige, auswechselbare Armbänder
+ wasserdicht
– kein manuelles Tracking

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Fitbit Zip

Fitbit Zip white
Gegenüber allen anderen Fitbit-Modellen unterscheidet sich der Zip durch seine Bauart und Energieversorgung. Konzipiert als Clip, kann er an der Kleidung, einem BH oder Halskette befestigt werden. Außerdem verwendet er anstelle eines Akkus eine Knopf-Batterie mit einer Laufzeit von bis zu 6 Monaten –  das regelmäßige Aufladen wie bei anderen Geräten ist daher nicht nötig. Gemessen werden die Anzahl der Schritte, aktive Minuten und der Kalorienverbrauch. Die Automatische Erkennung von Ausdauersportarten und die Messung von Schlaf sind mit dem günstigen Tracker nicht möglich. Stattdessen erhält man mit dem Zip einen einfach zu handhabenden Schrittzähler für den Alltag. Ideal geeignet für Menschen die es praktisch mögen, am Handgelenk lieber nichs oder eine Breitling tragen und auf detailiertere Messungen verzichten können 😉

+ Preis
+ Lange Batterielaufzeit
– keine Schlafmessung möglich

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